Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon Dieselpower » Sa 19. Jul 2014, 13:24

Nun ja, wir haben dank Bahnreform :lol: ja hier oben ein paar Grad weniger, und das ließ mir keine Ruhe. Als Eisenbahner mit Leib und Seele kribbelten mir die Finger schon heute früh im Bett vor dem obligatorischen "Hmmm, noch ein Viertelstündchen...!" :wink:

Und um 16 Uhr muß ich bei diesem herrlichen Wetter nach Siershahn. Ein Bahnhof, zu dem ich den Herrn Staus gern mitnehmen würde, selbst der Automat wurde hier abgebaut, vermutlich, weil hier nur die böse bunte Konkurrenz fährt... :roll:
Der Bahnhof verhökert, das Bahnsteigdach hat Betonkrebs und ist undicht, eine "Fahrgastinformation" gibt es nicht, die zwei am Bahnsteig verbliebenen Leuchtstoffröhren sind meistens defekt - nur die üblichen Plakate "Wir sind für Sie da" und "Rauchfreier Bahnhof", sowie "Beleuchtung defekt? Bitte anrufen!" vergilben im lieblos z.T. über das auf die Fassade gepinselte Stationsschild "Siershahn" gehängten Schaukasten vor sich hin. Fehlen nur noch rollende Büsche auf dem Vorplatz...an einem Bahnhof, der einst Dreh- und Angelpunkt im Schienenverkehr eines deutschen Mittelgebirges war - mit eigenem Bw.
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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon Dieselpower » Sa 19. Jul 2014, 14:28

Auch die Post gehört - wie die Bahn - nicht in die Hände privatwirtschaftlich agierender Taschenvollstopfer ohne jede Ahnung von der Materie.

War es früher noch so (vermutlich genau so, wie bei der Post), daß in der Besoldungstabelle alle Dienstgrade und Altersstufen aufgeführt waren, vom jungen Helfer oben links in der Tabelle bis zum Bundesbahndirektor in der unteren rechten Ecke, ist es heute so, daß die ganzen Nieten in Nadelstreifen nicht nur ein nicht nachvollziehbares Entgelt für ihre "Tätigkeit" erhalten, nein, es wird auch noch ein riesen Geheimnis um die Höhe (und die gewisser mehr oder weniger sauberer "Nebeneinkünfte") gemacht. Daß diese Herren und Damen (Der Gleichbehandlung wegen nenne ich nun mal die Herren zuerst!) nicht selten überhaupt keine Ahnung von der Bahn und oft auch nicht von Personalführung haben, spielt hierbei nur eine Nebenrolle.

Von kriminellen Aktivitäten wie Bespitzelung der Mitarbeiter, Erpressung, Bestechung & Co. ganz abgesehen. Nun ja, das hat es bei der Bundesbahn garantiert auch gegeben, wird nun der eine oder andere sagen. Klar, aber nicht in dieser Größenordnung.

Dieser ganze Privatisierungsdreck gehört doch rückgängig gemacht. Ich bin kein Sozialist oder Kommunist, aber was hier in den letzten Jahren abgeht, ist doch allmählich unerträglich. Und verlaßt Euch drauf: Die bereits abgewendete Privatisierung des Wassers (Ein Skandal hoch drei - allein schon diese Idee!) wird ebenso auf Raten und durchs Hintertürchen kommen, wie die PKW-Maut. Es ist wie mit dem Frosch in heißem Wasser...schmeißt man ihn gleich ins heiße Wasser, springt er erschrocken heraus, setzt man ihn ins kalte Wasser, und erhitzt es langsam, merkt er es nicht, und stirbt den Hitzetod...
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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon DerNahebahner » Sa 19. Jul 2014, 15:19

Ich habe mir mal endlich die Zeit genommen um diesen Beitrag anzuschauen.
Da haben mal wieder ein paar Leute, die von der Bahn fast keine Ahnung haben, versucht den Nahverkehr schlechter zu reden als er ist.
Sind es viele kleine Details bei denen mal wieder der Zuschauer belogen wurde. Als Beispiele nenne ich mal die Karte, in der der Fahrtweg eingezeichnet ist, mehrmals wird erwähnt und gezeigt, dass die Strecke Trier-Türkismühle im Bus R200 zurückgelegt wird. Nun ist aber auf der Karte der Weg über die Saarstrecke und Nahebahn eingezeichnet. Während der Bus beinahe Luftlinie fährt, ist ein Umweg über Konz, Merzig, Dillingen, Saarbrücken, Neunkirchen (Saar) und St.Wendel eingezeichnet, dass sieht dann natürlich für den neutralen Betrachter "brutaler" aus.
Wie auch schon Lochris bemerkt hat, müsste dann ebenfals auf der Linie RE2 Koblenz-Frankfurt ein VT 612 statt 143-Sandwich mit DoStos gefahren sein. Anscheinend wollte man lieber statt Doppelstockwagen, die einen ebenerdigen Einstieg und sehr ruhige Laufeigenschafften haben, einen VT612 zeigen, mit Hochflureinstieg, engen Türen und einem Dieselmotor, welchen man im kompletten Zug hört.

Aber natürlich finde ich es auch schade das Trier seine IC-Verbindungen verliert, was man aber durch ein neues RE-Konzept durchaus noch verkraften kann.

Gruß Flo

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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon Dieselpower » Sa 19. Jul 2014, 15:42

Nun laßt Euch doch nicht von diesem Nahverkehrsgequatsche beeinflussen. Es geht doch gar nicht darum, daß Ihr an der Mosel von Trier nach Bullay oder von Cochem nach Koblenz mit einem IC fahren könnt. Hierfür reicht der RE tatsächlich völlig aus.
Es geht darum, daß es keine umsteigefreien, weiterführenden Verbindungen aus einer Euregio heraus mehr gibt, und ein Großherzogtum von einem ganzen Netz abgebunden wird.

Von Trier in Richtung Köln/Rhein-Ruhr hatte man früher sogar die Wahl, ob man einen durchgehenden dieselbespannten D-Zug durch die Eifel nach Münster nahm, oder durch die Flußtäler reiste. Und heute? Schnapp dir deinen Koffer in Koblenz, Gleis 8 oder 9, zack zack, die Treppe runter und durch den Tunnel, und oooohhhh....der ICE wartet leider keine REs ab...schade, schade, schade...! Da der Fernverkehr in der Regel keinerlei Nahverkehrsanschlüsse abwartet, ist es tatsächlich ein Qualitätsverlust für eine ganze Region, und ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen nun nicht mehr an die Mosel reisen, oder von der Mosel aus nicht mehr mit der Bahn in den Urlaub (oder auch zur Arbeit) fahren, wenn dieser Zug wegfällt...
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Horst Heinrich
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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 19. Jul 2014, 18:39

Allen Diskutanten volle Zustimmung.
Hier könnte sich jeder politisch Verantwortliche ständig Argumentations- und Entscheidungsgrundlagen "abkupfern" - ein Forum mit höchster fachlicher Qualität!

Auch ich sehe den Bahnverkehr Deutschlands durch seit Jahren falsche Weichenstellungen "den Bach runtergehen" - die Spaltung in eine Zwei-Klassen-Bahngesellschaft analog zur Gesamtgesellschaft geht unaufhaltsam voran.
Es wird Regionen mit exzellentem Nah- und Fernverkehr in einem prosperierenden gesellschaftlichen Umfeld geben und Landstriche, in denen Bevölkerungsteile wohnen, an denen es nichts oder zu wenig zu verdienen gibt, die werden abgehängt.
In meinem Umfeld geht es schon los:
Es sind nicht mal 5 Millionen für 73 km Bahnstrecke zu akquirieren, in der Landeshauptstadt leistet man sich für 84 Millionen Euro 9 km Straßenbahn.
Übrigens: Zu diesem krassen Mißverhältnis entwickelt sich keine politische Opposition im Land.
Hier schweigen alle Parteien in beachtlicher Eintracht!

Und noch etwas zu Erhards Beiträgen zum Thema Post:
Auch hier uneingeschränkte Zustimmung.
Hier bei mir auf dem Land ist die Service- und Qualitätseinbuße besonders augenfällig.
Die klassische Einmann-Poststelle (an sechs Werktagen morgens und an fünf Tagen zusätzlich nachmittags Schalterstunden, Bank- und Rentendienst, dazwischen Brief- und Paketannahme, -oft konnte man nicht zustellbare Pakete noch abends am Küchenfenster abholen-) ein Erfolgsmodell erster Güte in fast jedem Dorf, auch einem solchen mit 300 Einwohnern - wegrationalisiert.
Allein die Wertschöpfung, die von den Bediensteten ausging: Selbst ein Posthauptschaffner im einfachen Dienst hatte nach 25 Dienstjahren ein abbezahltes Eigenheim und konnte noch Kinder und Enkel in ihrem Werdegang unterstützen.
Die heutigen Zusteller z.B. der Konkurrenzdienste schaffen es nicht mal, sich in 50 Berufsjahren eine Rente zusammenzuverdienen, die zum Überleben reicht.
Schon jetzt ist ihr Einkommen kaum ausreichend für eine kleine Wohnung und eine bescheidene Lebensführung, schon gar nicht für eine halbwegs verläßliche Familienplanung.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon Dieselpower » Di 5. Aug 2014, 00:31

So, wie erwartet hat sich Herr Staus zu meiner zweiten Mail nicht geäußert, nun hat Herr Grube (ich hoffe, es kommt an) mit folgendem Prolog eine Kopie davon erhalten:

Sehr geehrter Herr Grube, ich hoffe, diese Mail kommt auch wirklich bei Ihnen an.

Anbei die (wie erwartet) leider nicht beantwortete Mail an Ihren Pressesprecher. Ich hatte die Gelegenheit genutzt, die der Südwestrundfunk den an den deutschen Bahnen Interessierten (ich weiß, es ist nur noch ein kleiner Kreis, der sich WIRKLICH für die Deutsche(n) Bahn(en) interessiert, aber ich gehöre nun einmal von Kindesbeinen an dazu) gab, und ein paar Fragen zu den „Errungenschaften“ der letzten 20 Jahre gestellt.
Leider kam außer Ausweichen und Eigenlob wenig Konstruktives und objektiv Wahres….daraufhin nahm ich ihn noch einmal beim Wort!

Meine Zeilen an Ihren Konzernsprecher dürfen Sie gern auch an sich adressiert wahrnehmen, und ich hoffe, daß es wenigstens ein kleines bißchen zum Umdenken in die richtige Richtung führt, aber ehrlich gesagt, ist diese Hoffnung bereits am Tropf und der Herz-Lungen-Maschine angeklemmt. Eine Eisenbahn ist ein Gut, das ein Volk sich erarbeitet hat, dessen Grundlagen mit Steuern und Volkes Schweiß erarbeitet wurden. Und dieses Gut zu wahren, und nicht irgendwelchen schnellebigen Trends und Profitgier zu opfern, das ist das, was wiederum leider dem Zeitgeist, dieser unsäglichen EU, der new economy oder welchem Kurzzeitgötzen auch immer geopfert zu sein scheint.

Ihre Aufgabe ist nicht leicht, dessen bin ich mir bewußt, nachdem Ihr Vorgänger nur verbrannte Erde und ein grausiges Image hinterlassen hat. Und ich weiß auch, daß Sie das Genörgel Ihrer Kunden satt sind, das ja auch nicht selten völlig überzogen und ungerechtfertigt, stellenweise auch so dilettantisch ist, daß es schmerzt. Und genauso bin ich mir im Klaren darüber, daß Sie nicht über „Privatisierung oder (zumindest Teil-)Wiederverstaatlichung“ entscheiden. Aber ich möchte Sie wirklich bitten: Fahren Sie in die Provinz – mit Ihren eigenen Konzernprodukten, an Ihre eigenen Verkehrsstationen, aber vergessen Sie Zeckenschutz und Gummistiefel nicht (Und je nach Region auch Reizgas und Bodyguards). Die Deutsche Bahn gibt ein verheerendes Bild in der Fläche ab, das im ach so gern herbeigezogenen Europavergleich wirklich erbärmlich da steht. Doch nun genug der Vorrede, das meiste, was ich noch zu sagen habe, steckt in den nun weitergeleiteten Zeilen.

Ich erlaube mir jetzt die gleiche Hybris wie Ihr Konzernsprecher, und hoffe, Ihnen damit ein paar Denkanstöße zu geben.

Mit freundlichen Grüßen
Marko Lauten


Mal sehen, ob DA ne Antwort kommt...!
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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon Dieselpower » Mi 6. Aug 2014, 22:46

Ach sieh da, der Herr Staus:
Der Bahnschwätzer Staus hat geschrieben:Sehr geehrter Herr Lauten,

Herr Dr. Grube hat mich gebeten, Ihren Brief zu beantworten.

Die SWR-Sendung hat zu einer Vielzahl von Mails engagierter Zuschauer geführt, die ich
allesamt recht ausführlich beantwortet habe. Zum Teil waren vorher weitergehende Recherchen
zu detaillierten regionalen Themen erforderlich. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich darüber
hinaus keine Mails beantworten kann, die als Reaktion auf meine Antwort verschickt wurden.

Zu Ihrem Brief an Dr. Grube möchte ich noch anmerken, dass er als Vorstandsvorsitzender
seit seinem Amtsantritt von fünf Jahren unermüdlich durch die Regionen fährt - natürlich fast
immer mit der Bahn - und sich im Gespräch mit Mitarbeitern aller Hierarchien über die Themen
vor Ort informiert und zu erfahren, wo der Schuh drückt. Aus eigener Anschauung kann ich
versichern, dass er dabei ein erstaunliches Pensum bewältigt - trotz der zahlreichen
Verpflichtungen, die man als Chef eines Unternehmens mit 300.000 Mitarbeitern noch so hat.

Wenn Sie schreiben, dass die Bahn in der Fläche "ein verheerendes Bild" abgibt, kann ich
das als Bahnmitarbeiter mit 32 Dienstjahren nur als Zustandsbeschreibung für die Zeit vor der
Bahnreform gelten lassen. Gerade im europäischen Vergleich fällt mir - außer der Schweiz - kein
Land ein, dass auch in strukturschwachen Regionen einen derart dicht vernetzten, vertakteten
und mit modernen Fahrzeugen ausgestatteten Nahverkehr bietet.

Mit freundlichen Grüßen

Achim Stauß
Stellv. Leiter Konzernpressestelle (GKK)


Das durfte nicht unkommentiert bleiben, auf Dauer finde ich diesen Kampf gegen die Windmühlen jedoch ermüdend und leider nicht wirklich zielführend, und so schrieb ich ihm ein letztes mal zurück:
Dieselpower hat geschrieben:Sehr geehrter Herr Staus,
vielen Dank für ihre (erneut leider wenig aussagekräftige) Antwort. Sie war weder informativ, noch zeigte sie Anzeichen von Kritikbereitschaft und Verständnis. Denkanstöße zu geben hat offenbar nicht funktioniert.
Wie gewohnt haben sie (völlig isoliert) einen einzelnen Kritikpunkt herausgegriffen, und ihn ein- maximal zweidimensional beantwortet. Und auch hier erlaube ich mir, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aber das werden Sie ja auch wieder nicht gelten lassen. Daher beschließe ich von meiner Seite diese sinnlose Kommunikation, ich vergeude meine Zeit. Und wenn Sie als Sprecher gezielt an Sie adressierte Mails nicht beantworten können, oder wollen, sollte man diesen (und andere) Schriftwechsel vielleicht wieder den Medien zuführen. Stoff genug für eine abendfüllende kontroverse Diskussion wäre allemale vorhanden. Aber um nun noch einmal auf ihre jetztige Antwort einzugehen:

Mag ja sein, daß das Netz relativ dicht ist, die Fahrzeuge modern (und „saubequem“ mit stoffbezogener Holzklasse und defekten Klimaanlagen - und manchmal schon nach 10 Jahren reif für den Shredder) sind, und der Takt ein Vorteil (Wenn man nicht eine Relation bereist, auf der man IMMER 57 Minuten warten muß). Die Zeit vor der Bahnreform jedoch so zu verunglimpfen spricht nicht gerade für Ehrlichkeit Ihrerseits. Jedenfalls gab es vor 32 Jahren:
- Strecken, die aus mehr als einer Abzweigweiche, 20 km Eingleisigkeit und einem Prellbock bestanden
- Ohnehin noch wesentlich mehr Strecken in der Fläche als heute
- An unzähligen kleineren Stationen Ansprechpartner vor Ort, die (nicht rund um die Uhr, aber zu den wichtigsten Zeiten) in Sachen Gepäck, Auskünfte, Fahrkarten und auch am Bahnsteig zu Hilfe standen
- Bahnsteigschmuck (Blumenkästen etc.) statt Farbschmierereien und Vandalismusschäden auf einem entmenschten Betonhaltepunkt, an dem man defekte Beleuchtung selbst melden muß
- Weitaus weniger verfallene, zweckentfremdete und verscherbelte Bahn(hofs)gebäude
- Kurswagen- und attraktive Direktverbindungen in die wichtigsten Urlaubsregionen
- Wirklch komfortable (und nicht mit Blenderschnickschnack wie Steckdosen und anderem Krempel vollgestopfte) Reisezüge, die noch „Reisen“ erlaubten, und die auch stets ihr Ziel erreichten

Vielleicht fuhr nicht exakt (HAHA!) jede Stunde eine Plastikbahn hin und her, und vielleicht war es auch am Wochenende auf vielen Strecken sehr still, aber dafür gab es Eilzüge, die Regionen verbanden und anschlossen, man konnte aber Sonderzüge einlegen – insbesondere bei vorhersehbarem Mehrandrang, die DB AG wird ja jedes Jahr aufs Neue von Karneval, Weihnachten und ähnlichem überrascht….Heute würden Sonderzüge schon an der kastrierten Infrastruktur scheitern. Und die Bahn vor 32 Jahren war zuverlässig – zu jeder Jahreszeit. Wenn es Sie interessiert – was ich nicht glaube, lasse ich ihnen gerne Bildmaterial über den dilettantischen Umgang mit Herbst und Winter der letzten Jahre zukommen. Das hätte es zu Zeiten der gescholtenen „hochdefizitären“ Bundesbahn nie gegeben. Aber erneut verschweigen Sie, in WELCHEM Bereich bei der Bahn Sie tätig waren – vermutlich als einer der Schreibtischtäter, die schon vor 32 Jahren den Rotstift schwangen. Im reibungslos funktionierenden Betriebsdienst ganz gewiß nicht, sonst würden Sie nicht so reden!

Aber wie gesagt, ich sehe es ein, es ist sinnlos, werden Sie glücklich mit Ihrer Plastikbahn, Ihrem Stuttgarter Mega-U-Bahnhof (Das wird ein Fiasko, ich freue mich heute schon drauf!), Ihrem Auto+Zug zu Lasten der Allgemeinheit (Straßenverschleiß), dem DB-Fernbus (Aber nicht das Jammern über die verlorenen Marktanteile vergessen!) und ihren Projekten in Arabien und Timbuktu. Vielleicht klappt es ja auch noch mit der Börsenbauchlandung – viel Glück! Ich habe es ohnehin fast aufgegeben. Wenn alles vor die Wand gefahren ist, kann man ja immer noch in den Luftverkehr einsteigen…BER läßt grüßen! Denken Sie aber dran, wenn alles Volksgut verscherbelt ist, kann man keine Zahlen mehr schummeln….Es sind halt mittlerweile überwiegend Lobbyisten und Politiker in den wichtigsten Etagen von Post, Bahn usw. – da wird sich für die Interessen der zahlenden Kundschaft (des Wählers, des Steuerzahlers…) ja ohnehin nicht interessiert. Schweben Sie weiter auf Ihrer Wolke und freuen Sie sich über Ihre Hochglanzplastikbahn – ich warte derweil wieder im Regen (z.B. in Au/Sieg – Umsteigebahnhof mit 3000 Reisenden/Tag, aber ohne Toilette und Warteraum, aber dafür mit verbrettertem Bahnhofsgebäude mit privatem Reisezentrum – auf der wirtschaftlichen Kippe wegen schlechter Vergütung durch DB/TBNE – und mit Horrormieten weggeekelter Gastronomie) auf das Elent…Äh den E-Talent 2, der wegen Türstörung mal wieder irgendwo hängengeblieben ist…


Mit nachdenklichen Grüßen
Marko Lauten


PS: Wenn Ihnen außer der Schweiz kein Land mehr einfällt, in dem es service- und kundenorientierte Bahnen und gepflegte Anlagen gibt, sollten Sie dringend einmal Ihre Urlaubspläne modifizieren, ich empfehle die BeNeLux-Länder, das oft gescholtene Großbritannien (wo man den Rückwärtsgang bereits schon lange erfolgreich eingelegt hat), Österreich usw.
Und nun höre ich wirklich auf, ich muß noch meine BahnCard First bezahlen, wenn ich auch nicht genau weiß, wofür eigentlich noch – der Preisunterschied wird immer größer, der Qualitätsunterschied immer geringer. Auch hier sei ein Blick über den Zaun – z.B. nach GB – sehr empfohlen, aber das erwähnte ich ja bereits in der Mail, die sie nicht beantworten wollen.
Nun ist aber wirklich Schluß, ich mag nicht mehr – völlig sinnlos! Vielleicht sieht man sich vor der Kamera mal wieder – oder auch nicht! Auch das wäre nur ein Strohfeuer, es würde ohnehin nach etwas medienwirksamem Geplänkel weiterlaufen wie bisher.


So, das wär's in dieser Angelegenheit, es hat keinen Zweck, der Protest in der Bevölkerung ist einfach zu gering in diesem Autoland!
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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon Lochris » Do 7. Aug 2014, 22:48

Hart formuliert aber im Grunde einfach wahr. Schade, dass es so weit gekommen ist :? .
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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon Dieselpower » Do 7. Aug 2014, 23:33

Nun ja, weichgespült klappt ja nicht - aber wie man resigniert feststellen muß, können sie die Wahrheit auch mit Härte nicht ertragen bzw. verschließen die Augen davor...

Klar brachte die Bahnreform auch die eine oder andere Verbesserung, aber war es wirklich die Bahnreform, oder nicht doch eher die zeitliche Entwicklung? Wer sagt denn, daß wir vieles, auf das die Schlipsträger heute so stolz sind, nicht auch unter einer Bundesbahn im Jahr 2014 hätten? Aber vielleicht hätten wir immer noch eine Eisenbahnerfamilie, würden nicht vom Wetter reden, und wären "pünktlich wie die Eisenbahn" unterwegs....
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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon Dieselpower » Fr 8. Aug 2014, 12:47

So ist es...
Mit allen "ex-staatlichen" Einrichtungen - und es wird noch auf die Spitze getrieben mit dieser Privatisierungsorgie, das Wasser wird folgen, in meinen Augen ein Skandal höchster Güte, die ersten Nadelstiche kamen ja bereits, genau wie bei der Maut. Es werden kleinere Proteste und weitere Stiche mit geringer Gegenwehr folgen, und dann heißt es: "Wir haben doch immer davon gesprochen!" - aber es ist eben eine typisch deutsche Eigenschaft, schulterzuckend zu sagen "Ach, man kann es ja eh nicht ändern!".

Gestern erhielt ich eine E-Mail vom Verein "Bring back British Rail" (Da bin ich Mitglied) - sie feiern fünfjähriges Bestehen, und was soll ich sagen, man ist guter Hoffnung: Nachdem das Netz bereits vor Jahren wiederverstaatlicht worden ist (Nach den schrecklichen Unfällen um die Jahrtausendwende wegen einsparungsbedingter Mängel am privatisierten Netz), beschäftigt sich die Labour Party wohl inzwischen ernsthaft mit (zumindest teilweiser) Reverstaatlichung der Eisenbahnen....also hört mir auf mit "Das ist EU-Recht mit der Privatisierung!" oder ähnlichen Lügen. NOCH sind die Briten EU-Mitglied. Nix ist fix, Πάντα χωρεῖ καὶ οὐδὲν μένει - alles ist in Bewegung, und nichts bleibt, wie es ist - das wußte sogar schon Platon vor 2400 Jahren!

Das Dumme ist nur, daß ein ebenfalls schon sehr alter Satz (ca. 1900 Jahre) in Deutschland aktueller ist, denn je: "Panem et circenses" - gib dem Volk Brot und Spiele, und schon hält es das Maul. Bis eben auf einige Wenige, die die Verblödungsmaschinerie aus Dschungelcamp, (stets verneinter und doch vorhandener) Pressezensur und (den Wert des Warenkorbs verfälschender) Multimedia für Alle durchschaut haben, und kritische Töne spucken. Aber auch (schon wieder griechisch, diesmal Mythologie) diese Kassandra-Rufe verhallen im Meer der Dummheit und der Gleichgültigkeit hierzulande leider meistens!


Oh Sorry, war das wieder zu dick aufgetragen? Eigentlich wollte ich dieses Forum doch mit solchen dicken Klopsen verschonen....
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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon Dieselpower » Fr 29. Aug 2014, 10:08

Sehr gut gelungen....

Allein dieser Spruch mit den Denkanstößen von so einem Papagei des Konzerns war eine Frechheit, den man gar nicht oft genug zurückgeben kann...
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Re: Heute abend im SWR-Fernsehen: "Abgehängt auf alten Schienen?

Beitragvon TroubadixRhenus » Fr 29. Aug 2014, 11:51

Ich muss sagen, dass ich beim Lesen der Beiträge immer trauriger wurde. Traurig deshalb, weil die oft drastischen Worte passten und die Situation eins zu eins wiedergeben - zumindest so, wie ich sie immer wieder erlebe.

Was habe ich früher mit dem Tramper-Monatsticket für Touren gemacht: Z.B. Bonn - Stuttgart - Ulm - Friedrichshafen - Bregenz - Bludenz - Innsbruck - Mittenwald - München - Stuttgart - Bonn. Etwa 10 mal Umsteigen war angesagt. Diese Tagestour (!) habe ich z.B. drei mal gemacht und sie hat drei mal geklappt. Heute geht regelmässig die Tour Troisdorf - Kall (mit einmal umsteigen) in die Hose, bzw. man verpasst den Anschluss.

Natürlich wurde früher auch über die Bundesbahn viel geschimpft, und auch da war absolut nicht alles so toll, wie man sich das heute im "Verschönerungsspiegel der Erinnerung" vielleicht manchmal denkt. Ich erinnere mich da auch an so manchen mürrischen Schalterbeamten, der den "Beförderungsfall" deutlich hat spüren lassen, auf welcher Stufe er ihm gegenüber zu stehen hat. Ich erinnere mich auch an die Pendlerzüge früh morgens von Troisdorf nach Köln vor etwa 30 Jahren, die ich eine Zeit lang zu benutzen das Vergnügen hatte: Silberlinge und vereinzelt sogar noch Umbauwagen, wo die Leute in den völlig überfüllten Zügen sogar in den lauten zugigen Wagenübergängen auf den klotzgebremsten Achsen standen. Und wer es wagte sich im Gang in die 1. Klasse zu stellen (weil anderswo nichtmal mehr ein Stehplatz zu bekommen war, der wurde "höchstbehördlich" mit einem erhöhten Beförderungsentgeld bedacht.

Oder um mal in den Westerwald zu gehen: Die Obere Westerwaldbahn war zumindest im Mittelteil Altenkirchen - Westerburg Anfang der 90er im Personenverkehr kurz vor der Stillegung. Ab Samstagmittag kehrte dort schon lange Wochenendruhe ein. Dass auf der Piste 2014 immer noch durchgehend Personenzüge fahren (sogar mit Feiertagsverkehr) hätte damals niemand geglaubt. Freilich ging es dafür auf der "Oberen" dem Güterverkehr mit einem Komplett-Kahlschlag an den Kragen.

Trotzdem sind die drastischen Worte bezüglich der aktuellen Entwicklung vollkommen gerechtfertigt! Morgen Nacht wird übrigens der neue Estw- Abschnitt auf der Rechten Rheinstrecke in Betrieb genommen. Dann wird auch zwischen Bad Honnef und Leutesdorf "ferngesteuert" gefahren, womit folgende Bahnhöfe und Posten ihr örtliches Personal verlieren: Leutesdorf (Stellwerk und BÜ-Posten 56), Rheinbrohl, Bad Hönningen, Linz(Rh.), Erpel, Unkel und Bad Honnef. Sicher werden dann auch die Fenster dieser Stellwerke und Diensträume mit schmucken Stahlblenden dicht gemacht wie derzeit schon in Königswinter, Rhöndorf, Niederdollendorf und auch die Blumenkästen verschwinden... Mängel der Aussenanlagen müssen dann sicher auch dort von den Reisenden gemeldet (und am besten auch gleich repariert) werden. Was den Vandalismus angeht - ach lassen wir das...

Jedenfalls würde ich manchmal gerne wieder den heutigen Mist mit einem mürrischen Schalterbeamten hinter seinem ovalen Lochglasscheibchen ("hier sprechen!") eintauschen.
"Wählen gehen ist wie Zähne putzen: Lässt man's bleiben, wird's braun."
Hagen Rether


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