Ausbesserungswerk Trier-West: Abriss der Lokrichthalle

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Mercator
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Ausbesserungswerk Trier-West: Abriss der Lokrichthalle

Beitrag von Mercator »

Der "Trierischer Volksfreund" berichtet am 06.02.2021 wie folgt:

"Bahnausbesserungswerk Trier-West: Die Lokrichthalle darf abgerissen werden

Trier-West. Die ehemalige Lokrichthalle des Bahnausbesserungswerks in Trier-West stand bislang unter Denkmalschutz. Jetzt darf sie abgerissen werden. Die Denkmalschutzbehörde hat dem neuen Investor die Genehmigung erteilt.

Es war das größte Baudenkmal in Trier. Nun wird die riesige ehemalige Lokrichthalle auf dem Gelände des Bahnausbesserungswerks abgerissen, zumindest der Großteil davon. Nach Angaben des Presseamts der Stadt hat die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde dem neuen Besitzer die denkmalschutzrechtliche Genehmigung zum Rückbau des Gebäudes erteilt. Das Gebäude ist seit Monaten wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt.
Überraschend kommt diese Entscheidung nicht. Denn ein von der luxemburgischen Investorengruppe von Antoine Feidt und seinen Partnern Steeve Simonetti und Maxime D’Hond in Auftrag gegebenes Gutachten hatte ergeben, dass sich die alte Lokrichthalle in einem desolaten Zustand befindet und nicht komplett erhalten werden kann. Dach und große Teile der Mauern sind derart kaputt, dass sie nicht mehr saniert werden können. Der Investor hatte daraufhin im Dezember 2020 einen Antrag auf denkmalschutzrechtliche Genehmigung zum Rückbau der Halle gestellt.

INFO - Chronologie des Ausbesserungswerks

In den 1950er Jahren arbeiten rund 1500 Menschen im Eisenbahn-Ausbesserungswerk in Trier-West.
1986 schließt die Bahn das Werk.
2003 kauft der Eifeler Bauunternehmer Erland Knaf das Areal.
Im Februar 2010 legt die Stadt einen Masterplan mit verbindlichen städtebaulichen Vorgaben vor.
2010 gründen Knaf und EGP die Grundstücksgesellschaft Trier-West. Ziel: Das Gesamtareal innerhalb von acht Jahren entwickeln.
Im Dezember 2018 werden die Verträge neu aufgelegt.

Im September 2020 übernehmen der Unternehmer Antoine Feidt und seine Partner mit der TW Projekt Bau und Management GmbH das Areal.
Nach Rücksprache mit der Landesdenkmalpflege ist diesem Antrag jetzt stattgegeben worden. Um Gefahrensituationen zu vermeiden, müssen die Rückbauarbeiten nach Angaben des städtischen Presseamts umgehend erfolgen und können bereits am 8. Februar beginnen.
Antoine Feidt und seine Partner hatten das Gelände im vergangenen Jahr erworben, um dort bis zu 700 Eigentums- und Mietwohnungen zu errichten. Im bislang einzigen Pressegespräch zu dem Projekt hatte er betont, zumindest einen Teil der 12.000 Quadratmeter großen Halle erhalten zu wollen. Vor allem die Giebelwände könnten demnach gerettet werden. Beim ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerk Trier handelt es sich um ein geschütztes Kulturdenkmal. Es darf nach dem Denkmalschutzgesetz nur mit einer Genehmigung abgerissen werden.
„Es ist bedauerlich, dass dieses markante Denkmal der Industriegeschichte Triers nicht in Gänze erhalten werden kann“, sagte Baudezernent Andreas Ludwig, „sehr viele Trierer haben hier bis in die 80er Jahre gearbeitet und Lokomotiven und Waggons aus dem ganzen Land in Schuss gehalten, das Werk hat damals das Leben in Trier-West geprägt.“ Allerdings habe die fachtechnische Untersuchung ergeben, dass Teile des Daches und der Mauern stark einsturzgefährdet seien. Aus denkmalpflegerischer Sicht sei die Halle damit in großen Teilen in einem irreparablen Zustand.
„Das Gutachten führt aus, dass die großen Schäden an der Halle auf konstruktive Mängel, die Verwendung minderwertigen Materials, schwere Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg, anschließende fehlerhafte Reparaturen aber vor allem auf mangelnden Bauunterhalt und Witterungseinflüsse zurückzuführen sind“, erklärte der Baudezernent.

Ludwig betonte, dass der Investor zugesagt habe, so viel wie möglich der originalen Bausubstanz zu erhalten. „Dem Antrag zufolge ist geplant, die beiden Giebelwände zu erhalten, die östliche Traufwand wird entsprechend dem Schädigungsgrad zurückgebaut.“ Auch Teile der ehemaligen Kranbahn sollen in einen Neubau integriert werden.

Die Erlaubnis zum Abriss gilt allerdings nicht als Generalerlaubnis. Zu den denkmalschutzrechtlichen Auflagen der Genehmigung gehöre, dass der Investor den unter der Halle liegenden Luftschutzkeller und eine Splitterschutzzelle auf dem Gelände erhalten müsse, bestätigt das Presseamt. Bodeneingriffe in Kelleranlagen und Fundamente bedürfen demnach einer gesonderten denkmalschutzrechtlichen Genehmigung. Sollten bei den Abbrucharbeiten weitere historische Bauteile oder Funde entdeckt werden, muss also die Untere Denkmalschutzbehörde bei der Stadt umgehend darüber informiert werden."


Mein Kommentar: Es kommt so, wie es kommen musste: Die über 100jährige Industriebrache wurde Jahrzehnte lang sich selbst überlassen und zerfiel langsam aber sicher. Selbst als Lost Place bietet es mittlerweile zu wenig Authentisches. Es hatte zuletzt eher den Charakter einer Baustelle / Schrottplatz / Müllhalde. Wenn überhaupt, können nun, nachdem 35 Jahre nichts gemacht wurde, wohl kaum mehr als Fragmente "gerettet" werden. Aber genau das wird, wie so oft, schließlich damit bezweckt. Noch steht die alte Halle mit Anbauten und ist kaum im Stande, sich selbst zu tragen. Die Tage sind aber jetzt leider gezählt...
hochwald
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Re: Ausbesserungswerk Trier-West: Abriss der Lokrichthalle

Beitrag von hochwald »

Jupp, das war wohl unvermeidlich (einfach auch zu groß), schön dass die Gebrüder Kreckler dem AW mit ihrem Buch ein kleines Denkmal gesetzt haben. Wenn man den Niedergang der Eisenbahn in Trier und Umgebung über 40 Jahre verfolgt hat (die letzten 25 davon aus der Ferne) dann spiegeln sich da alle negativen Trends die auch sonst Land auf, Land ab in der Eisenbahn-Peripherie zu sehen sind bis hin zu den Lärm-Nörglern rund um die Weststrecke. Klar immerhin, die Weststrecke, das Regio Werk, der Hafen, es bleiben ein paar Anziehungspunkte. Ich hatte so 1990 mal ean einem Verkehrskonzept für die Region mitgewerkelt, klar die Frequenz der Züge hat sich gar erhöht (Komfort wage ich zu bezweifeln, gut niedrige Einstiegshöhen, teils neue Bst.) :D
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Mercator
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Re: Ausbesserungswerk Trier-West: Abriss der Lokrichthalle

Beitrag von Mercator »

Hab heute mal nachgeschaut, der erwartete Sofortangriff durch die Abrissbirne ist noch nicht erfolgt, dürfte aber nur noch eine Frage von Tagen oder Stunden sein. Viele Nebengebäude sind ja schon länger platt. Der Zahn der Zeit hat alles stark angeknabbert ...
eta176
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Re: Ausbesserungswerk Trier-West: Abriss der Lokrichthalle

Beitrag von eta176 »

Ein paar Ergänzungen zum Thema:

Meldung des SWR vom 5.2.2021, 16:00 Uhr
Abriss der Lokrichthalle in Trier
Denkmalgeschütztes Bahnwerk wird platt gemacht
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland ... l-100.html

Den weitgehend identischen Beitrag gibt es schon seit 10.9.2020, 9:06 Uhr
Bis zu 700 neue Wohnungen
Investor für marodes Trierer Bahnausbesserungswerk
(mit 45 Sek-Video - auch aus dem Inneren der Halle - und schriftlichen Einblendungen)
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland ... r-100.html

Offener Brief zum Abriss der Lokrichthalle Trier-West
In einem offenen Brief wenden sich mehrere renommierte Architekten und ihre Verbände gegen den bevorstehenden
Abriss der alten Lokrichthalle in Trier-West.


„Die denkmalgeschützte Lokrichthalle des Bahnausbesserungswerks in Trier West ist schon durch ihre Größe kein ein-
faches Gebäude für die Umnutzung. Dass es aber über Jahrzehnte bewusst dem stetigen Verfall preisgegeben wurde
und jetzt ein Deal mit einem Investor gemacht wurde, der die Halle trotz (ehemaligem) Schutzstatus bis auf zwei
Alibi-Giebelwände abreißen darf, hat auch bei nüchterner Betrachtung ein Geschmäckle, das dem Verhältnis von Bür-
gern und Verwaltung nicht guttut.
Da ist erst einmal der Denkmalschutz: Wer schon einmal ein denkmalgeschütztes Haus renoviert hat weiß, dass es
keine Lappalie ist, sondern in der Regel Nerven und noch mehr Geld kostet. Aber zurecht, geht es doch hierbei um
den Erhalt von Kulturgütern. Deshalb ist es völlig unverständlich, wie wenig Kulturverständnis Trier gerade bei die-
sem außergewöhnlichen Gebäude zeigt. Seit Jahren wird nach einer angemessenen Lösung gesucht, und es ist zu
vermuten, dass bei dieser Suche bewusst auf Zeit gespielt wurde, damit die Substanz so leidet, dass am Ende nur
noch eine Option übrigbleibt - der jetzt beschlossene Abriss. Den Denkmalschutz über ein bautechnisches Gutachten
auszuhebeln verspricht jedenfalls wenig Bewusstsein und Wertschätzung für die Identität eines von Generationen
geprägten und prägenden Ortes.
Berufsverbände und Non-Profit-Organisationen haben in Zeiten des Klimawandels mittlerweile erkannt, dass der Bau-
sektor beim bisher extrem energie- und materialintensiven Errichten und Betreiben von Gebäuden einen maßgeblichen
Beitrag leisten muss, um die Umweltbelastungen unserer verbrauchsorientierten Wirtschaftsweise reduzieren zu kön-
nen. Mit seinem Manifest „DAS HAUS DER ERDE“ von 2019 verbindet der Bund Deutscher Architektinnen und Architek-
ten die politische Forderung, das Bauen vermehrt ohne Neubau auskommen muss: „Priorität kommt dem Erhalt und
dem materiellen wie konstruktiven Weiterbauen des Bestehenden zu und nicht dessen leichtfertigem Abriss. Die
„graue Energie“, die vom Material über den Transport bis zur Konstruktion in Bestandsgebäuden steckt, wird ein
wichtiger Maßstab zur energetischen Bewertung sowohl im Planungsprozess als auch in den gesetzlichen Regularien.
Wir brauchen eine neue Kultur des Pflegens und Reparierens.“
„Achtung des Bestands“ ist der Aufruf zu einer reduktiven Strategie in der Architektur, das Bauen nach dem Wachs-
tum nicht Verzicht bedeutet, sondern zum Testfeld für nachhaltige Wohn- und Arbeitsformen werden muss. Da war
die Idee innerhalb des im April 2014 im Trierer Stadtrat als Satzung beschlossenen Bebauungsplans BW 61-1 ein
Sondergebiet „Leben im Denkmal“ für die Lokrichthalle auszuweisen der richtige Ansatz. Allein beim Einsatz für die
Umsetzung dieser Idee reicht es nicht aus sich als Kommune nur in eine abwartende Haltung zu begeben und auf den
„gütigen“ Investor für „die Kathedrale der Industriebaukultur“ zu warten. Beispiele wie die bereits vor 20 Jahren
umgenutzte LOKHALLE in Göttingen, die Alte Dreherei in Mülheim-Speldorf oder die Lokhalle Grünhof in Freiburg
zeigen auf wie mit kreativer Herangehensweise und finanzieller Unterstützung der Denkmalpflege Baudenkmale
auch dieser Dimension als Identitätsstiftende Zeitzeugen erhalten werden können.
Der Abriss ignoriert Ressourcen und vernichtet Energie, der Abriß ist eine große Geld- und Ressourcenverschwendung.

Falls in Trier doch ein Abriss vollzogen werden muß, so sind die Baustoffe, d.h. Klinker, Stahlträger etc. sinnvoll
wieder zu verwenden. Der bloße Erhalt der Giebelwände ist peinlich und für so ein Gebäude würdelos. Die Halle hat
Grabplatten dieser Art nicht verdient. Was aus solchen Ideen wird, ist an der Ostallee, Alleencenter zu bestaunen,
eines der misslungensten Gebäude der Innenstadt.
Es ist ja nicht so, dass wir seit Jahren ratlos vor diesem besonderen Gebäude stehen und nicht wissen, was wir da-
mit in seinem zweiten Leben - welches es jetzt nicht haben wird - anfangen sollen. Im Laufe der letzten Jahre sind
viele schöne Ideen und Konzepte entstanden, an denen auch unter anderen der Fachbereich Architektur der Hoch-
schule Trier beteiligt war. Die Studierenden lernen sensibel, mit gewachsener Baukultur als hohes gesellschaftliches
Gut umzugehen. Die Unterzeichner bezweifeln wirklich, ob die Stadtverwaltung als untere Denkmalschutzbehörde sich
ihres Tuns bewusst ist. Wir können und werden nicht akzeptieren, dass der Abriss jetzt als „alternativlos“ dargestellt
wird.
Einer der Autoren ist Prof. Dr.-Ing. Architekt Matthias Sieveke von der Hochschule Trier (Professur für Konstruktion und
Gebäudetechnologie, Dekan des Fachbereiches Gestaltung)


Als komprimierte Meldung hat dies jetzt auch der SWR am 23.02.2021 veröffentlicht:
Architekten kritisieren Abriss der Lokrichthalle in Trier
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland ... s-100.html
----------------------------------------------------
Eintragung in der Datenbank der Kulturgüter Region Trier (Stand 2011):
:arrow: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=23588
-----------------------------------------------------
Zur Erinnerung:
Anfang 2014 stellten Studierende der Hochschule Trier unter Leitung von Prof. Matthias Sieveke ein Dutzend ausge-
wählter Entwürfe in Form von Zeichnungen und Modellen vor. Sie zeigten die Möglichkeiten im Umgang mit dem kul-
turellen Erbe des Industriebaus und dessen zeitgemäße Nutzung.
Das dürfte aber kaum jemand mitbekommen haben, denn die Ausstellung war nur vom 21.2. bis 6.3.2014 (täglich von
16:00-19:00 Uhr im Posthof, Fleischstr. 57, Trier zu sehen :roll:
Ausstellung "Revitalisierung der Lokrichthalle in Trier"
https://www.trier.de/bauen-wohnen/archi ... -in-trier/
.
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Mercator
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Re: Ausbesserungswerk Trier-West: Abriss der Lokrichthalle

Beitrag von Mercator »

Also ehrlich, was soll man da noch erhalten wollen? Da hätte man vor Jahrzehnten ansetzen müssen. Jetzt ist es definitiv zu spät. Und ein paar Sandsteingiebelfragmente in einem postmodernen Neubauwohnsilo - nä, muss nicht sein, was soll das eigentlich (siehe Laeis-Arkanden im Alleencenter - ein Witz) ...
hochwald
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Re: Ausbesserungswerk Trier-West: Abriss der Lokrichthalle

Beitrag von hochwald »

Naja, natürlich ist es richtig zumindest nochmal eine Träne zu verdrücken, das Gebäude ist ja nicht irgendeine AW Halle "gewesen" sondern mit Baujahr 1911, die erste topmoderne, Quasi stammt das "Laufband mit Werkschritten" der modernen Automobilindustrie von Ihr ab. Natürlich hat sich Spiro die Ideen aus einer Amerikareise abgeholt, aber in Deutschland war das Konzept absolut innovativ und wurde seitdem auf andere AW's ab den 20ern auch durch die Automobilindustrie genutzt.

Hier mal paar Bilder was man aus so einer Substanz machen könnte, die Schlachthofhallen in Wien St. Marx, ist natürlich ne andere Stadt und es müsste ja auch nicht so glamurös sein https://www.google.at/maps/uv?pb=!1s0x4 ... EnoECBsQAw
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Mercator
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Re: Ausbesserungswerk Trier-West: Abriss der Lokrichthalle

Beitrag von Mercator »

Keine Frage, das Gebäude an sich war, selbst nach erheblicher Kriegszerstörung und Wiederaufbau, allein von der Größe her etwas besonderes. Und es ist ja Programm, das so lange gewartet wird, bis sich die Substanz selbst zersetzt hat. Steter Tropfen höhlt den Stein - und dass obwohl es seit Ende April 1986 plötzlich keinen sauren Regen mehr gab bzw. gibt :wink: Apropos: Ich habe zu dieser Zeit in der "noblen" Nachbarschaft, einem E-Werk mit den 3 Buchstaben, meine Lehre gemacht und ab und an über den Zaun geschaut, was sich da noch im Aw so tat... Lang ist's her.
eta176
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Umnutzungen von AW-Richthallen und Schlachthof ...

Beitrag von eta176 »

Danke für den Link nach Wien!

Aus den Richthallen des ehem. AW Limburg (entstanden aus der Nass. Eisenbahn-Werkstätte von 1862)
hat man nach der Aufgabe der schweren Instandsetzung durch die DB das Einkaufszentrum "WERKStadt"
umgestaltet
Ein paar Eindrücke:
https://www.google.de/maps/place/WERKSt ... 33!5m1!1e4
__________________________________________

Das ehem. Güterwagen-Ausbesserungswerk Hamburg-Harburg
Wo heute im Hamburger Stadtteil Harburg denkmalgeschützte Bausubstanz nach einem Jahrzehnt Leerstand
einer neuen Nutzung zugeführt wird, wurde über mehr als ein Jahrhundert das rollende Material der Eisenbahn
instandgehalten und repariert. Dem Ausbesserungswerk der Bahn war ein mehr als hundertjähriges Leben be-
schieden, ehe es gegen den Protest der Belegschaft 1995 geschlossen wurde und in einen zehnjährigen Dorn-
röschenschlaf fiel. Die Wiederbelebung der alten Gebäudesubstanz in Form eines modernen Baumarktes soll
das Areal in seiner Gesamtheit aufwerten und eine Initialzündung für eine sinnvolle Nutzung der umliegenden
Brachflächen sein. (Text aus der nachfolgenden PM des Farbenherstellers Caparol)
https://www.pressebox.de/pressemitteilu ... xid/172384
__________________________________________

Aus dem ehemaligen Schlachthof der Stadt Regensburg mit seinen historischen Gewölben (Stallungen) und
den Zollinger-Lamellendächern wurde das Tagungs- und Kongresszentrum "MARINAFORUM":
Historie: https://marinaforum.de/marinaforum/historie/
360°-Ansichten heute: https://marinaforum.de/marinaforum/360-ansicht/
[Empfehlung: Ansicht vom "Foyer" und dann die Ansicht zur Decke - senkrecht nach oben]

Viel Spaß beim virtuellen Bummeln :D
.
Carsten Frank
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Re: Ausbesserungswerk Trier-West: Abriss der Lokrichthalle

Beitrag von Carsten Frank »

Hallo,

zu den positiven Beispielen einer gelungenen Nachnutzung vorhandener AW-Hallen gehört auch das AW Lingen, siehe auch das Video auf der folgenden Seite:

https://www.hs-osnabrueck.de/studium/st ... en/#c26702

Dort hat man in die große unveränderte Richthalle Gebäude für die einzelnen Fakultäten gesetzt.
Sieht nicht nur toll aus sondern macht das ganze mit den dazwischen liegenden Freiflächen im Kranfeld zu was wetterunabhängigem und besonderem.

Der nördlich davon liegende Komplex Halle IV ist ebenfalls saniert und beherbergt Radio, Kultur,...
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Mercator
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2 Presseartikel: 1. Abriss hat begonnen, 2. Abriss gestoppt

Beitrag von Mercator »

Anbei 2 Pressetexte des TV, die nur 2 Tage voneinander "entfernt" sind: Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Diesmal war's ne Fledermaus ...

Lokrichthalle Trier – der Abriss hat begonnen - TV vom 02.03.2021

Trier-West Die Tage des bis vor kurzem größten Industriedenkmals von Trier sind gezählt. Auf dem Gelände sollen bis zu 700 Wohnungen entstehen.
Sie war mit einer Grundfläche von 170 mal 73 Metern das größte Baudenkmal in Trier. Nun ist die ehemalige Lokrichthalle in Trier-West die größte Abriss-Baustelle der Region. Vor einigen Tagen sind die schweren Baufahrzeuge auf das Gelände gebracht worden, die dazu notwendig sind. Die Vorbereitungen für die komplizierte Demontage des Dachs und der meisten Mauern haben nun begonnen. Zunächst stehen Baggerarbeiten an.
Was genau den Baggerschaufeln zum Opfer fallen wird, ist noch nicht klar. Der Luxemburger Unternehmer Antoine Feidt und seine Partner Steeve Simonetti und Maxime D’Hond zeigen sich weiterhin öffentlichkeitsscheu. Sie hatten im Herbst 2020 das riesige Gelände des ehemaligen Bahnausbesserungswerks und die dazugehörigen Hallen von dem Eifeler Geschäftsmann Erland Knaf gekauft und planen den Bau von bis zu 700 Wohnungen. So ist es in dem gültigen Bebauungsplan festgelegt, der „Leben am Denkmal“ als Gestaltungsmerkmal vorgibt. Bis zu 58 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche sieht der für Wohnungsbau in der Kubatur der 12 200 Quadratmeter großen Lokrichthalle vor. Das könnten bis zu 300 Wohnungen sein.

INFO

Chronologie des Ausbesserungswerks

In den 1950er Jahren arbeiten rund 1500 Menschen im Eisenbahn-Ausbesserungswerk in Trier-West.
1986 schließt die Bahn das Werk.
2003 kauft der Eifeler Bauunternehmer Erland Knaf das Areal.
Im Februar 2010 legt die Stadt einen Masterplan mit verbindlichen städtebaulichen Vorgaben vor.
2010 gründen Knaf und EGP die Grundstücksgesellschaft Trier-West. Ziel: das Gesamtareal innerhalb von acht Jahren entwickeln.
Im Dezember 2018 werden die Verträge neu aufgelegt.
Im September 2020 übernehmen der Unternehmer Antoine Feidt und seine Partner mit der TW Projekt Bau und Management GmbH das Areal.

Am 6. Februar 2021 stimmt die Untere Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Trier dem Abriss-Antrag der Investoren zu. Im März 2021 beginnt der Rückbau der Halle. Die letzte kleinere Halle hatte Feidt sehr schnell nach der Eigentumsübertragung abreißen lassen. Sie war akut einsturzgefährdet. Wie sich wenige Wochen später herausgestellt hat, trifft das auch für die große Halle zu, die seitdem wegen Lebensgefahr nicht mehr betreten werden darf. Seit 8. Februar ist der Denkmalschutzstatus aufgehoben. Lediglich die Keller und ein kleiner Splitterschutzbunker auf dem Außengelände dürfen nicht ohne vorherige Erlaubnis der Denkmalpflegebehörde beseitigt werden.
„Wir wollen in jedem Fall so viel wie möglich vom Originalbauwerk erhalten“, versprach Antoine Feidt Ende November bei seinem bislang einzigen öffentlichen Auftritt auf dem Gelände. Mitte März, so heißt es, will er den Masterplan für die Entwicklung des Geländes vorlegen.

Dass er dabei auf die massive Bebauung im Bereich Lokrichthalle verzichten wird, ist unwahrscheinlich. Als sicher gilt, dass die Giebelwände und zumindest Teile der Außenmauern erhalten oder abgebaut und als vorgesetztes Mauerwerk wieder errichtet werden.
Genau diese „Kulissenarchitektur“ ist dem Bund deutscher Architekten (BDA), Landesverband Rheinland-Pfalz, dem Trier Forum und führenden Architektur-Professoren der Hochschule Trier ein Dorn im Auge. Das geschieht auch vor dem Hintergrund, dass sich der Fachbereich Architektur vor einigen Jahren intensiv mit einer möglichen Nutzung der Halle befasst hat. In einem offenen Brief haben sie nun das Vorgehen von Stadt und Investor scharf kritisiert (der TV berichtete).
Baudezernent Andreas Ludwig wehrt sich gegen die Kritik. „Ich habe seit meinem ersten Tag in Trier dafür gekämpft, den Verfall der Lokrichthalle zu stoppen.“ Ein vom neuen Investor in Auftrag gegebenes seriöses Gutachten dokumentiere den miserablen Zustand des Gebäudes.

Demnach befindet sich die alte Lokrichthalle in einem so desolaten Zustand, dass sie nicht erhalten werden kann. Dach und große Teile der Mauern können nicht mehr saniert werden. Der Investor hatte mit Verweis auf diese Erkenntnisse im Dezember 2020 erfolgreich den Antrag auf denkmalschutzrechtliche Genehmigung zum Rück¬bau der Halle gestellt. Es ist nach 34 Jahren des Leerstandes ein destruktives Großprojekt, das in den kommenden Wochen realisiert wird.


Fledermäuse in der Trierer Lokrichthalle? – Neues Kapitel für die Geschichte des ehemaligen Baudenkmals - TV vom 04.03.2021

Trier. Die Abrissarbeiten an dem riesigen Gebäude verzögern sich. Schuld daran sind geschützte Tiere, die dort vermutet werden. Baudezernent Ludwig reagiert derweil auf Kritik am Vorgehen der Stadt.

Das Bahnausbesserungswerk war über Jahrzehnte der wichtigste Arbeitgeber für Trier-West, Euren und Zewen. Es sei von den Arbeitern liebevoll „de Bud“ genannt worden, erinnert sich Hans-Willi Triesch. Im Familienalbum seiner Eltern hat das ehemalige Stadtratsmitglied historische Fotos gefunden und dem Trierischen Volksfreund zur Verfügung gestellt. „Diese Arbeiter würden sich alle im Grab rumdrehen“, ist er überzeugt, angesichts des Verfalls auf dem Gelände in den vergangenen mehr als 30 Jahren. „Der schleichende Niedergang hätte viele an ihre psychischen Grenzen gebracht.“

Sicher ist inzwischen, dass große Teile der Halle aus Sicherheitsgründen demontiert und abgerissen werden müssen. Wann damit begonnen wird, ist noch nicht genau klar. „Derzeit laufen Untersuchungen mit Blick auf den Naturschutz“, sagt Investor Antoine Faith im Gespräch mit der TV-Redaktion. „Wir wissen noch nicht, wann die abgeschlossen sein werden und wir beginnen können.“

INFO

Ein Blick in die Geschichte

Das Ausbesserungswerk (AW) Trier wurde am 1. Juli 1911 als Hauptwerkstätte der Preußischen Staatseisenbahnen eröffnet und übernahm die Lokabteilung der Hauptwerkstätte Karthaus. Die Hauptwerkstätte Karthaus war 1880 gegründet worden, wurde aber 1924 eine Werkabteilung des AW Trier und 1956 geschlossen. 1911 hatte das AW Trier 400 Beschäftigte. Die größte Mitarbeiterzahl im Jahr 1948 betrug 1478. Aus dieser Zeit stammen unsere historischen Aufnahmen aus dem Familienalbum von Hans und Leni Triesch.

Mit der Planung und Errichtung des Werkes wurde Ernst Spiro beauftragt, der es als Direktor bis 1920 auch leitete. 1912 war Spiro Mitbegründer der werkseigenen Wohnungsbaugenossenschaft und deren Vorstandsvorsitzender. Diese errichtete bis in die zwanziger Jahre 124 Häuser mit 234 Wohnungen. Die Trierer Spirostraße unweit des Werks erinnert an diese Persönlichkeit. Seit 1986 steht das Werk leer. Die Direktorenvilla und zwei weitere Gebäude wurden 2008 als Wohngebäude renoviert.⇥Quelle: Wikipedia

Es geht um mögliche Fledermaus-Populationen in den nach wie vor unter Denkmalschutz stehenden Kellern der Lokrichthalle. Den Hinweis darauf hat der Naturschutzbund (Nabu) Region Trier an die untere Naturschutzbehörde gegeben. Das bestätigt Nabu-Vorsitzender Manfred Weishaar. „Es gibt vergleichbare Keller mit sehr großen Populationen“, sagt der Fledermaus-Experte. Was nun weiter geschehe, wisse er aber nicht.
Investor Faith stellt klar, dass die aktuellen Tiefbauarbeiten vor der Halle nichts mit dem Abriss zu tun haben. „Da geht es um den Vorausbau der geplanten Straße.“ Gleichzeitig kündigt er den Bau einer LKW-Waschanlage auf dem Gelände an, „damit die Baufahrzeuge später keinen Dreck auf die Straße bringen“.

Faith bleibt bei seiner Aussage, er wolle möglichst viel von der Lokrichthalle erhalten. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil er im Rahmen des existierenden Bebauungsplans bleiben will, der bis zu 700 Wohneinheiten erlaubt. Entscheidend für diese große Zahl ist eine kleinteilige Bebauung innerhalb der Kubatur der 170 mal 73 Meter großen Halle.

Wie der Masterplan für die Entwicklung des Geländes konkret aussieht, liegt der Stadtverwaltung seit kurzem vor und soll in Kürze in den zuständigen Gremien beraten werden. Das geht aus einem offenen Brief von Baudezernent Andreas Ludwig hervor, mit dem dieser auf die massive Kritik renommierter Architekten und des Trier Forums reagiert. „Die Leitidee sieht vor, dass die Umfassungsmauern so weit wie möglich erhalten bleiben, wo möglich rekonstruiert werden und auch eine Kranbahn in die Planfigur integriert wird“, so Ludwig.

Auf die heftigen verbalen Angriffe der Kritiker reagiert er deutlich: „An keiner Stelle wurde, wie sie formulieren, ‚gedealt‘.“ Unmittelbar nach dem Kauf habe der neue Investor entsprechend seiner Verpflichtungen aus dem städtebaulichen Vertrag – abgestimmt mit den zuständigen Fachbehörden – ein „sehr renommiertes Büro“ mit der Erstellung eines Gutachtens zur Bestandsuntersuchung der Lokrichthalle unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten und damit verbundenen Bausubstanz beauftragt. Das Ergebnis sei im Bauausschuss, im Denkmalpflegebeirat und im Ortsbeirat Trier-West vorgestellt worden. „Das Ergebnis der Untersuchungen ist leider sehr eindeutig. Ein Erhalt der Halle ist in dieser Form nicht möglich. Die Zerstörungen sind zu stark. An zahlreichen Stellen besteht akuter Handlungsbedarf, es besteht an mehreren Stellen sogar Lebensgefahr. Weder der Eigentümer, noch die Stadtverwaltung mit Denkmalbehörde und Bauaufsicht können die Risiken, die von der Konstruktion ausgehen, verantworten.“
Ludwig moniert das Vorgehen der Kritiker und lädt sie – „wenn Sie möchten“ – zu einem Erörterungstermin über das Gutachten ein. „Wir hätten uns sehr gewünscht, Sie hätten sich schon früher an uns gewandt, sodass Sie auf Fakten basierend hätten argumentieren können.“
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