Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

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Dieselpower
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Dieselpower » Di 22. Sep 2015, 17:43

Was soll denn da wieder dieser "Wir machen den Test!"-Schwachsinn unter der Prämisse "sind Halbschranken gefährlicher als Vollschranken?". Ein Haufen ahnungsloser Reporter wird wieder einmal völlig isoliert betrachtete Äpfel mit ebenso isoliert betrachteten Birnen vergleichen. Wie immer im Zwangsgebührenfernsehen, das sich mittlerweile vom Niveau und von der Werbehäufigkeit her von den privaten Sendern kaum noch unterscheidet...Schließlich kommt auch keiner auf die Idee zu "testen", ob Kartoffeln besser als Nudeln schmecken.

Es gibt Richtlinien, nach denen entschieden wird, ob Halb- oder Vollschranken. Das wird nicht aus Gutdünken entschieden. Wärterbediente Vollschranken wären die am wenigsten gefährlichen, aber auch nicht absolut sicheren Überwege. Aber erstens ist das nicht passend zur "modernen" Hightechbahn von Heute, und zweitens gab es auch auf solchen Überwegen Unglücke. Es bleibt an der Schrankenkurbel wie am Lenkrad immer noch das Restrisiko "Mensch".
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Horst Heinrich
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Di 22. Sep 2015, 18:54

Noch etwas zur Ehrenrettung des SWR.
Wie mir ein Redakteur mal erklärte, geht es selbst bei sensiblen Themen nur darum, feigenblatt-mäßig mal "nachzulegen" nach dem Motto: "Wir haben uns der Sache ebenfalls angenommen..." aber für eine ordentliche Recherche bleibt ja keine Zeit und auch die Durchdringung der Materie gelingt bekanntermaßen kaum: "Der Zugführer versuchte noch, durch die Notbremse den Zusammenstoß zu verhindern..."-wir kennen das ja.

Andererseits hätten Vollschranken -ob wärter-, zug- oder Fdl-bedient- zumindest in diesem Fall das Unglück verhindert, dann wäre nämlich der Gedanke, die Schranken zu umfahren, gar nicht erst aufgekommen.

Und Vollschranken wurden über all die Jahre hier immer wieder gefordert, weil das Umfahren (oder Umgehen) der Schranken an diesem BÜ zum Volkssport geworden ist - eine zusätzliche Tragik: "Hätte man bloß rechtzeitig..."
Eine kaum erträgliche Gefühlsunruhe für die Angehörigen.

Leider leben wir aber in einer Zeit, die auch dieses tragische Geschehen recht bald verblassen läßt.
Schon vor 200 Jahren faßte unser Altmeister Goethe zusammen:
Und schnell und unbegreiflich schnelle
Dreht sich umher der Erde Pracht;
Es wechselt Paradieseshelle
Mit tiefer, schauervoller Nacht;
Es schäumt das Meer in breiten Flüssen
Am tiefen Grund der Felsen auf,
Und Fels und Meer wird fortgerissen
In ewig schnellem Sphärenlauf.

Und Stürme brausen um die Wette,
Vom Meer aufs Land, vom Land aufs Meer,
Und bilden wütend eine Kette
Der tiefsten Wirkung rings umher.


Die Jetzt-Zeit ist da knapper und hat eine sehr griffige Formel für den Tag danach:
Business as usual

Hoffentlich war diese Wortgewaltigkeit jetzt nicht zu gewaltig, aber es gibt ja auch Forianer, die hier "mitziehen".
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Bernd Heinrichsmeyer » Mi 23. Sep 2015, 08:06

Vollschranken bieten den großen Nachteil, dass die Räumung des Bahnübergangs nicht mehr möglich ist, wenn diese sich gesenkt haben. Also muss die Räumung des BÜ durch Radar oder durch Kameraüberwachung durch einen Fdl erfolgen. Aus diesem Grund sind Halbschranken einfacher zu handhaben und wenn sich Verkehrsteilnehmer annähernd vernunftbegabt Verhalten würden, gäbe es keine Diskussion. Da ist ne rot-weiße Sperre über die Straße, die Ampel ist rot, da steht ein Andreaskreuz - also ist da eine Gefahrstelle und ich warte. Fertig. Es nervt mich echt, dass man den Menschen inzwischen das Hirn aufs Klo nachtragen soll oder muss ... .
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon TroubadixRhenus » Mi 23. Sep 2015, 09:06

Meinem Vorredner schliesse ich mich voll und ganz an, sofern eindeutig und vorsätzlich (!) derartig gravierende Verkehrsverstösse wie das Umfahren von geschlossenen Halbschranken begangen werden. Aber, auch wenn die Umstände alle so schön in unsere stereotypen Vorstellungen zu passen scheinen: Hat der Lokführer nicht gesagt, dass der Wagen auf den Schienen STAND? Dann sähe das alles ganz anders aus, wenn etwa das Auto schlicht auf den Schienen liegen geblieben wäre. Weitere Zeugen gibt es ja anscheinend nicht.

Tragisch ist allerdings zumindest: es ist nur einer gefahren, aber fünf sind gestorben!


Thomas
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 23. Sep 2015, 10:49

TroubadixRhenus hat geschrieben: Hat der Lokführer nicht gesagt, dass der Wagen auf den Schienen STAND? Dann sähe das alles ganz anders aus, wenn etwa das Auto schlicht auf den Schienen liegen geblieben wäre. Weitere Zeugen gibt es ja anscheinend nicht.

Gelbes Lichtzeichen - rotes Lichtzeichen - Senken der Schranken - Freigabe der Fahrstraße über den Stelltisch - Umspringen des Hp - diese Zeit reicht normalerweise aus, um noch schnell den Übergang zu räumen, wenn man vielleicht noch bei "orange" eingefahren ist, oder aber um das liegengebliebene Auto zu verlassen um sich in Sicherheit zu bringen.

Daß das in einer solchen Notsituation nicht geklappt hat, auch das spricht für sich bzw. gegen die Verkehrstüchtigkeit der Insassen. Aber ich erwähnte es ja bereits, die Kreuznacher Staatsanwaltschaft macht hier mit Bedacht sehr vielsagend "keine weiteren Ausführungen" - wer will schon in der Zeitung lesen, daß der eigene Sohn, Enkel, Neffe etc. durch abenteuerliche Selbstüberschätzung vier Menschen mit in den Tod genommen hat?

Ich persönlich halte übrigens Vollschranken an dieser Stelle trotz der betrieblichen Nachteile für angebracht, denn es vergeht fast keine Zugfahrt, wo nicht wenigstens ein Fußgänger noch in Versuchung geführt wird, hier mal schnell durchzulaufen, ein Problem sind auch jugendliche Kamikazerollerfahrer, die oft so unter Adrenalin stehen, daß ihnen an der gesenkten Schranke regelmäßig "die Gäule durchgehen", vor allem wenn sie nach Einfahrt des einen Zuges noch den Gegenzug abwarten sollen.

Zwischen Türkismühle und Bad Kreuznach hat man an einigen BÜ's die Vollschranken aus Sicherheitsgründen belassen, warum nicht in Monzingen?
Das fragen sich viele Leute seit Jahren, denn es gab hier ja allein in den letzten drei Jahren zwei weitere tödliche Unfälle.

Die Antwort liefert u.a. die verzwackte Situation, die sich aus den Zufahrten zum Gewerbegebiet und der durch Ampel geregelten Kreuzung mit der B 41 ergibt. Oft stehen z.B. Sattelzüge an der B 41-Ampel und warten auf Grün Richtung Bad Kreuznach bzw. Kirn. Während des Wartens -wobei hier oft der Auflieger über die Haltelinie des BÜ reicht- kündigt sich der Schließvorgang der Schranken an. Die Fahrer geraten hier oft in Panik, setzen etwas gegenüber dem Vordermann in den BÜ zurück um dann an ihm vorbei auf die Gegenfahrbahn vorzuziehen, damit wenigstens der Übergang frei wird.

Ich empfehle jedem Mitdiskutanten, wenn er Zeit hat, sich das mal eine halbe Stunde anzusehen.
Langfristig ist ja geplant, diesen BÜ im Zuge des vierspurigen B 41-Ausbaus aufzugeben und durch eine Überführung zu ersetzen, doch diesen Ausbau verfolge ich nun schon seit über 40 Jahren und bis er Monzingen erreicht haben wird, werde zumindest ich wohl kein Auto mehr fahren. :roll:
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon TroubadixRhenus » Mi 23. Sep 2015, 13:57

Ich kenne Fü-Anlagen, da wackelt der Schrankenbaum noch, wenn man mit dem Zug dran vorbei fährt. Müsste man mal wirklich stoppen vom BÜ3 (Merktafel, bzw. Lage Einschaltkontakt und folglich erst Beginn Gelbphase) bis zum BÜ, aber bei einigen Fü-Anlagen ist die Zeit schon verdammt kurz, vielleicht zu kurz um bei einem (vollbesetzten) Liegenbleiber auf dem BÜ noch Zeit für eine Evakuierung zu haben. Aber keine Ahnung wie es sich da im vorliegenden Fall verhält.
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 23. Sep 2015, 18:34

Na mal sehen, was sich der Verbandsgemeinderat nun genau unter "Verbesserung der Sicherheit" vorstellt.

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokale ... 179597.htm
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Axel kron » Mi 23. Sep 2015, 19:09

Sorry, wenn ich hier jetzt was schreibe.

Aber in vier Wochen spricht keiner mehr davon. Dann sind alle Verbesserungsvörschläge Geschichte.

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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 23. Sep 2015, 20:42

Axel kron hat geschrieben:Aber in vier Wochen spricht keiner mehr davon. Dann sind alle Verbesserungsvörschläge Geschichte.


Ich glaube, Axel, Du hast recht.
Selbst solch ein regionales Elementarereignis hat inzwischen eine ganz geringe Halbwertszeit, traurig, um nicht zu sagen unmenschlich. Eine geographisch sehr überschaubare Region hat am 12.09. fünf hoffnungsvolle Söhne verloren, für Familien, Freunde, Vereins- und Arbeitskollegen oder Schulkameraden eine Zäsur, die alles Nachfolgende verändert...
Aber, was ändert sich wirklich?
Business as usual...
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Fr 25. Sep 2015, 10:03

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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 26. Sep 2015, 10:40

Gestern nahm ich von einem dienstlichen "Meeting" kommend einen anderen Nachhauseweg und fuhr über Monzingen und den Soonwald, um das Geschehen an besagtem BÜ einmal unter die Lupe zu nehmen. Passenderweise hielten hier nacheinander zwei Schülerzüge Richtung Kreuznach und Richtung Kirn, dann gab es die üblichen Verkehrsstauungen an der Ampel zur B 41 und später "rauschte" noch der RE ohne Halt durch.
Was ich in dieser halben Stunde an Fehlverhalten durch Zugreisende, Auto-, LKW- und Zweiradfahrer beobachten konnte, würde für 20 Verkehrs- und sonstige Ordnungswidrigkeitenanzeigen reichen, Einzelheiten erspare ich Euch jetzt, aber allein durch nur auf ihr Smartphone blickende, aber dennoch ohne aufzusehen herumtapsende Kinder und Jugendliche und die etwa 15 Eltern, die ihre Sprößlinge mit dem Auto (bei laufendem Motor wartend) abholten, wäre es beinahe zu einem halben Dutzend Unfällen gekommen.
Mir wurde mal wieder bewußt, daß alle technischen Sicherungen unvollkommen sind und das Fehlverhalten der Straßenverkehrsteilnehmer zu 95% ursächlich für Unfälle an BÜ's ist, auch hier, da beißt keine Maus den Faden ab.
Wer es bezweifelt -auch von Anliegern, Passanten oder Mandatsträgern- sollte sich hier mal einen Anschauungsunterricht gönnen, am besten in Begleitung eines Eisenbahnkundigen, der gleichzeitig über die technischen Hintergründe aufklärt.

Dann würde manch einer, der jetzt das Wort mal wieder gegen die "unerträglichen Sicherheitsmängel bei der Bahn" schwingt, beschämt und betroffen nachhause gehen.

Der BÜ in Monzingen ist sicher - ohne Frage.
Man muß sich nur an die Regeln halten.

Und Vollschranken können zwar die Folgen gröbsten Fehlverhaltens mindern, ändern aber nichts daran, daß sich das Bewußtsein der Leute ändern muß.
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 10. Okt 2015, 11:48

Aus dem aktuellen Zeitungsbericht:

Das Argument, Autos seien bei Vollschranken wie gefangen zwischen den Abgrenzungen, will er nicht gelten lassen. Schließlich könne man immer noch versuchen, mit Vollgas durch heruntergelassene Vollschranken zu fahren – vorausgesetzt es bleibt genug Zeit zu handeln.

Wenn solche Aussagen jetzt unwidersprochen Bestandteil von Petitionen werden, dann Gute Nacht!

Wäre ich leitender Mitarbeiter der zuständigen Führerscheinstelle, ich würde den jungen Mann mal zur MPU vorladen, ob er noch die charakterliche Reife zum Führen eines Kfz besitzt. :shock:

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokale ... 259042.htm
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