Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

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Ralf1972
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Ralf1972 » So 1. Jan 2017, 19:14

Heinz und Willi, vielen Dank. Wie lange das hier zu lesen sein wird, keine Ahnung! Ihr müsst es hier lesen oder abspeichern.

Bild 71

Im Winter 1987/88 knipste ich 211 218 bei Dockweiler im dichten Flockenwirbel.

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212 096
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon 212 096 » So 1. Jan 2017, 19:33

Hallo zusammen,

das ist Nebenbahn pur!

Vielen Dank nochmal an den tollen Thread von Dir Ralf!

Beste Grüße

Peter

marco 218 151
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon marco 218 151 » So 1. Jan 2017, 19:49

Auch von meiner Seite nochmals vielen Dank für deine spannenden Berichte! Den Beitrag über die Dampfheizung finde ich klasse, da freut sich der Technik-Fan ;)

Viele Grüße!

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Ralf1972
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Ralf1972 » Mo 2. Jan 2017, 11:59

Hallo Peter und Marco, vielen Dank

Bild72

Im Herbst/Winter 1992 steckte ich mitten in der V90-Ausbildung, ich habe ja schon davon erzählt. Um in Gremberg die 90 Tage alleine Dienst tun zu dürfen musste ich erst mal Bahnhofskunde fahren. Der Disponent machte sich da keine große Mühe, er steckte mich zu einem Planlokführer bei dem ich mitfahren sollte. Der erste Kollege war leider nicht so mein Fall, eher maulfaul und mürrisch. Das wollte ich mir keine zwei Wochen antun sodass ich beim Disponenten darum bat mit einem anderen fahren zu dürfen. Er lachte nur, er wusste wohl wen er mir da aufs Auge gedrückt hatte. „Von mir aus“, und so bekam ich einen anderen Kollegen zur Mitfahrt, ein Reichsbahner der DR.

Seit ich bei der Bahn bin habe ich es noch nie wirklich erlebt dass mal der Personalbestand zum Bedarf passt, entweder sind es zu viele oder eben zu wenige. Beides ist unangenehm, bei Überbestand fährt man auf Dauer ins Minus mit den Stunden, andersrum kommt man sechs Tage die Woche zum Dienst. 1992 herrschte in Gremberg Tf-Mangel, und der B-Gruppenleiter erwies sich als kreativ. Die Mauer war seit drei Jahren gefallen, DB und DR näherten sich immer mehr an, was lag näher als Reichsbahnlokführer auszuleihen. So kamen zeitlich befristet, ich weiß nicht mehr wie lange, neun oder zwölf Monate, einige Reichsbahner nach Gremberg. Sie mussten natürlich betrieblich ausgebildet werden, dazu noch auf der V90, danach hobelten sie durch den Rangierbahnhof. Zu einem dieser Kollegen gesellte ich mich also zwei Wochen. Ich habe ein furchtbar schlechtes Namensgedächtnis, ich habe leider seinen Namen vergessen. Er war ein unglaublich netter sympathischer Kerl von Mitte 20.Wir hatten viel Zeit zu erzählen, er hat mir von seinem Leben in der DDR erzählt, fand ich sehr interessant! Natürlich tauschten wir uns auch über unsere Eisenbahnen und Lokomotiven aus, wobei ich mit meiner großen Erfahrung nicht so viel zu erzählen hatte. Er fuhr übrigens noch seinen Trabbi mit dem er auch jeden Tag zu Dienst erschien, da er wie ich ein Autofreak war hatten wir dann schnell unser Hauptthema gefunden, Autos.

Nach Ende der zwei Wochen musste ich dann selbst ran, wir trafen uns noch das ein oder andere Mal beim ablösen oder auf der Lokleitung und plauderten immer so lange es ging. Und wie das so ist im Leben, als ich von Gremberg wegging habe ich ihn danach nie mehr wieder gesehen.

Mir ist der Kollege wieder eingefallen als ich bei der Bildersuche dieses Bild hier sah. Schierke, 20.02.2016

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Heiner Neumann
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Heiner Neumann » Mo 2. Jan 2017, 20:33

Mal wieder erste Sahne, Ralf. Und dann noch 'ne "Rennpappe" im Vordergrund - Reichsbahnflair pur!

Davon abgesehen, soll man es kaum glauben, aber die im Bild zu sehende 99 5901 wird dieses Jahr schon glatte 120 Jahre!!! Und immer noch mit Volldampf auf den Brocken.

Mit den besten Wünschen für die weitere Genesung und für das neue Jahr grüßt

Heiner
Wenn Du ein Licht am Ende des Tunnels siehst, bete, dass es kein Zug ist :shock: !!!

Vertraue nur Deinem eigenen Hintern - denn nur er steht immer hinter dir!

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Ralf1972
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Ralf1972 » Di 3. Jan 2017, 18:19

Hallo Heiner, Danke Dir!

Bild 73 a/b

Gestern schrieb ich etwas über einen netten Reichsbahner den ich 1992 kennenlernte. Heute möchte ich etwas über die einzige Reichsbahnlokomotive erzählen die ich fahren darf, die 112.1/114/143. Ich habe die 143 relativ spät gemacht, im Jahr 2000. Viele meiner älteren Kollegen haben viel und lange über die Lok geschimpft, heute denke ich lag es eher daran dass die Lok so gänzlich anders in der Bedienung ist wie unsere Einheitselloks.

Prinzipiell ist die 143 nichts anderes als z.B eine 111, eine Ellok mit Tyhristorschaltwerk und Wechselstrom-Reihenschlussmotoren. Nur wurden viele Dinge konstruktiv anders gelöst als bei der Bundesbahn, was ich total faszinierend finde. So viele Bauteile, Hauptschalter, Trafo, Stufenwähler, Abfederung der Fahrmotoren sind vom Prinzip her gleich, aber anders konstruiert. Und beides funktioniert, Ingenieurskunst eben. Die 143 ist allerdings die deutlich jüngere Konstruktion, z.B. arbeitet das Hilfsbetriebenetz für Lüfter, Ladegerät und Luftpresser mit Drehstrom den ein Umformer herstellt, das runde Ding das unten zwischen den Drehgestellen hängt.
Die 112.1, die erste von beiden Bahngesellschaften, DB und DR angeschaffte Lokomotive unterscheidet sich nicht groß von den 114 und 143, am auffälligsten ist ein moderneres Führerbremsventil.

Ich bilde mir ein dass ich jede Einheitsellok aufrüsten kann, auch wenn ich nicht auf ihr ausgebildet bin. Die Bauteile, die Griffe und Hebel sehen überall gleich aus, eben Einheitlich. Eine Ausnahme bildet vielleicht die 181.2 wegen ihrer zwei Stromsysteme. Eine 143 bekommt der Bundesbahner ohne Ausbildung nicht aufgerüstet, dazu weicht das Prozedere und die Griffe und Hebel doch zu weit von den Bundesbahnloks ab. Und auch die Bedienung beim Fahren ist etwas völlig anderes wie bei 110, 111 und Co. Einen Fahrschalter, egal ob nun als Handrad oder Hebel ausgebildet, sucht man auf der 143 vergebens. Es gibt zwar auch die Möglichkeit das Schaltwerk stufenweise durchzuschalten, doch wird dies dort nur als Hilfssteuerung bezeichnet. Wird gerne beim Rangieren genutzt. Gefahren wird mit der sogenannten Hauptsteuerung, ein breiter Hebel, vergleichbar mit dem Schubregler eines Flugzeugs. Damit wählt der Tf die Geschwindigkeit vor die er fahren möchte. Ein Schleppzeiger, früher auf einer Bandanzeige, heute Kreisrund am Tacho, zeigt an welche Geschwindigkeit gewählt wurde. Nun ziehen die Trennschütze an und die Lok schaltet selbsttätig auf, wie stark kann der Tf ebenfalls vorwählen, nämlich zwischen 0 und 120%. Nähert sich die Tachonadel dem Schleppzeiger wird die Zugkraft langsam reduziert und die Maschine geht in die Beharrungsfahrt. Dazu bietet die Maschine noch Sonderfahrprogramme die, wenn man sie mal kapiert hat, eine sehr komfortable Fahrt garantieren. Die Hauptsteuerung gleicht einer AFB bei den modernen Drehstromern, mit einem großen Unterschied. Während die AFB die Möglichkeit hat mit der indirekten Bremse des Zuges zu bremsen bremst die 143 nur elektrisch mit der dynamischen Bremse. Das heißt, fährt der Zug in ein Gefälle kann die Lok nur maximal elektrisch bremsen, reicht die Bremskraft nicht aus weil das Gefälle zu groß oder der Zug zu schwer ist steigt die Geschwindigkeit an, der Zug wird zu schnell.

Auch die Ansteuerung der E-Bremse läuft anders als bei den Bundesbahn-Elloks. Es gibt keinen Bremssteller, gekuppelt mit dem Führerbremsventil, sondern die E-Bremskraft wird über einen Druckwiderstandsgeber der den Vorsteuerluftdruck misst ermittelt. Wieder eine gänzlich andere konstruktive Lösung, für mich allerdings nicht sehr praxisnah. Man kann mit der Lok alleine elektrisch bremsen, allerdings ist dies etwas umständlich, man jongliert dabei mit Hauptsteuerung und Zugkraftsteller. Dies alles wird im Elektronikschrank geregelt, ein mannshoher Schrank mit einem riesigen Rechner darin. Verglichen mit den heutigen Rechnereinheiten auf den Loks und Triebwagen ist die Elektronik der 143 sicher noch aus Holz. Aber, sie funktioniert sehr zuverlässig. Einzig ist sie etwas Wärmeempfindlich weshalb die Führerstände klimatisiert sind. Wohlgemerkt ist die Klimaanlage für die Elektronik da, dass der Tf auch etwas kühle Luft abbekommt ist nur ein netter Nebeneffekt. Vor vielen Jahren wurden defekte Klimageräte nicht mehr ersetzt, Folge war das die Elektronik zu heiß wurde und die Lok streikte. Auf den alten Klimageräten war das Typenschild übrigens noch in kyrillischer Schrift gehalten. Der große Bruderstaat eben.
Ich bin nach dem ersten „fremdeln“ immer sehr gerne mit den Maschinen gefahren. In keiner anderen Lok sitze ich mit meiner Größe so gut, das fahren mit der Hauptsteuerung ist komfortabel und sie ist wirklich unglaublich robust und zuverlässig. Ich bin schon zehntausende Kilometer damit gefahren und hatte noch nie eine größere Störung. Eine tolle Maschine aus den ELW Hans Beimler Hennigsdorf!

Heute muss ich einfach zwei Fotos zeigen, ich kann mich für keins entscheiden. Fangen wir an mit dem Führertisch vor dem Umbau, vielleicht der interessantere für Euch.
Rechts neben der Kopfstütze die Fahrsteuerung, auf dem zweiten Bild besser zu sehen. Darüber links das EBuLa-Display, Schwanenhalsmikro, dann die Runde Anzeige der Fahrstufen, rechts daneben Bremskraft, Zugkraft und V-Soll, also die Geschwindigkeit die ich vorwähle. Weiter nach Rechts oben, das Butterbrotpapier ist der Sifa-Leuchtmelder. Die 143 hatte früher eine Aufforderungs-Sifa, man musste also nicht wie bei unseren Loks üblich ständig die Sifa drücken sondern nur wenn der Leuchtmelder aufleuchtete. Hab ich sehr gemocht, heute ist sie leider auf normale Sifa umgestellt. Darunter der digitale Tacho und die restriktive Geschwindigkeitsbeschränkung der PZB. Der rote Knopf war das Not-Aus, haute man da drauf schaltete der HS aus und der Bügel senkte sich. Im Netz der DR gab es wohl früher viele Ausschaltstrecken und die Tf waren angehalten damit den Bügel zu senken. Der gelbe Leuchtmelder (LM) darunter war der Sammel-LM für Störungen. Weiter nach rechts kommen dann die Manometer für Bremszylinder Drehgestell 1 und 2, Hauptluftleitung und Hauptluftbehälterleitung. Darunter befinden sich Taster für die PZB, Bremsbedienung und die Türen. Rechts vorne dann das Dako-Zusatzbremsventil, darunter das einzig nicht originale an der Lok, sie hat schon einen D2-Regler statt des Dako-Ventils.

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So sieht der Führerstand nach dem Umbau aus. Ich mußte das Bild stark bearbeiten, deshalb ist die Qualität nicht berauschend, ich bitte um Nachsicht. Ich habe kein anderes gefunden. Zuerst mal fallen die helleren Farben auf. Die Fahrsteuerung beinhaltet die Hauptsteuerung, die Taster für die Sonderprogramme, den Zugkraftwähler und die Hilfssteuerung. Dann hat die Maschine ein MFA, ein Modulares-Führerraum-Anzeigegerät. Darin finden wir links Zug- und Bremskraft, rechts den Tacho, darunter die Maschinentechnischen LM und die PZB-LM. Der kleine Hebel dient der SST, der seitenselektiven Türsteuerung, die meißten Lokomotiven können in SAT (Selbstabfertigung durch den Tf) und TAV (Technisch basiertes Abfertigungsverfahren) gefahren werden. Ihr merkt, ich merke, es gibt noch duzende von Themen über die ich schreiben könnte. Das Zusatzbremsventil ist auch eins der DB-Einheitsbauart geworden, rechts an der Wand der Seitenfahrschalter.

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Zuletzt geändert von Ralf1972 am Mi 4. Jan 2017, 11:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Ralf1972 » Mi 4. Jan 2017, 11:18

Bild 74

1989 habe ich in Pforzheim dieses Foto gemacht. Ich saß schon im Zug durch das wunderschöne Nagoldtal. Da erspähte ich die frisch lackierte 212 242, also flugs ein Bildchen gemacht. Später dann las ich im Eisenbahn-Magazin das diese Lok zu hell lackiert wurde. Internet gab es ja noch nicht (wird sich eh nicht durchsetzen, meine Meinung). Man hatte sich im Farbtopf vergriffen. Sie wurde dann relativ schnell nochmals lackiert, ich habe da also einen Glückstreffer landen können. Quasi die rote Mauritius der V100. Übrigens gibt es die Maschine mit dieser Nummer als H0-Modell von Fleischmann, gerade in der Bucht im Verkauf.

Man beachte den Blumenschmuck auf dem Bahnsteig. DAS war noch Eisenbahn, fünf Jahre später lag sie dann im sterben, heute ist sie längst tot.

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jojo54
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon jojo54 » Mi 4. Jan 2017, 13:22

Deine letzten Aufnahmen sind wieder sehr schön. Über all das, was hier im Forum von Dir zu lesen- und zu sehen ist, könntest Du ein Buch schreiben. Das sind alles Dinge aus dem echten Bahn-Alltag.

Weiterhin GUTE BESSERUNG !!!

MfG
jojo54

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HDE
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon HDE » Mi 4. Jan 2017, 16:34

Hallo Ralf,

auch ich bin einer, welcher Deine Beiträge mit großem Interesse liest.
Einen 'Blumengruß aus Gleis 104 :D '

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Gute Besserung und Gruß
Hans-Dieter

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Ralf1972
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Ralf1972 » Do 5. Jan 2017, 10:41

Hallo Joachim und Hans-Dieter, vielen Dank!

Bild 75

Gestern habe ich mir das Skispringen aus Innsbruck angeschaut, wenn man krank geschrieben ist kann man das ja mal am hellichten Tag machen. Aus diesem Grund gibt es heute mal kein Eisenbahnfoto. Mir ist beim schauen dieses Bild hier eingefallen, 1988 habe ich die Bergisel-Schanze fotografiert, allerdings im Sommer. Mir ist bis heute nicht klar warum ich damals nicht auch ein paar Eisenbahnfotos geschossen habe, aber die Schanze hat mich wohl in ihren Bann gezogen. So eine Skisprung-, noch mehr die Flugschanzen sind aber auch beeindruckend wenn man mal oben am Bakken steht und die Anlaufspur runter schaut.

Trotzdem, es ärgert mich dass ich nicht die 1010ner fotografiert habe. Diese Lokomotiven haben mir damals immer sehr gut gefallen, quasi die Ösi-150. Die beiden Maschinen sind auch ähnlich in ihren Leistungen. Alles was ich euch bisher aufgeschrieben habe habe ich aus dem Kopf geschrieben, jetzt musste ich doch mal Nachschlagen. Die 1010 wurde erstmals 1955 gebaut, die 150 1957. Die Leistung beträgt 4000 KW zu 4500 KW. Allerings besteht ein großer Unterschied bei der Vmax, 130 zu 100 km/h. Durch diese unterschiedliche Getriebeübersetzung gibt es logischerweise einen großen Unterschied bei der Anfahrzugkraft, 28t zu knapp 44t. Okay, je länger ich sie vergleiche desto größer werden die Unterschiede, die 1010 ist auch deutlich leichter, 110 zu 128 Tonnen. Es gab wohl doch unterschiedliche Lastenhefte bei den beiden Lokomotiven. Die eine mit weniger Achslast und schnell genug für schwere Schnellzüge, die andere als bärenstarke Güterzuglok die wirklich nichts stehen lässt.

Naja, morgen gibt es dann wieder ein Foto mit 'nem Zug drauf, versprochen!

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Ralf1972
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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Ralf1972 » Fr 6. Jan 2017, 15:38

Bild 76

Am 09.Oktober 2009 verläßt 99 7236 im Gegenlicht Schierke in Richtung Blocksberg. Welch ein Spektakel, ich liebe so etwas.

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Re: Jeden Tag ein Türchen - bis ich wieder fit bin

Beitragvon Ralf1972 » Sa 7. Jan 2017, 14:01

BiId 77

Ohne Signale findet kein Eisenbahnbetrieb statt. Ich vermute mal derjenige der nicht so in der Materie drin steckt denkt bei einem Signal an ein großes Formhauptsignal mit großem gelbem Vorsignal davor. Natürlich gibt es eine sehr viel größere Zahl von Signalen, nicht nur die sichtbaren an der Strecke. Ich denke da z.B. an Rangiersignale oder Bremsprobesignale. Aufgelistet sind sie alle im Signalbuch. Ich ärgere mich heute sehr dass ich meine alten Signalbücher weggeworfen habe, waren da doch noch Signale drin die heute nicht mehr angewendet werden, z.B die K- und L-Scheibe, Fahrzeit kürzen oder langsamer fahren. Aber man kann ja auch nicht alles aufheben.
Selbst Betriebsverfahren die ohne eine Vielzahl an Hauptsignalen auskommen, ich denke da an den Zugleitbetrieb ZLB, die Linienzugbeeinflussung LZB oder das European Train Control System ETCS, benötigen doch einige Signale an der Strecke. Das sind zwar meist „nur“ Tafeln wie die Trapeztafel, das LZB-Blockkennzeichen oder die ETCS-Halt-Tafel, dennoch sind sie für den Betrieb unerlässlich.

Ich habe sehr großen Respekt von haltgebietenden Signalen. Das hat sich bei mir so im Laufe der Jahre tief ins Hirn gebrannt. Ich habe in der Ausbildung den zweiten, fünfwöchigen Betriebsdienstlehrgang im Sommer 1992 in der Bundesbahnschule München-Aubing abgelegt. Dort sind wir nicht nur jeden Abend in den Hirschgarten um dort ein paar Mass Bier zu verköstigen sondern wir haben auch eine Ausbildungsfahrt mit einem 798 gemacht. Ich habe aber leider nicht mehr den Hauch einer Ahnung wo wir da unterwegs waren. Bei dieser Fahrt sind wir auch mal bewusst an einem Hp0 vorbeigefahren um mal live zu erleben wie so eine Zwangsbremse wirkt und wie man einen schriftlichen Befehl zur Weiterfahrt erhält. Simulatoren gab es ja noch nicht. Unser Lehrer, das weiß ich noch genau, konnte nicht hin sehen als wir am Signal vorbei fuhren. Er sagte uns seine Ehrfurcht vor haltzeigenden Signalen sei einfach zu groß. Damals hat mich das tief beeindruckt, verstehen konnte ich es aber nicht. Heute, nach 25 Jahren auf der Lok, kann ich das sehr gut nachvollziehen. Erfahrung ist für einen Eisenbahner das A und O, und im Laufe der Jahre erlebt man halt manche Situation die man sich als Anfänger einfach nicht vorstellen kann. Mir wird das besonders bewusst wenn ich heute mit unseren Azubi unterwegs bin und ich als Ausbilder daneben stehe.

Ich habe in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten viele (Alp)Träume gehabt in denen ich nicht mehr bremsen konnte und mit meinem Zug am Signal vorbeigefahren bin. Warum träume ich so etwas? Ein haltzeigendes Signal gibt mir als Lokführer ein Gefühl der Sicherheit. Es zeigt ja nicht grundlos Halt. Ein Autofahrer kann beschleunigen, bremsen und LENKEN. Letzteres kann ich mit einem Zug natürlich nicht. Mir bleibt im Gefahrenfalle nur das bremsen, ausweichen kann ich einem Hindernis nicht. Überfahre ich ein haltzeigendes Signal, aus welchem Grund auch immer, erwartet mich dahinter eventuell ein Hindernis das Unheil mit sich bringt. Hinten in meinem Zug befinden sich morgens im Berufsverkehr in der RE5 mal locker 1000 Menschen. Flapsig formuliert, da möchte man einfach nicht dass etwas schief geht. Es fällt mir schwer diese Angst des Überfahrens eines Signals zu beschreiben. Eigentlich wollte ich nur irgendetwas über Signale schreiben weil ich so ein hübsches Foto gefunden habe.

1988 habe ich in Kruft dieses Bild aus einer V100 gemacht. Wir sehen nicht nur eine V100 mit Ypsilon-Gustav-Vierachsern, sondern auch einige Signale. Das Einfahrsignal rechts zeigt Hp1, Fahrt. Das Vorsignal darunter Vr0, Halt erwarten. Noch weiter unten dann eine Ne2 Vorsignaltafel. Sie kennzeichnet den Standort eines Vorsignals. Links, am Anschlussgleis der Meurin, steht ein Ts2, Halt für zurückkehrende Schiebeloks und Sperrfahren. In die Trasswerke wurde als Sperrfahrt gefahren, wie auch in die MayKo in Kottenheim. Und um das ganze komfortabler zu machen stand in Kruft ein Ts-Signal. Davor sehen wir einen Hektometerstein, rechts eine Tafel. Die Kilometrierung ist nicht unwichtig, sie dient der Orientierung und zur genauen Bestimmung des Standorts. Die 212 die uns entgegenkommt trägt auch noch ein Signal, nämlich ein Zg1, die Kennzeichnung der Zugspitze. Und wer jetzt denkt, ich sehe nichts, der sieht richtig. Das Tageszeichen Zg1 ist „kein besonderes Signal“. Die drei weißen Lichter in Form eines A ist das Signal Zg1a, das Nachtzeichen dass ja schon seit vielen Jahren auch bei Tage geführt wird. Damals eben noch nicht.

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