Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

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Ralf1972
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Ralf1972 » Di 17. Jan 2017, 12:09

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Da ich kurz nach meiner Laufbahnausbildung „dicken Diesel“, also Streckendiesellok gemacht habe bin ich schon seit Beginn meiner Laufbahn zweigleisig gefahren. Es ist längst nicht so dass alle Lokführer eines Bw’s alle Lokomotiven fahren können. Auch heute, wo z.B. Koblenz nur ein Schatten von früher ist fahren nicht alle Tf alle Triebfahrzeuge. Es haben sich auch viele Kollegen dagegen gesträubt Großdiesel zu machen, es ist halt ein schmutzigeres Geschäft gewesen, außerdem galt für viele der Spruch „wer viel kann muss auch viel arbeiten“. Ich dagegen war früher wirklich verrückt danach gewesen alles fahren zu können, ich gierte nach jeder Baureihe. Ich habe es wirklich geliebt so viele Baureihen wie möglich fahren zu können bzw. zu dürfen. Einige Jahre lang war ich in Koblenz der einzige der alles fahren durfte, und das hat mich echt stolz gemacht. Nur habe ich das damals im Pausenraum niemandem erzählt sonst hätten mich, zumindest der Großteil meiner Kollegen, nur für bekloppt erklärt. Offiziell hat man von mir immer „Och nä, noch ne Ausbildung“ gehört, innerlich habe ich gefeiert. Natürlich sehr heuchlerisch, aber naja, so war ich halt. Ich bin auch immer freiwillig im Sonderdienst gefahren, also in keinem festen Dienstplan. „Auf der Latte“ hieß das früher, denn der Disponent hatte früher alle seine Dispolokführer auf einem Holzbrett aufgepinnt. Heute wird übrigens nur noch mittels Computer disponiert. Dispo zu fahren hatte den großen Nachteil das man immer nur ein paar wenige Tage voraus wusste welchen Dienst man hatte, in einem Dienstplan konnte man wochenlang in die Zukunft blicken und wusste welchen Dienst man wann zu fahren hatte. Der Vorteil war, zumindest für mich, darin viel mehr Vielfalt zu haben, ich fuhr gemischt E und Diesel, dazu überall hin. Wobei der Dieselanteil immer höher war, aber das hat mich nie gestört.

Die ersten Jahre waren die schönsten meiner bisherigen Karriere, ich bin unglaublich gerne in den Dienst gefahren. 1994 wurde die AG gegründet, drei Jahre waren wir noch Geschäftsbereich Traktion. Obwohl es die Bundesbahn nicht mehr gab spürten wir keine Veränderungen. Als die Traktion aufgelöst wurde und ich zu Regio ging verlor mein Beruf schon extrem viel von seinem Reiz. Ich war sehr traurig über die Aufteilung in Fernverkehr, Regio und Cargo. Zum Glück fuhren wir noch einige Zeit Güterzüge an der Lahn für Cargo sodass mir die fensterlosen Züge noch etwas erhalten blieben. Der nächste Hammer war dann im Jahr 2000 die verlorene Ausschreibung meiner Haustrecke. Plötzlich verloren wir Leistungen und keiner von uns verstand so wirklich warum. Natürlich wurden bei Transregio Arbeitsplätze geschaffen, aber wir verloren halt Arbeitsplätze. Und das Hemd ist mir nun mal näher als die Hose. Viele Strecken gingen weg, die Pz an der Lahn (die wir ja wieder fahren, zumindest bis Limburg), Pz linker Rhein nach Köln und Mainz, Pz rechter Rhein nach Wiesbaden/Frankfurt, die Steilstrecke. Das Schichtenheft wurde immer dünner, die Angst den Arbeitsplatz zu verlieren wurde größer. Die ersten Jahre im neuen Jahrtausend waren diesbezüglich nicht schön, ich habe manche Nacht nicht geschlafen. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und ich bewarb mich beim Fernverkehr. Ich bin heute glücklich über diesen Schritt, durfte ich doch wieder einen Haufen neue Ausbildungen machen, das liebe ich ja. Auch das fahren dort hat Spaß gemacht, trotzdem hatte ich immer ein wenig Heimweh nach meiner alten Dienststelle, obwohl ich ja weiter in Koblenz war. Zudem gingen mir die extrem vielen Übernachtungen auf den Sa…., das kann ich nicht abstreiten. Nach ein paar Jahren, Regio hatte wieder Leistungen gewonnen, bemühte sich man sich dort um mich und fragte ob ich nicht wieder zurückkommen wolle. Diese Entscheidung hat mich fertig gemacht, ich wusste nicht was ich tun sollte. Nach einer endlos quälenden Bedenkzeit ging ich dann wieder zurück zu Regio, noch heute frage ich mich ob das richtig war. Kurz danach wurde dann ein Dienstposten eines nebenamtlichen Ausbilders frei, ich bewarb mich und bekam den Dienstposten. Das war goldrichtig, bis heute macht mir die Ausbilderei viel Spaß, vor allem weil ich es nicht ständig mache sondern nur wenn Bedarf besteht. Ich hätte die Chance gehabt hauptamtlicher Ausbilder zu werden, aber das wollte ich nicht. Das Büro ist nicht meine Welt. Ich möchte das „ganz normale“ Schichten fahren nicht missen, dafür bin ich zu sehr Lokführer.

Trotzdem habe ich viel von meinem Enthusiasmus verloren. Ich kann das auch nicht an einem bestimmten großen Punkt festmachen. Das Puzzle auf dem „Ralfi hat viel von seinem Enthusiasmus verloren“ steht besteht aus vielen kleinen Teilen, aber sie passen zusammen. Ich weiß das es nichts bringt in der Vergangenheit zu denken, ich weiß dass sich die Zeiten eben ändern, ich weiß dass sich die Welt immer weiter dreht. Trotzdem, schon wieder dieses Wort, ich vermisse die Anfangsjahre meines bisherigen Berufslebens. Ihr könnt das auch hier feststellen, ich schreibe nichts über 442 und 429 sondern nur über die Bundesbahn- oder Reichsbahnloks. Den Dienst den ich heute schiebe hat nicht mehr viel mit dem zu tun was ich mal gelernt habe, abgesehen vom betrieblichen natürlich. Ich fahre (fast) nur noch Triebzüge mit einem Fahr-/Bremshebel wie in einer Straßenbahn, es wird nicht mehr rangiert, nur noch RB und RE, nur noch Kilometer fressen. Dazu noch andere Umstände zu denen ich hier nichts schreiben möchte. Ne, es ist nicht mehr das was ich mal so geliebt habe.
Einen kleinen Strohhalm habe ich aber noch, und an den klammere ich mich krampfhaft. Wenn ich mit meinen Plastikschüsseln durch die Gegend fahre, die Lahn entlang nach Gießen, den Rhein oder die Mosel rauf und die Landschaft in den verschiedenen Jahreszeiten sehe, den Schienenstrang vor mir, dann empfinde ich immer noch das Glück die richtige Berufswahl getroffen zu haben. Aber wirklich nur noch dann.

Eigentlich wollte ich etwas zum Thema Sonderdienst und Dienstplan schreiben. Aber dann ist es mit mir durchgegangen und der Aufsatz ging in eine andere, emotionale Richtung. Ich hoffe es war nicht zu langweilig. Ich weiß jetzt gar nicht welches Bild dazu passt. Ich denke ich stelle mal eins ein das einen ganz modernen Triebzug zeigt, die „strafe“ ich ja normalerweise hier mit Nichtbeachtung.

Am 27.12.2015 habe ich, nachdem ich den KISS mit dem ich aus Trier gekommen bin abgestellt hatte, dieses Bild gemacht.

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Dieselpower
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Dieselpower » Di 17. Jan 2017, 14:19

Hallo Ralf - muß schon wieder kommentieren, weil sich alles so ähnelt! Nimm es mir nicht übel!

Jedes deiner Worte ist nachvollziehbar, und obwohl ich nie dem Konzern mit den zwei Buchstaben angehört habe (Die wollten mich 1997 nicht, ich war denen mit 25 "zu alt"...."Die ausgeschriebenen Stellen seien nur für Schulabgänger gedacht", so die sinngemäße Antwort auf meine Bewerbung - jaja, ich war auch mal an der DB interessiert!), gleichen sich die Bilder...

In meinem Ausbildungsbetrieb hab ich auch alles "mitgenommen" - Rangierer, Ladeeinheitenprüfer, Rangierleiter, Zugführer, Lokführer, Oberlokführer und Hauptlokführer durfte ich mich nennen (Für den Lokbetriebsinspektor mußte man nach Rotterdam fahren, da legte ich weniger Wert drauf), bei der HGK gab es das damals alles noch - auch längst Geschichte, die "Amtsbezeichnungen" sind längst den "Funktionsbezeichnungen" gewichen, und in keiner Veränderung ist der Lauf der Zeit besser zu erkennen, als in diesen Bezeichnungen. Man hat längst kein Amt mehr inne, das man mit Würde bekleidet, man muß nur noch "funktionieren". Auch ich bin die ersten 2 Jahre meiner Lokführerkarriere "Dispo" gefahren, stand mit dem Kollegen Mustafa, der mit mir zusammen ausgebildet worden war, unter den Planstellen auf dem Dienstplan. Für die Freizeitplanung grauenhaft, aber einmalig in Bezug auf Abwechslung. Später, als die Leitstelle wußte "Mit dem kannste so ziemlich alles machen", war das ganze dann noch besser. Mal eben mit der "Dicken" Kesselwagen in Troisdorf West holen....kann der machen, der kennt sich da doch aus. Einen Schwung Eanos mit Schrott nach Oberhausen West? Mach ich doch gern! Ein Zug mit 4 leeren Samms von Deutz Hafen nach Friedrich-Wilhelms-Hüte? Aber sicher....Ups? Wie bitte? Die 16 beladenen auch? Und dann nur ne DE1002 - und das im Sommer!...gut, daß ich immer die Kamera dabei hatte. Und ein fast familiäres Betriebsklima gab es trotz der Firmengröße dort auch noch...alles vorbei, wenn ich viele ex-Kollegen so höre!

Wenn ich nicht so bequem wäre, und lange Anfahrwege mittlerweile scheuen würde (man ist ja auch keine 32 mehr, und das Zigeunerleben aus dem Rucksack liegt mir nicht so), würde ich meine Möglichkeiten auch abwechslungsreicher gestalten, und mal wieder einen schönen Güterzug den Rhein hoch oder runter fahren, doch all meine geliebten Class 66 findet man dort ja nicht mehr, und trotz Grundausbildung E mit Drehstrom reizt es mich nicht mehr so wirklich, noch eine dieser Traxxe, Stiere oder was weiß ich zu machen. Böte man mir jedoch ein V160-Familienmitglied oder ne Einheitsellok oder gar ne 151er an, wäre ich sofort dabei!

Auch ich habe diese "Alles richtig gemacht"-Momente, erst gestern wieder, als der Abendhimmel über dem verschneiten Westerwald von Blau über Rot ins Orange überging, einer der letzten noch "behängten" Telegrafenmasten bei Büdingen vorbeihuschte, und der Gleisbogen den Blick auf die bei Fuzzies berühmte Kirche freigab, und dennoch ist irgendwie ganz schön die Luft raus - und es mischen sich immer öfter die dunkleren Gedanken dazwischen....Es beginnt bei technisch unzulänglichen Plastikbahnen, bei denen Kinderkrankheiten nahtlos in Verschleißerscheinungen übergehen (etwas anderes liefert unsere Bahnindustrie ja kaum mehr ab), geht über Fahrgäste, denen man nichts, aber auch gar nichts recht machen kann, oder die einfach nur zum Ko..en sind, bis hin zu mit etwas mehr Willen vermeidbaren "Verzögerungen im Betriebsablauf" usw...

Dann schlägt einem im Ausbildungswesen sowohl bei Theorie als auch Praxis von "werdenden Kollegen" oft ein derartiges Unvermögen oder Desinteresse entgegen, daß man immer wieder am liebsten sofort die Brocken hinwerfen würde...und dennoch packe ich gleich wieder meinen Rucksack und die Thermo-Gummistiefel ins Auto (Denn wozu Randwege in den Abstellungen räumen?) immer mit ein wenig Hoffnung, daß der heutige Dienst doch wieder einen Hauch an schönen Momenten bereithält. Die Sonne lacht noch - vielleicht kann man sich wenigstens an einem weiteren Sonnenuntergang in der herrlichen Winterlandschaft erfreuen. Für nächste Woche ist ja wieder tristes nasses Dauergrau angekündigt....
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Bad Camberger » Di 17. Jan 2017, 21:17

Hallo Ralf, hallo Marko!

Vielen Dank für eure "Geschichten". Ich hab beide durchgelesen und kenne die Gefühle, über die ihr schreibt. Ich hänge mich mal mit dran.

Ich habe einen Vorteil. Ich habe die DB AG baujahrbedingt schon so kennengelernt. Bei mir gab es keine Bundesbahn (außer als Steppke). :DB:
In meinen mittlerweile 10 Jahren als Eisenbahner bin ich also dort ins Geschäft eingestiegen, wo andere den zeitlichen Tiefpunkt des Unternehmens sehen ( das hört man übrigens jedes Jahr von sämtlichen Kollegen). Da ich nicht weiß, wie es damals war, als es überall noch Kantinen gab, wo man Bier zapfen konnte, blieb mir also der Niedergang des Unternehmens erspart, zumindest aus Sicht des Eisenbahners.
Was den schrumpfenden Gewinn des Unternehmens und das Schrumpfen der Marktanteile angeht, bin ich allerdings live dabei.

Was ich verraten kann ist, dass ich als Sonderdienstler/Springer beim Güterverkehr sehr gut fahre, und mich tatsächlich jeden Tag auf meinen Dienst freue, sofern die Zeiten einigermaßen mit dem Privatleben vereinbar sind. Meine berufliche Laufbahn als Lokführer begann ebenfalls bei den Fensterzügen, ansich war es eine schöne Zeit, solange es die Altbaufahrzeuge gab und die Ausschreibung noch nicht gewonnen war. Danach kamen Neufahrzeuge von Bombardiert und die Arbeit machte plötzlich keinen Spaß mehr, da man sich nur über die Kiste aufgeregt hat, die nicht funktionierte. Zumal nach gewonnener Ausschreibung die Schichten ziemlich straff wurden, man keine Zeit mehr zwischen den Zugfahrten hatte und die Fahrgäste verdarben den letzten Spaß an meiner Arbeit. Ich fühlte mich in meiner Arbeit regelrecht sabotiert, durch ewige Türoffenhalter und sonstige Sonderfälle. Marko, deine Stories dazu kommen mir bekannt vor! Als sich die Bundespolizeieinsätze - von der BuPo fühlte ich mich übrigens arg im Stich gelassen- zuletzt auf durchschnittlich 1/Monat anstiegen, nutzte ich die einmalige Chance in den Güterverkehr zu wechseln und bereue nur eines, nämlich dass ich nicht schon früher gewechselt bin.

Das was ich mir als Beruf vorgestellt habe, darf ich jetzt jeden Tag ausüben. Es ist mehr als ein Beruf, es ist Leidenschaft- gepaart mit Berufung.

Ich gehöre mittlerweile zu einem Stamm, der vergleichsweise viele Lokomotiven fahren darf und mein Streckenkundezettel umfasst fast die Hälfte des ehemaligen Bundesbahngebiets. Auf DDR bin ich nicht ausgebildet. So passen immer irgendwelche Schichten auf mein Profil. Ich kann mir fast aussuchen, wann ich arbeiten komme und wann ich frei habe. Diesen Luxus schätze ich sehr. Allerdings sind mehr Samstage von Arbeit geprägt, als es noch im Personenverkehr der Fall war. Jedenfalls ist diese Flexibilität nur so im Sonderdienst möglich und ich tausche lieber Schichten 3 Tage vorher als das sich 5 Wochen vorher weiß, wann ich zwingend kommen darf.

Ich freue ich mich morgens schon auf den Tag. Das schwierigste ist, aufzustehen. Danach läuft der Kaffee fast von selbst und wenn man dann in Ruhe mit der Lok in den Sonnenaufgang segelt oder in den Sonnenuntergang fährt, 2h später bei sternenklarer Nacht den großen Wagen ausmachen kann und sogar Sternschnuppen sieht, dann weiß ich, warum ich Lokführer geworden bin. Ich bin zu Zeiten unterwegs, wo andere Leute schlafen, ich sehe Dinge, die sonst niemand sieht, ich genieße die Atmosphäre der großen Bahnhöfe und fordere mich jeden Tag aufs neue. Ich liebe es, in Sekunden verantwortungsvoll sofort handeln zu müssen und nie zu wissen, was einen erwartet. Zudem habe ich übrigens in meiner ganzen Lokführerzeit noch nie auswärts übernachtet. That's my job! 8) Ich würde wieder Lokführer werden! Ich kann mir auch nichts anderes vorstellen!

Einige schöne Momente habe ich festgehalten.

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Beste Grüße

Bad Camberger

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Dieselpower
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Dieselpower » Mi 18. Jan 2017, 03:17

Hallo Jan....
besten Dank für Deine Collage, mit der auch Du alle an den schönen Momenten unserer Berufung hast teilhaben lassen. Bevor ich mich jedoch weiter an diesem Thread beteilige (auch ich hatte heute mal wieder Momente, die für so manches entschädigen!), möchte ich - nicht ohne bei dieser Gelegenheit meine besten Wünsche für die Genesung zu äußern - dem "Eigentümer" dieses Beitragsstranges die Möglichkeit geben, sich zu äußern, ob ihm eine Beteiligung wie der unseren überhaupt recht ist.
Ansonsten halte ich das hier für einen willkommenen Anlaß für eine "für Zaungäste offene Debatte über unseren eigentlich doch sehr schönen Beruf", und würde einen komplett neuen Beitragsstrang anregen. Aber bitte nicht wieder mit dem Verbot, sich auch mal kritisch zu äußern, denn auch wenn mir mein Beruf immer noch - eigentlich - viel Freude bereitet, ist nicht immer alles Gold, was glänzt! Und die Rahmenbedingungen für unseren Beruf und dessen Ansehen werden immer bescheidener! Das sollte bei aller - gemeinsamer - "Freude am Hobby" bitte nie vergessen werden.
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon TroubadixRhenus » Mi 18. Jan 2017, 10:01

Ich kann euch drei nur allzugut verstehen! Der Beruf ist für uns eben mehr als nur eine Möglichkeit Geld zu verdienen, und es tut immer irgendwie weh, wenn man sich, aus welchen Gründen auch immer, in seinem Beruf nicht mehr "ausleben" kann.

Ich persönlich freue mich immer wochenlang auf Schichten, bei denen ich mal aus dem täglichen Einerlei heraus komme. Dafür unterbreche ich sogar nach Möglichkeit mal einen Sommerurlaub oder mache sonst irgndwelche Spagate um mal aus dem Touren "Rund um Andernach" auszubrechen.

Leider bringt auch mir die Schwelgerei in alten Zeiten, wo man z.B. viel mit nagelneuen neongelb-silbernen Eloks oder verschiedensten (Groß-) Dieseln wie selbstverständlich durch die Gegend gefahren ist, wenig. Unvergesslich so manche Touren auf einer dicken 152er auf Versuchsfahrt auf der Rampe von Probstzella nach Steinbach i. Wald, oder mal eben kurzfristig eine 1116 von Mönchengaldbach nach Ehrang fahren usw.

Wenn ich heute meine Beiblätter ansehe, was da für Loktypen drauf stehen, und was man davon wirklich noch fährt...

Vielleicht würde man es sich leichter machen wenn man den Beruf "Lokführer" etwas weniger "pathetisch" sehen würde, was den letzten letzten drei Teilnehmern der Runde hier (+ mir selbst wohl auch!) aber wohl schwer fallen dürfte...

Dem Ralf wünsche ich nicht nur weiter gute Genesung, sondern auch, dass ihm nach der längeren krankheitsbedingten Abwesenheit von der Dienststelle keine beruflichen Nachteile entstehen. Das ist leider schneller passiert als man glauben mag!
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Ralf1972 » Mi 18. Jan 2017, 10:54

Mittlerweile sehe ich diesen Forenstrang hier als mein kleines Bilderbuch, angereichert mit einigen Aufsätzen, das ich nun schon seit vielen Wochen mit relativ viel zeitlichem Aufwand betreibe. Wer reinschauen möchte soll dies tun, wer nicht lässt es ja eh bleiben.

Lob, Kritik, Ergänzungen immer gerne, aber selbstverständlich ist das hier keine "für Zaungäste offene Debatte"! Denn Debatten sind in diesem Forum schon mehr wie einmal ins Uferlose getriftet. Ich möchte nicht dass man dann meine Beträge suchen geht.

Eins noch, ich kann mich nur immer wieder sehr herzlich Bedanken für alle Genesungswünsche!

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Am 16.02. 2007 um 21:49 Uhr wartete ich mit meiner 181.2 in Luxemburg im Tunnel auf weitere Taten.

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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Dieselpower » Mi 18. Jan 2017, 11:36

SO sieht ein Führerstand aus....die überaus übersichtlichen "Drehstrom-Fahrpulte", die sich von einem Bildschirmarbeitsplatz nur noch durch ein paar Hebel davor unterscheiden, mag ich gar nicht mehr so nennen....
Sowas ähnliches habe ich auch mal von einem Exoten gemacht. Nein, auch wenn es vielleicht auf den ersten flüchtigen Blick ein wenig so scheinen mag, es ist keine 111 und auch keine 120:
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Ach ja, der versprochene "lichte Moment" der gestrigen Schicht....mein regelmäßiger "Blick Richtung Heimat" beim Haltepunkt in Hattert - dieses Motiv habe ich zu fast jeder Wettersituation:
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Manchmal ist es doch noch schön - wenn da nur nicht dieses ständige "Quäääääk"-Geräusch der LINT-Störmeldung wäre (klingt schon so nervig nörgelig), und zum Feierabend nicht immer unliebsame Überraschungen kämen, gestern bestanden sie aus einer außerplanmäßigen Doppeltraktion (Also noch zum Schluß Rangieren und doppelte Abdienste) einem nicht vorhandenen geschweige denn geräumten, aber dafür tief verwehten Rangierweg (Aber ich war vorbereitet - s.o. - mit normalen Schuhen wären die Hosenbeine anschließend bis zu den Knien voller Schnee und Schmelzwasser gewesen), einem Elektranten (So heißen die Dinger, von denen die Plastikbähnchen ihren Warmhaltestrom bekommen) mit Kabeltrommel, die kurz davor, war Feuer zu fangen (Hallo Kollegen, schon mal was von Induktion gehört? So ein Kabel sollte wenigstens teilweise abgerollt werden!), einem (Ersatz-)Fahrzeugkabel, das nicht so wollte, wie es sollte, geflogenen Sicherungen, die gar nicht geflogen waren, aber trotzdem war kein Strom drauf, eingefrorene CE-Steckkupplungen mit - trotz Deckels - gefrorenem Schmelzwasser in den Kontakten...und so weiter....ja, wenn es kommt, dann dicke...kurz und gut, statt eines normalen Abdienstes nur Chaos³. Rein in den Zug, raus aus dem Zug, Kabel aus dem Schnee heraussammeln, einstecken, ausstecken, noch mal prüfen usw. usf. - Ich war froh, als ich im (trotz Standheizung wegen der Verspätung wieder kalten) Auto saß.
Zuletzt geändert von Dieselpower am Mi 18. Jan 2017, 12:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Ralf1972 » Mi 18. Jan 2017, 12:01

Liebes Forum,

ich beende diesen Thread heute, mein vorletzter Beitrag kann ja sogar als schöner Schlußbeitrag gesehen werden.

Meine Schulter bereitet mir nach wie vor große Probleme, ich bezweifle mittlerweile sogar dass sie wieder so wird wie vor dem Unfall, aber ich hoffe trotzdem dass ich irgendwann wieder soweit bin arbeiten zu können.

Ich Danke euch für das Interesse und die lieben Wünsche. Als letztes Bild zeige ich noch mein erstes Eisenbahnfoto das ich geschossen habe, mit 10 Jahren und so einer Kodak-Butterbrotdose (nicht die Retinette von Papa). ich glaube man konnte vorn am Objektiv nur zwischen "Wolken" und "Sonne" wählen. Eine V160 kämpft sich die schiefe Ebene zwischen Neuenmarkt-Wirsberg und Marktschorgast hinauf.

Eine Bitte habe ich an die Admins hier, schließt diesen Thread damit er so bleibt wie er ist.

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