Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

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Dieselpower
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Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Dieselpower » Fr 26. Sep 2014, 00:40

Nabend allerseits...
Heute hatte ich eine (wie ich dachte) leichte Fahrkartenaufgabe zu lösen, Sandra brauchte je zwei Rheinland-Pfalz-Tickets für die Hinfahrt mit ihrem "Kaffeekränzchen" von Linz/Rhein nach Trier und für die entsprechende Rückfahrt. Von dem Pech, daß ausgerechnet jetzt die Moselstrecke unterbrochen ist, ganz abgesehen, verlief der Fahrscheinkauf sehr DB-typisch:

Obwohl ich gern den persönlichen Verkauf in Limburg oder Koblenz unterstützt hätte, fand ich (da ich für 7 Personen eben je 2 Tickets benötigte) 8 Euro (also in richtigem Geld knapp 16,- DM) Aufschlag etwas happig, hier ging die Rechnung der DB auf, die Kunden mit diesen nun durchs Hintertürchen doch eingeführten asozialen Bedienzuschlägen weg vom Schalter zu vergraulen. Den erheben die ja mittlerweile für nahezu alle Angebote in einer Höhe, die man teilweise nur noch als unverschämt bezeichnen kann.

Nächste Station: Der High Tech Automat am Bahnhof Altenkirchen...
Nachdem er mich die üblichen Parameter komplett abgefragt hatte, und auch Kartenzahlung anbot, fiel ihm dann nach einer Bedenkzeit ein, daß die Buchung "aus technischen Gründen" nicht möglich sei. Mehrere vergebliche Versuche ließen mich nun vermuten, daß er keine Onlineverbindung hatte. Der Versuch, hiernach eine entsprechende Menge Bargeld in automatenkompatible Stückelung zu wechseln, scheiterte an der Uhrzeit, der Taxifahrer hatte gerade erst seine Nachtschicht begonnen, und der REWE gegen 21 Uhr seine Kassen geleert, und die meisten Scheine dem Safe zugeführt. Na toll, also zu Hause online buchen....geht ja auch!

Zu Hause wurde der Rechner angeworfen, und die entsprechende Seite aufgerufen. Da ich natürlich auch Punkte für diesen Kartenkauf sammeln wollte, loggte ich mich ein, kam aber partout nur an die normale "Von-Nach-Eingabemaske", nicht an die Ländertickets. Also rief ich die Startseite auf - damit wurde ich (warum auch immer) automatisch wieder abgemeldet...während der ziemlich umständlichen Auswahl des richtigen Tickets bekam ich wieder angeboten, Punkte zu sammeln, und durfte mich erneut einloggen. Endlich war es so weit, das erste Online-RLP-Ticket in PDF-Form kam aus dem Drucker...ich klickte auf "Weitere Buchung durchführen" und landete wieder in der "Von-Nach-Sackgasse"...gleichzeitig war aber auch das Auswahlmenü nicht mehr vorhanden... :roll:
Also klickte ich nun (ich war ja eingeloggt) noch mal auf Startseite - und war -schwupps- wieder raus....und die Prozedur begann von neu. Naja, bei den nächsten zwei Tickets natürlich dann auch wieder...
Diese Aktion war deshalb ziemlich aufwendig, da ich "für jemand anders" die Buchung machte, und jedes mal die kompletten Daten (Kreditkartennummer, Gültigkeit, Adresse usw.) neu eingeben durfte. Nach "nur" 39 Minuten hatte ich dann endlich zwei mal zwei RLP-Tickets in der Hand. Ich war ganz begeistert von dieser sehr kundenfreundlichen Software.... :roll:
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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon schimi » Fr 26. Sep 2014, 07:28

Das ganze System ist die größte "böses Wort", die ich je gesehen habe. So etwas von bedienerunfreundlich. Egal, ob Internet oder Automat! Für viele ältere Leute ist das ganze nicht mehr zu verstehen. Hier werden ganze Bevölkerungsgruppen als Kunden vergrault. Frage mich, wer sich so einen Mist ausdenkt.
Ich hatte eine Tante, die sehr oft Bahn gefahren ist, bis in ihrem Ort der Fahrkartenverkauf geschlossen wurde. Mit den Automaten kam sie nicht mehr klar. Danach ist sie dann einfach nicht mehr Bahn gefahren. So geht es leider vielen älteren Leuten.

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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Dieselpower » Fr 26. Sep 2014, 18:56

Der fehlende Ansprechpartner in der Ebene ist für einen Großteil der älteren Bevölkerung ein Argument, nicht mehr mit der Bahn zu fahren. Insbesondere da, wo immer noch altbekannte Gesichter Weichen und Signale stellen, aber keine Fahrkarten mehr verkaufen können, weil der Bahnhof an Kunsthändler, Immobilienhaie und was weiß ich verscherbelt ist, und die DB für den Stellwerksraum Miete zahlt, ist dann das Verständnis (nicht nur) bei der alten Bevölkerung am Ende...
Kriminell, wie da mit dem Volksvermögen geaast wird....
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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Horst Heinrich » Fr 26. Sep 2014, 20:13

schimi hat geschrieben:Ich hatte eine Tante, die sehr oft Bahn gefahren ist, bis in ihrem Ort der Fahrkartenverkauf geschlossen wurde. Mit den Automaten kam sie nicht mehr klar. Danach ist sie dann einfach nicht mehr Bahn gefahren. So geht es leider vielen älteren Leuten.

Ich kann diese Beobachtung zu 100% bestätigen.
Es fing schon mit der Generation meiner Großeltern (Jahrgänge 1891 bis 1902) an.
Beispiel: Gau-Algesheim. Fahrkartenumsatz im letzten DB-Schalterjahr: 478.000 DM/Jahr.
Ein beachtliches Potential - die örtliche Besetzung (vier A7 bis A8 Beamte im Wechsel) hat sich also mehr als amortisiert, nicht nur das, es wurden beachtliche Gewinne gemacht.
Trotzdem wurde der Schalter geschlossen - wegen fehlender Rentabilität, so ließ der Konzern in der Tageszeitung verlauten.
Die älteren Menschen sind dann umgestiegen - auf das Auto von Kindern und Enkelkindern, selbst DB-Pensionäre, die mit der legendären Personalfahrkarte sehr günstig gefahren wären, mieden den Fahrkartenautomat.
Das war für mich persönlich eine nachgefühlte Erniedrigung: 40 und mehr Berufsjahre hat man der Bahn treu gedient, dann wird man als Reisender noch vergrault.
Die entsprechende "Propaganda" kann man sich denken.
Wer früher stolz auf "seine" Bahn war, empfand nun nur noch Verachtung.
Ich habe mal hochgerechnet und komme allein in Gau-Algesheim auf einige zehntausend DM jährlich, die der Bahn auf diese Weise flöten gegangen sind.
Und es handelt sich "nur" um einen Bahnhof in einer kleinen 6000-Seelen-Stadt....
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Dieselpower » Sa 27. Sep 2014, 01:19

Das ist halt nicht die Wunschklientel der Deutschen Bahnen...45 kg leicht, 1,60 m kurz und maximal ein Aktenköfferchen und einen Laptop als Gepäck (Maßstab für die heutigen "Sitzlandschaften", oder wie man diese Zumutung in modernen Plastikbahnen auch immer nennt....) und nach Möglichkeit versiert im Umgang mit Internet und komplizierter Automatensoftware und "Päädsjeduld", wie es in Köln heißt...
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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 27. Sep 2014, 08:43

Dieselpower hat geschrieben:Das ist halt nicht die Wunschklientel der Deutschen Bahnen...45 kg leicht, 1,60 m kurz und maximal ein Aktenköfferchen und einen Laptop als Gepäck (Maßstab für die heutigen "Sitzlandschaften", oder wie man diese Zumutung in modernen Plastikbahnen auch immer nennt....) und nach Möglichkeit versiert im Umgang mit Internet und komplizierter Automatensoftware und "Päädsjeduld", wie es in Köln heißt...

Im Rahmen einer Fortbildung habe ich vor Jahren mal den Wiener Wirtschaftssoziologen Johann August Schülein erlebt.
Er vertrat die These, die Unternehmen gingen immer mehr dazu über, sich eine für sie maßgeschneiderte Nachfrage durch Umgestaltung des Verbrauchers zu basteln.
Vulgo:
Die Bedürfnisse des Kunden werden zu einem Bedarf umgestrickt, der dem Angebot entspricht, das die Unternehmen für vertretbar und wünschenswert halten und bereit sind, zu unterbreiten.

Damals erhoben sich viele Einwände, sie gingen von der alten Floskel, daß sich vor allem Qualität am Markt durchsetzen werde bis hin zu der anscheinend unausrottbaren Zuversicht, im Rahmen eines halbwegs intakten Wettbewerbs werde jeder auch das als Angebot finden, was er benötige.

Die Realität sieht -wie wir wissen- anders aus.
In allen Bereichen unseres Lebens verzeichnen wir einen erheblichen Rückgang der Servicequalität bei gleichzeitig steigenden Preisen, es gibt kaum jemanden, der mit dem Gebotenen zufrieden ist.
Ob von A wie Autowerkstatt bis hin zu Z wie Zahnbehandlung.

Paradebeispiel -mal wieder-: Die Bahn.
Trotz millionenfacher Proteste der Kunden geht man nicht auf die Wünsche und Bedürfnisse des Fahrgastes ein.
Er muß -um überhaupt reisen zu können- akzeptieren, was die Bahn ihm bietet und schließlich tut er es auch.
Damit hat sie ihr Ziel erreicht:
Der Kunde nimmt, was der Anbieter möchte.

Der Einstieg in die kapitalistische Planwirtschaft ist erfolgt.
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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Kai » Sa 27. Sep 2014, 11:58

Und nu? Welche Möglichkeiten bleiben?

- Auto fahren?
- Bus fahren?
- Zuhause bleiben?
- Schaltergebühr zahlen?

Die Welt dreht sich nun mal weiter. Die Bahn ist kein Sondervermögen des Bundes mehr, sondern eine AG und muss Gewinn erwirtschaften. Service kostet Geld! Die Kosten wurden früher eben anders verteilt. Man könnte die Kosten für Fahrkartenschalter in der Fläche natürlich auch auf die Fahrpreise umlegen. Das würde aber Diejenigen benachteiligen, die mit Kauf am Automat und Kauf im Netz klar kommen. Dürfte in keinem Verhältnis stehen...

Sicher, der Kauf am Automaten und im Netz könnte bestimmt nutzerfreundlicher gestaltet werden, aber man kann es auch nicht jedem Recht machen! Was wäre denn gewesen, wenn der Automat die Kartenzahlung akzeptiert hätte? Wäre es dann ok gewesen? Wenn das Kartenterminal am Schalter nicht funktioniert hätte, wäre man dort ohne Bargeld auch nicht weit gekommen.

Fahrkartenumsatz im letzten DB-Schalterjahr: 478.000 DM/Jahr.
Ein beachtliches Potential - die örtliche Besetzung (vier A7 bis A8 Beamte im Wechsel) hat sich also mehr als amortisiert, nicht nur das, es wurden beachtliche Gewinne gemacht.


Seid mir nicht böse, aber das möchte ich anzweifeln. Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Was haben die Mitarbeiter denn damals verdient? Wie hoch waren die Kosten für die Unterhaltung der Immobilie und des Betriebs am Schalter? Die eigentliche Fahrt kostet natürlich auch Geld... Mit nem Automat spar ich mir sehr viele Kosten. Auch wenn der Umsatz evtl. etwas geringer ist, ist der Gewinn am Ende höher. Aus reiner Bösartigkeit wird sicher kein Schalter geschlossen...

Es steht jedem zu zu sagen, dass ihm Dieses und Jenes früher besser gefallen hat. Trotzdem kann das nicht der Maßstab für die Allgemeinheit sein.
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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Dieselpower » Sa 27. Sep 2014, 13:09

Sind wir denn gefragt worden, ob wir eine Bahn AG wollten? Ob Steuerzahler's Sondervermögen verscherbelt wird? Ja, genau so viel, wie danach, ob wir eine EU mit ihren tollen Verboten, Richtlinien und ihrem immer wertloseren Spielgeld wollten, das Freihandelsabkommen mit den Amis, Eurorettungen und Entwertung unserer Ersparnisse etc. - und wie Du richtig schreibst, die Erde dreht sich weiter. Wenn etwas Mist ist, muß auch die Möglichkeit vorhanden sein, es rückgängig zu machen. Nix ist "alternativlos"!
Wenn das alles so toll, wirtschaftlich, sinnvoll usw. ist, warum findet man das im (benachbarten!) Ausland nicht - zumindest nicht in dieser Form???

Und wenn Du gern auf den Kosten herumreitest, dann schau dir mal die Entwicklung der Bezüge an - von den nachvollziehbaren und transparenten Tarifen bei der Bundesbahn, wo der A1er Rangierhelfer das Gehalt des Direktors in einer einzigen Tabelle ablesen konnte bis zu der Diskrepanz der Gehälter derer, die mit ihrer Arbeit die Einnahmen erst erwirtschaften und den tumorartigen Managerstrukturen jedes Sub-sub-sub-Betriebes im Konzern mit fünfstelligen Belohnungen für ihr verheerendes Werk jeden Monat im In- wie Ausland! Man investiert ja lieber in Arabien oder Shanghai als in Deutschland. Was könntest Du fleißige Hände von diesem Geld bezahlen, das die sich in ihre Anzugtaschen stopfen? Dann sähen die Bahnhöfe nicht so aus, wie sie es mancherorts tun.

Und wie es bei jungen Menschen üblich ist - Ihr seht immer nur die Primärkosten. "Was kostet eine Planstelle? Was kostet diese Infrastruktur? Was kostet der Strom?" usw. - Horst Heinrich führte es schon mehrmals korrekt aus - bleibt doch bitte so fair, wenn Ihr schon ins gleiche "Spitzer-Bleistift-Konzept"-Horn tutet, wie es sogenannte (neutrale - haha!) Ökonomen tun, dann rechnet auch die Kosten für Anschaffung und Wartung, Leerung usw., Vandalismus, Diebstahl und nicht erzielte Umsätze gegen, weil sich nach Einbruch der Dunkelheit (außer halbseidenen Gestalten) keiner mehr an einen gottverlassenen, zugigen Haltepunkt wagt - und im Hellen noch längst nicht jeder, der das vor 20 Jahren noch bedenkenlos getan hätte. Aber solche Kosten werden heute geschickt in verschiedenen Geschäftsbereichen weggemogelt...von den Menschen, die aus der (ebenfalls für die Gesellschaft kostenpflichtigen) Arbeitslosigkeit herausfallen, fang ich lieber erst gar nicht an.

Mit dem letzten Satz hast Du uns "Ewiggestrige", "Erzkonservative" usw. mehr oder weniger in eine verstaubte Ecke gestellt. Andersrum wird ein Schuh draus: Wenn dir diese Selbstbedienungsbahn gefällt mit ihren unbequemen Zügen, Onlineauftritten, Apps, Automaten, Handysteckdosen und Farbschmierereien an allen Ecken gefällt, freu dich, Du hast sie - aber frag mal repräsentativ 1000 Menschen an neutralem Ort, wie sie die Bahn von heute im Vergleich zu früher finden - nicht an einem Großstadtbahnhof, wo man sich die leidensfähige (drauf angewiesene) Kundschaft schon auf ihre "Servicequalität" konfektioniert hat, nein, sondern da, wo die vergraulte Kundschaft mit der noch vorhandenen vermischt ist - im Stadion, in der Fußgängerzone oder vor der Bäckerei! Und neue Kunden lockt man mit diesem vollautomatisierten, auf SB umgestellten Massentransport auch nicht...

Wenn wir - möglicherweise auch etwas beschönigend - von den guten alten Zeiten sprechen, liegt das daran, daß wir sie erlebt haben, und mit ansehen mußten - wie tausende Mitglieder der mittlerweile zerstörten Eisenbahnerfamilie - was aus einer der höchstangesehenen Bahnen der Welt wurde. Meine ist es jedenfalls nicht mehr - ich muß halt bis zur Rente gute Miene zum bösen Spiel machen.

Ach ja - ich persönlich bin dank Elent2 & Co., ständig neuem Ärger mit intransparenten Ticketpreisen und Beschaffung immer seltener als Fahrgast unterwegs...dann steh ich lieber im Stau, Sorry! (Hätte nie gedacht, sowas mal zu sagen!)
Aber manche haben eben nicht die Wahl! Und Texte bitte komplett lesen - am Schalter hätte man mir das in ausreichender Höhe mitgeführte Bargeld wechseln können. Die Stückelung war eben nicht maschinengerecht...

Edit hat ein paar Flüchtigkeitsfehler weg gemacht...
Zuletzt geändert von Dieselpower am Sa 27. Sep 2014, 13:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 27. Sep 2014, 13:28

Den Ausführungen von Marko müßte man eigentlich nichts mehr hinzufügen, vielleicht noch dies:

Hallo Kai, vieles was Du schreibst kann man so nicht stehen lassen.
Es sind natürlich Dinge dabei, die auf unterschiedlichen Auffassungen beruhen, jedoch auch Dinge, die sachlich falsch sind.

Da wäre z.B. die Unternehmensform.
Die Deutsche Bahn ist keine Aktiengesellschaft, sondern de facto nach wie vor eine Staatsunternehmen, (freilich ein privatrechtlich organisiertes), die Bundesrepublik Deutschland ist alleiniger Eigentümer und die "Aktien" werden nicht gehandelt.
Daß Umsatz nicht gleich Gewinn ist ist mir natürlich geläufig :wink: , bei einem Umsatz von 478000 DM p.a. (diese Zahl ist verbürgt) kann man nach Abzug aller Kosten (großzügig gerechnet) von einem Reingewinn i.H. von rund 70000 DM ausgehen.
Das ist eine sehr sehenswerte Rendite, die in vielen Bereichen und Unternehmen auch heute noch ein Traum ist, das wäre ein Jahresgewinn von 17500 DM je Mitarbeiter nach Abzug aller Kosten, ich denke tausende 4-Mann-Unternehmen unseres Landes würden von solchen Erträgen träumen.
Darunter z.B. -man sieh' und staune- eine Landarztpraxis - hier werden z.B. oft geringere Erträge "generiert".

Der Schalter wurde auch nicht aus ökonomischen Gründen stillgelegt, sondern aus (unternehmens-) politischen.
Im benachbarten Ingelheim, wo der Umsatz geringer ausfiel, wurde er erhalten, ebenfalls aus politischen Gründen, denn die Firma Boehringer und die Stadt Ingelheim intervenierten entsprechend.

Rein fachlich betrachtet -und das sage ich als sehr kritischer Nationalökonom, dem aber der hemmungslose Kapitalismus genauso zuwider ist wie der links-alternative Vollkaskostaat- sind Bahn- und Postreform mißlungen.
Kein seriöser Wirtschaftswissenschaftler, der nicht zugeben müßte, daß eine flächendeckende, sozial gerechte (wozu das Grundgesetz den Staat verpflichtet) Grundversorgung mit Verkehrs-, Brief-, Paket-, und Telekommunikationsdienstleistungen
privatwirtschaftlich organisiert werden könnte.
Diese Daseinsvorsorge kann nur über eine Umverteilungsfinanzierung nach dem Gemeinlastprinzip funktionieren ansonsten fände -um bei der Bahn zu bleiben- Schienenpersonenverkehr nur noch auf 10.000 Streckenkilometern statt und direkter Service am Kunden würde sich auf Städte ab einer Größenordnung von Kobenz, Mainz und Trier beschränken.
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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Kai » Sa 27. Sep 2014, 14:25

Sind wir denn gefragt worden, ob wir eine Bahn AG wollten? Ob Steuerzahler's Sondervermögen verscherbelt wird? Ja, genau so viel, wie danach, ob wir eine EU mit ihren tollen Verboten, Richtlinien und ihrem immer wertloseren Spielgeld wollten, das Freihandelsabkommen mit den Amis, Eurorettungen und Entwertung unserer Ersparnisse etc. - und wie Du richtig schreibst, die Erde dreht sich weiter. Wenn etwas Mist ist, muß auch die Möglichkeit vorhanden sein, es rückgängig zu machen. Nix ist "alternativlos"!
Wenn das alles so toll, wirtschaftlich, sinnvoll usw. ist, warum findet man das im (benachbarten!) Ausland nicht - zumindest nicht in dieser Form???


Nö, sind wir nicht, aber darum gehts doch hier auch garnicht. Es ging um den Kauf von Fahrkarten. Für entsprechend mehr Geld hättest Du wahrscheinlich die Leistung bekommen, die Du gewollt hättest. Ansonsten bleibt die Frage: was wäre denn gewesen, wenn die Kartenzahlung am Automat geklappt hätte? Wäre es dann ok gewesen?

Und wenn Du gern auf den Kosten herumreitest, dann schau dir mal die Entwicklung der Bezüge an - von den nachvollziehbaren und transparenten Tarifen bei der Bundesbahn, wo der A1er Rangierhelfer das Gehalt des Direktors in einer einzigen Tabelle ablesen konnte bis zu der Diskrepanz der Gehälter derer, die mit ihrer Arbeit die Einnahmen erst erwirtschaften und den tumorartigen Managerstrukturen jedes Sub-sub-sub-Betriebes im Konzern mit fünfstelligen Belohnungen für ihr verheerendes Werk jeden Monat im In- wie Ausland! Man investiert ja lieber in Arabien oder Shanghai als in Deutschland. Was könntest Du fleißige Hände von diesem Geld bezahlen, das die sich in ihre Anzugtaschen stopfen? Dann sähen die Bahnhöfe nicht so aus, wie sie es mancherorts tun.


Das was Du hier ansprichst sehe ich durchaus auch als kritisch an, hat aber mit dem heutigen Fahrkartenkauf auch eher wenig zu tun. Auch eine Staatsbahn hätte sich der technischen Entwicklung nicht widersetzen können und hätte irgendwann Automaten aufgestellt und Fahrkarten im Netz verkauft. Wieso auch nicht? Ich finde das deutlich praktischer, als wenn ich mich erst an einem Schalter in ne Schlange stellen muss.

Und wie es bei jungen Menschen üblich ist - Ihr seht immer nur die Primärkosten. "Was kosten eine Planstelle? Was kostet diese Infrastruktur? Was kostet der Strom?" usw. - Horst Heinrich führte es schon mehrmals korrekt aus - bleibt doch bitte so fair, wenn Ihr schon ins gleiche "Spitzer-Bleistift-Konzept"-Horn tutet, wie es sogenannte (neutrale - haha!) Ökonomen tun, dann rechnet auch die Kosten für Anschaffung und Wartung, Leerung usw., Vandalismus, Diebstahl und nicht erzielte Umsätze gegen, weil sich nach Einbruch der Dunkelheit (außer halbseidenen Gestalten) keiner mehr an einen gottverlassenen, zugigen Haltepunkt wagt - und im Hellen noch längst nicht jeder, der das vor 20 Jahren noch bedenkenlos getan hätte. Aber solche Kosten werden heute geschickt in verschiedenen Geschäftsbereichen weggemogelt...von den Menschen, die aus der (ebenfalls für die Gesellschaft kostenpflichtigen) Arbeitslosigkeit herausfallen, fang ich lieber erst gar nicht an.


Offenbar lohnt sich dieses Vorgehen für die Bahn AG ja trotzdem, sonst wäre man davon wieder abgekommen, oder? Natürlich, für den Einzelnen wäre es anders schöner, das bezweifle ich garnicht. Ein sauberer schöner Bahnhof mit einem Ansprechpartner vor Ort, klar, das wäre super. Aber wer ist denn bereit dafür noch zu zahlen? Von 478.000 DM Umsatz im Jahr war der Schalter in FGAL sicher nicht rentabel. Wenn dazu anderslautende Fakten vorliegen, lasse ich mich gerne überzeugen.

Mit dem letzten Satz hast Du uns "Ewiggestrige", "Erzkonservative" usw. mehr oder weniger in eine verstaubte Ecke gestellt. Andersrum wird ein Schuh draus: Wenn dir diese Selbstbedienungsbahn gefällt mit ihren unbequemen Zügen, Onlineauftritten, Apps, Automaten, Handysteckdosen und Farbschmierereien an allen Ecken gefällt, freu dich, Du hast sie - aber frag mal repräsentativ 1000 Menschen an neutralem Ort, wie sie die Bahn von heute im Vergleich zu früher finden - nicht an einem Großstadtbahnhof, wo man sich die leidensfähige (drauf angewiesene) Kundschaft schon an ihre "Servicequalität" konfektioniert hat, nein, sondern da, wo die vergraulte Kundschaft mit der noch vorhandenen vermischt ist - im Stadion, in der Fußgängerzone oder vor der Bäckerei! Und neue Kunden lockt man mit diesem vollautomatisierten, auf SB umgestellten Massentransport auch nicht...


Was spricht denn bitte gegen Onlineauftritte, Apps, Automaten und Handysteckdosen?? Farbschmiereien gehören auch nicht hier ins Thema, das ist ein anderes Problem. Unbequeme Züge? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Da fehlt mir vielleicht auch der Vergleich, aber bisher bin ich immer ohne Krämpfe, Rückenschmerzen oder Thrombose aus dem Zug gestiegen. Außerdem: hat man die Kunden früher nicht auch konfektioniert? Musste nicht jeder zum Schalter laufen und sich anstellen, um eine Fahrkarte zu bekommen? Sorry, aber da finde ich die Buchung übers Netz bequemer. Vermutlich ist das aber auch einfach eine Generationenfrage.

Wenn wir - möglicherweise auch etwas beschönigend - von den guten alten Zeiten sprechen, liegt das daran, daß wir sie erlebt haben, und mit ansehen mußten - wie tausende Mitglieder der mittlerweile zerstörten Eisenbahnerfamilie - was aus einer der höchstangesehenen Bahnen der Welt wurde. Meine ist es jedenfalls nicht mehr - ich muß halt bis zur Rente gute Miene zum bösen Spiel machen.


Klar, für den Einzelnen ist Vieles durchaus schmerzhaft, das will ich garnicht klein reden. Aber deswegen wird sich der Fortschritt (ob nun für den Einzelnen positiv oder negativ) nicht aufhalten lassen. Elektro- und Dieseltraktion haben den Heizer auf der Dampflok auch überflüssig gemacht. Der Onlinehandel macht viele Einzelhandelsgeschäfte überflüssig usw. usf. Es gibt x Beispiele. Vielleicht wird mein Job irgendwann auch überflüssig, wer weiß das schon? Fakt ist: die Dampflok wird nicht mehr im Planbetrieb fahren (von Einzelfällen abgesehen), der klassische Einzelhandel wird so schnell nicht wieder auf dem Niveau von früher ankommen usw. usf. Also was bleibt uns Anderes übrig, als uns den Gegebenheiten anzupassen und zu versuchen sie da zu beeinflussen, wo man denkt, dass es nötig ist?

Ach ja - ich persönlich bin dank Elent2 & Co., ständig neuem Ärger mit intransparenten Ticketpreisen und Beschaffung immer seltener als Fahrgast unterwegs...dann steh ich lieber im Stau, Sorry! (Hätte nie gedacht, sowas mal zu sagen!)
Aber manche haben eben nicht die Wahl! Und Texte bitte komplett lesen - am Schalter hätte man mir das in ausreichender Höhe mitgeführte Bargeld wechseln können. Die Stückelung war eben nicht maschinengerecht...


Ist ja auch ganz normal so. Wenn die Leute zu anderen Alternativen abwandern, muss sich die Bahn irgendwann Gedanken machen, ob der eingeschlagene Weg noch der Richtige ist. Kann ja durchaus sein, dass einige Entscheidungen falsch waren. So geht es jedem Unternehmen. Manche haben nicht die Wahl? Ich dachte nichts wäre alternativlos ;)? Wieso in diesem Fall doch? Am Schalter hätte man Dir wechseln können? Mag sein, dass die Wahrscheinlichkeit höher gewesen wäre, sicher wäre es aber auch nicht gewesen. Das Kartenterminal hätte am Schalter ebenso defekt sein können und das Wechselgeld ist bestimmt auch schonmal ausgegangen. Außerdem: die Möglichkeit am Schalter zu kaufen hat ja bestanden!
Zuletzt geändert von Kai am Sa 27. Sep 2014, 14:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Kai » Sa 27. Sep 2014, 14:44

Horst Heinrich hat geschrieben:Da wäre z.B. die Unternehmensform.
Die Deutsche Bahn ist keine Aktiengesellschaft, sondern de facto nach wie vor eine Staatsunternehmen, (freilich ein privatrechtlich organisiertes), die Bundesrepublik Deutschland ist alleiniger Eigentümer und die "Aktien" werden nicht gehandelt.


Die Unternehmensform der Bahn IST die Aktiengesellschaft. Wer nun Eigentümer ist und ob die Aktien gehandelt werden spielt für diesen Fakt keine Rolle. Das es nur einen Eigentümer gibt und das auch noch die Bundesrepublik Deutschland ist und dies einige Besonderheiten nach sich zieht, steht vollkommen außer Frage.

Daß Umsatz nicht gleich Gewinn ist ist mir natürlich geläufig :wink: , bei einem Umsatz von 478000 DM p.a. (diese Zahl ist verbürgt) kann man nach Abzug aller Kosten (großzügig gerechnet) von einem Reingewinn i.H. von rund 70000 DM ausgehen.
Das ist eine sehr sehenswerte Rendite, die in vielen Bereichen und Unternehmen auch heute noch ein Traum ist, das wäre ein Jahresgewinn von 17500 DM je Mitarbeiter nach Abzug aller Kosten, ich denke tausende 4-Mann-Unternehmen unseres Landes würden von solchen Erträgen träumen.
Darunter z.B. -man sieh' und staune- eine Landarztpraxis - hier werden z.B. oft geringere Erträge "generiert".

Der Schalter wurde auch nicht aus ökonomischen Gründen stillgelegt, sondern aus (unternehmens-) politischen.
Im benachbarten Ingelheim, wo der Umsatz geringer ausfiel, wurde er erhalten, ebenfalls aus politischen Gründen, denn die Firma Boehringer und die Stadt Ingelheim intervenierten entsprechend.

Die Zahlen kann ich nicht nachprüfen. Wenn es tatsächlich so war: schade! Politische Gründe sind oft für Viele nicht nachvollziehbar, da bin ich bei euch. Dennoch sind diese Entscheidungen getroffen worden. Also, was bleibt uns übrig?

Rein fachlich betrachtet -und das sage ich als sehr kritischer Nationalökonom, dem aber der hemmungslose Kapitalismus genauso zuwider ist wie der links-alternative Vollkaskostaat- sind Bahn- und Postreform mißlungen.
Kein seriöser Wirtschaftswissenschaftler, der nicht zugeben müßte, daß eine flächendeckende, sozial gerechte (wozu das Grundgesetz den Staat verpflichtet) Grundversorgung mit Verkehrs-, Brief-, Paket-, und Telekommunikationsdienstleistungen
privatwirtschaftlich organisiert werden könnte.
Diese Daseinsvorsorge kann nur über eine Umverteilungsfinanzierung nach dem Gemeinlastprinzip funktionieren ansonsten fände -um bei der Bahn zu bleiben- Schienenpersonenverkehr nur noch auf 10.000 Streckenkilometern statt und direkter Service am Kunden würde sich auf Städte ab einer Größenordnung von Kobenz, Mainz und Trier beschränken.


Hier schweifen wir wieder weit vom Thema ab. Es ging um Fahrkartenkauf. Über die Frage, ob Infrastruktur und deren Betrieb nicht besser in Staatshand bleiben sollte kann man tagelang diskutieren. Beides hat sicher Vor- und Nachteile. Offenbar nehmen es die meisten Bürger ja in Kauf, so wie es ist. Sonst würden die Wahlergebnisse vielleicht anders aussehen oder die Straßen wären voll mit Demos. Aber wie gesagt, es ging um den Kauf von Fahrkarten :D .
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Re: Mal eben ein paar RLP-Tickets kaufen...mal eben???

Beitragvon Dieselpower » Sa 27. Sep 2014, 19:04

Richtig, es geht um den Kauf von Fahrkarten, und der ist in den meisten europäischen Ländern komischerweise eben auch am Schalter möglich, und zwar ohne asozial unverhältnismäßige Aufschläge. Vor allem zu transparenten Preisen. X km kosten Y Geld, Zuschläge und Ermäßigungen verändern den Fixpreis, aber warum ein Ticket von A nach B um 9 Uhr 120 Euro kostet, um 12 mit der gleichen Zugart aber nur 99, wenn man es zum "Frühbucherpreis" vier Wochen vorher dann für 75 bekommt, und drei Tage vor der Abfahrt für sogar nur 65 - sorry, da komme ich mir verarscht vor. Genau so ist es mir nämlich auf der Fahrt nach Leipzig ergangen. Extra früh gebucht, eine Woche vor der Fahrt wäre das gleiche Ticket (gleicher Zug) aber plötzlich nochmal 30 Euro günstiger gewesen. Die Absicht, die Züge möglichst alle gleich voll zu quetschen, ist bekannt, bitte nicht darauf hinweisen...

Du meinst, für mehr Geld hätte ich auch mehr Leistung bekommen? Blödsinn, ob ich vier Sparpreise, vier Ländertickets oder vier hochpreisige Normalpreistickets erster Klasse hätte kaufen wollen, defekt bleibt defekt! In GB kostet die Bahn beispielsweise mehr als bei uns, und ich zahle da auch gern mehr, denn da BEKOMME ich mehr, vom aufpreisfreien persönlichen Verkauf über eine saubere Toilette und einen beheizten Warteraum am Bahnhof über das Catering in nahezu allen Zuggattungen bis hin zum freundlichen Personal im Zug, das für Fragen aller Art in fast allen Zügen bereit steht, und nicht zu vergessen, neuerdings auch wieder Bahnsteigsperren und rigorose Strafen für Schmarotzer, die auf meine Kosten mitreisen, hierzulande als "Schwarzfahrer" bezeichnet.

Und um auf den Anfang zurückzukommen - hätte das Terminal funktioniert, wäre es Okay gewesen, nicht mehr und nicht weniger als "Okay", weil ich auch hier vier mal von vorn hätte beginnen müssen. Schaltfläche "Weitere Karten kaufen"? Fehlanzeige, das Geldinstitut freut sich dann über vier mal Gebühr für "Bargeldlose Transaktion" - dann landen die künstlichen Nebenkosten eben bei der Sparkasse. Aber bei der Möchtegern-Privat-AG ist "hätte hätte" nun mal leider an der Tagesordnung. Hätte die Plastikbahn keine Türstörung gehabt, hätten Sie den Anschluß noch bekommen. Hätte die Klimaanlage funktioniert, wären Sie nicht kollabiert. Hätte es nie eine Privatisierungsorgie gegeben, wären heute vielleicht überzählige bayrische Fahrzeuge im Norden einsetzbar.

Und (da wir ja beim Thema bleiben sollen, und nicht links und rechts über den Fahrkartenteller gucken dürfen, obwohl das irgendwie ja alles zusammen gehört!) die Argumentation der Bahn, Schalter zu schließen, weil die meisten Tickets mittlerweile an Automaten oder im Netz gebucht würden, ist ja auch nur ein Hund, der sich in den Schwanz beißt. Wenn es kaum noch Schalter gibt, und die nur zu Zeiten geöffnet haben, an denen normal Berufstätige auf der Arbeit sind, dann ist das kein Wunder...

Aber das mit dem "Wechselgeld am Schalter ausgegangen" hast Du jetzt nicht wirklich ernst gemeint, oder? Da wird es jetzt doch ein wenig albern...und zum Passus "Ich dachte, nichts ist alternativlos..." - die Alternativen hattest Du in deinem ersten Beitrag doch selbst aufgezählt:
Erstens: Daheim bleiben. Richtig so, was haben auch die alten Leute vom Land (oder auch aus der Stadt) in der bunten modernen Plastikwelt verloren? Ist ja eh nur eine Frage der Zeit, bis diese onlineinkompatible Generation weg vom Fenster ist.

Zweitens: Mit dem Bus fahren...sehr schön - Du lebst im recht gut erschlossenen RMV, wenn ich das richtig sehe...eine "lustige" Alternative, die du da 95% der Landbevölkerung bietest. Sollen sie den Montags- oder lieber den Dienstagsbus nehmen?

Drittens: Schaltergebühr zahlen...wie man am ersten Satz im zweiten Absatz meines Ursprungsbeitrages lesen kann, unterstütze ich den personenbedienten Verkauf, wenn es denn noch irgendwo geht, aber es ist mir nicht (zwecks Bereicherung der Schlipsträger, wer anders hat da ja nichts von) bis zu 10 Euro (Also in richtigem Geld 19,56 DM - dafür bekam man zu DM-Zeiten eine Rückfahrkarte über 50 km) pro Fahrkarte wert. Nicht teurer sind ja nur Nicht-Sparangebote, obwohl der Arbeitsaufwand vermutlich der selbe ist. Denn mit meinem sauer verdienten Geld fördere ich nicht die ungerechtfertigte künstliche Verteuerung einer eigentlich selbstverständlichen Sache, dem Fahrkartenkauf. Ein Nachlöseaufschlag z.B. (Oder das heißt ja heute ganz modern "Bordpreis") ist da ganz etwas anderes...es ist nichts anderes, als den Rest der nervigen Kundschaft vom Schalter wegzuekeln. Sollen sie sich selbst vor den Automaten stellen oder an den PC setzen und sich selber ihr Ticket erstellen. Der Trick, für viel Geld Reisezentren mit 39 Schaltern zu bauen, aber immer nur drei zu besetzen, tut dann sein übriges. Der Kai äääh der Kunde ist genervt von der Schlange (Weil ja auch im Burnout- und Herzinfarkt-Zeitalter keiner mehr Zeit hat), und schlägt sich doch mit dem Onlinekram herum. Zumal Boulevardmagazine nicht müde werden, zu erzählen, daß ja der Typ am Schalter eh keine Ahnung von den Sonderangeboten hat. Kein Wunder, wenn der Wust an verschiedenen Angeboten so unübersichtlich, kleinstaaterisch und intransparent wird...

Ach ja, hätte ich doch fast viertens vergessen (Verzeiht mir die geänderte Reihenfolge): Auto fahren - ja, tue ich ja immer öfter. Leider...aber da liegt es in meiner eigenen Hand, mir die Unannehmlichkeiten durch Musik (oder eben auch Ruhe, wenn ich das will) oder individueller Klimatisierung und einem wirklich komfortablen Sitz so angenehm wie möglich zu gestalten. Allerdings...: Ich bin fast 43, verdiene halbwegs gut, und kann mir ein Auto leisten. Bei meinem kürzlich verstorbenen Nachbarn Willi (er wurde selige 84, aber das mit dem Autofahren hätte er die letzten 5 Jahre besser gelassen) und seiner Witwe sieht das etwas anders aus...auch eher typische "Nur Schalter, sonst nix"-Kundschaft. Aber wie gesagt, hat sich ja zum Glück in den nächsten paar Jahren von selbst erledigt...

Übrigens: Gibt man "7 Personen, nur Nahverkehr, Linz-Trier" auf der Internetseite der Bahn ein, bekommt man keineswegs zwei RLP-Tickets (€ 66,-) angeboten, neiiiiin, auf diese Möglichkeit wird nicht einmal hingewiesen, da kommt dann im sogenannten "Angebotsberater" die Option "Gruppe&Spar" ("Spar" - ich lach dann morgen, wenn's recht ist) für € 100,80! Wer nicht wie Du, Kai, der Du das ja lieber hast, versiert in Sachen Onlineauftritt ist, zahlt mal eben über 50% zu viel! Feine Sache, diese Selbstbedienungsbahn....abgesehen davon, daß man dann mit dem Länderticket auch in Trier noch den Stadtbus nutzen kann, die Fahrt unterbrechen oder - wie die besagten Damen - erst in Ehrang das Zimmer beziehen, und dann weiterzureisen.

Sorry, aber ich muß es sagen, typische Einstellung des modernen jungen Deutschen: "Es ist halt so, die Zeiten sind vorbei, friß oder stirb und (Mein Lieblingssatz) wir können es eh nicht ändern!" - Stimmt, wenn viele so denken, reicht das, um nichts mehr ändern zu können...die "panem et circenses"-Rechnung geht voll auf! Wenn die letzten alten, kritisch Denkenden dahingerafft oder in der Irrenanstalt weggeschlossen sind, kann die unumkehrbare globale Onlinewelt endlich weiter wachsen und gedeihen. Ob ich das noch erleben will?

Ich zitiere jetzt mal den großkotzigen Bahnschwätzer von der Südwestfunk-Geschichte, Achim Staus: "Ich hoffe, Ihnen einige Denkanstöße gegeben zu haben!"
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
Albert Einstein
"Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich...!"
Konrad Adenauer


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