Glantalbahn Teil 6: Zwischen Odernheim und Bad Münster am Stein (1977-90, 23B+5Sc)

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Günter T
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Glantalbahn Teil 6: Zwischen Odernheim und Bad Münster am Stein (1977-90, 23B+5Sc)

Beitragvon Günter T » Fr 13. Okt 2017, 19:24

Hallo Freunde der Glanbahn,

hier noch einmal ein Rückblick auf meine bislang neu bearbeiteten und angereicherten einschlägigen Bildbeiträge:

Glantalbahn Teil 1: Staudernheim - Odernheim
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Glantalbahn Teil 2: Zwischen Odernheim und Lauterecken-Grumbach
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Glantalbahn Teil 3: Lauterecken-Grumbach
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Glantalbahn Teil 4: Lauterecken-Grumbach - Altenglan
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Glantalbahn Teil 5_ Altenglan – Homburg (Saar)
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Gleich vorweg: Ich habe – wie die allermeisten Leser hier – diese Bahnlinie von Odernheim nach Bad Münster am Stein nicht mehr im planmäßigen Betrieb erlebt, da sie bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert ihrer Gleise beraubt wurde (ausgenommen natürlich der bis zum Frühjahr 1993 noch existente Anschluss bis zum Kraftwerk bei Niederhausen). Gleichwohl finden sich bis heute noch bemerkenswerte Spuren dieser am 1. Mai 1904 erbauten, einst zweigleisigen strategischen Hauptbahn.




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Scan 1
Eingangs ein Ausschnitt aus einer Karte des Kursbuches Sommer 1961, der letzten Fahrplanperiode, in der auf dem strategischen Nordabschnitt von Odernheim bis Bad Münster am Stein regulärer Reisezugverkehr stattfand (bis 30.09.1961).

Diese 16 Kilometer lange Bahnlinie wurde - von Anfang an zweigleisig – am 1. Mai 1904 in Betrieb genommen.





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Scan 2:
Strategisch besteht u. a. ein Zusammenhang mit der am 16. August 1915 in Betrieb genommenen Hindenburgbrücke bei Rüdesheim am Rhein, was die nachfolgende Übersicht aus dem Jahr 1922 verdeutlichen soll (violett eingezeichnet). Links unten ist die Heranführung der Glantalbahn (die in diesem Abschnitt eher eine am rechten Naheufer verlaufende Linie ist) in den Bahnhof Bad Münster am Stein in Rot dargestellt.





Der Reisezugverkehr auf diesem nördlichen Abschnitt der Glantalbahn war stets bescheiden; ich zeige mal den Fahrplan aus dem Sommer 1961:


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Scan 3





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Scan 4





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Scan 5:
Zur besseren Orientierung eine grafische Darstellung des Streckenverlaufs.





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Bild 1:
Ausgangspunkt der Bilderreihe ist der Abzweig der strategischen Bahn in der Nordausfahrt von Odernheim – diesen Bahnhof hatte ich ja bereits vorgestellt (Bild vom 3. September 1981).





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Bild 2:
Folgt man dem Streckenverlauf nach Norden, muss nach wenigen hundert Metern auf einer Stahlbrücke der Glan überquert werden.
Dieses und das nächste Bild entstanden ebenfalls am 3. September 1981.





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Bild 3:
Die Vegetation am Bett des Glan, dem längsten Fluss der Pfalz, hatte sich damals schon urwaldmäßig ausgebreitet und schickte sich an, in die Brückenkonstruktion hineinzuwachsen.





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Bild 4:
Die Bahntrasse verläuft zunächst eng zwischen der Nahe und dem 341 Meter hohen Gangelsberg, so dass schroffe Steilwände – wie hier bei km 98,5 - in Kauf zu nehmen waren (Alle folgenden Aufnahmen bis einschließlich Bild 10 sind vom 27. Februar 1979.)





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Bild 5:
100 Meter weiter sehen wir diesen herrlichen Kilometerstein und das südliche Portal der 284 Meter langen Kinnsfelstunnels in der letzten winterlichen Abendsonne. Links verläuft das Flussbett der Nahe.
Was würde ich dafür geben, hier noch einmal einen Zug fotografieren zu dürfen …





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Bild 6:
Das südliche Portal des Kinnsfelstunnels. Deutlich kann man links eine nachträgliche Erweiterung des Lichtraumprofiles erkennen.





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Bild 7:
Blick zurück am Südportal.





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Bild 8:
Kurz nach dem Verlassen des nördlichen Tunnelausganges beginnt das Planum des Bahnhofs Duchroth. 1979 fehlten eigentlich nur noch die Gleise und die Signale – das Schotterbett lag noch.





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Bild 9:
Das Empfangsgebäude von Süden (Straßenseite).





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Bild 10:
Auch die Bahnhofsbeschriftung war noch ganz passabel.





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Bild 11:
Nach dem Verlassen des Bahnhofes an der Brücke über den Hagenbach noch mal einen Blick zurück: Im Hintergrund ist gut das Bahnhofsgebäude von Duchroth zu sehen. Rechts die dem Straßenverkehr dienende sechsbogige, aus Sandsteinquadern bestehende Brücke von 1889 über die Nahe. Sie überspannte eine Grenze zwischen der Bayerischen Pfalz und der Preußischen Rheinprovinz, die so bis 1945 dort verlief.
Am rechten Bildrand – auf der anderen Naheseite – erkennt man die Gebäude der ehemals imposanten „Königlich-Preußischen Weinbaudomäne Niederhausen-Schloßböckelheim“.





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Bild 12:
Am 27. September 2017 machte ich vom 422 Meter hohen Lemberg (südöstlich des Bahnhofs Duchroth) eine Aufnahme vom ehemaligen Bahnhofsgelände, das mittlerweile Campingwagen beherbergt. Die Bahnlinie lag zwischen den zwei roten Pfeilen.





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Bild 13:
Der Kilometerstein 103,9 befindet sich gegenüber Niederhausen an einer Staustufe der Nahe. Dieses und das Bild 13 stammen vom 22. Februar 1979, als ich mit Andreas auf dem Moped die Trasse abfuhr.





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Bild 14:
Auf dem weiteren Weg nach Norden ist wiederum unverkennbar, dass auch knapp 20 Jahre nach der Stilllegung dort noch ein vegetationsfreies Schotterbett lag. ().





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Bild 15:
Bis zum Frühjahr 1993 lag ein Anschlussgleis für den Trafotransport als Reststück der Glanbahn von Bad Münster am Stein bis zum E-Werk Niederhausen. Eisenbahnfreunde nutzten das am 5. Mai 1990 für eine Schienenbussonderfahrt mit 796 828, 996 292 sowie 996 609 in gelungener Weise aus. Meinem Bruder Andreas gelang dabei nördlich Ebernburg dieses Bild, bei dem im Hintergrund bereits ein Ausläufer der imposanten Vulkangestein-Formation des Rotenfelses (höchste Steilwand nördlich der Alpen) zu sehen ist.





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Bild 16:
100 Meter weiter östlich gab es wohl auch einen Fotohalt (Bild: Andreas Tscharn).





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Bild 17:
Vom Rotenfels herab machte ich am 22. Juni 1980 dieses Übersichts-Foto aus westlicher Richtung auf den Beginn der Glantalbahn in Bad Münster. Auf der im Vordergrund zu sehenden Nahebrücke lag noch Anschlussgleis vom links liegenden Gelände des Bad Münsteraner Bahnhofs zum E-Werk.





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Bild 18:
Die gleiche Stelle am 30. August 1977 von unten: Die Strecke beginnt also rechts in Bad Münster und verläuft vor dem alten Stellwerk, quert dann die Straße und läuft - sozusagen unter der Schranke mit dem Sh 0-Zeichen hindurch - nach links auf die Nahebrücke.





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Bild 19:
Auf der Nahebrücke waren am 30. August 1977 noch beide Gleise vorhanden. Betrieblich genutzt werden konnte aber nur das rechte (nördliche) Gleis zum E-Werk.





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Bild 20:
Hier noch ein Bild von Andreas auf der Nahebrücke von der Sonderfahrt am 5. Mai in Richtung E-Werk.
Heute verläuft dort eine Straße.





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Bild 21:
Die Rückfahrt des Schienenbusses über die Nahebrücke nutzte ich für ein Bild von der Burg Ebernburg. Im Hintergrund der nördliche Ausläufer des Rotenfelses.





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Bild 22:
Andreas gelang die Umsetzung dieser Szene vom rechtsseitigen Naheufer.





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Bild 23:
Hier noch ein älteres Bild vom 27. Februar 1979, auf dem die sehr ästhetische Brückenkonstruktion gut zur Geltung kommt.





Der planmäßige Reisezugverkehr zwischen Odernheim und Bad Münster am Stein endete mit Ablauf des 30.09.1961; der Güterzugverkehr am 9. November 1961 des gleichen Jahres.
Die Gleise zwischen Odernheim und dem Wasserkraftwerk bei Niederhausen (nördl der Blockstelle Lenhof wurden im Zeitraum 1962/1963 demontiert. Das restliche Gleis zwischen dem E-Werk und Bad Münster am Stein verschwand im Frühjahr 1993, um einem Radweg Platz zu machen.







Zum Abschluss die mir bekannten Infrastruktur-Daten zur Glantalbahn, die gerne berichtigt oder ergänzt werden sollen:

Eröffnungen:
* Homburg Hbf - Glan-Münchweiler 01.05.1904
* Glan-Münchweiler - Altenglan 22.09.1868
* Altenglan - Lauterecken-Grumbach 01.05.1904
* Lauterecken-Grumbach - Odernheim 26.10.1896
* Odernheim - Staudernheim 01.07.1897
* Odernheim - Bad Münster am Stein 01.05.1904


2. Streckengleis Homburg – Glan-Münchweiler:
* 01.05.1904
++ 1919
* 1938/39
++ Homburg - Jägersburg 1945 (zur Materialgewinnung)
++ Jägersburg - Schönenberg-Kübelberg 16.08.1960
++ Schönenberg-Kübelberg - Glan-Münchweiler ?


2. Streckengleis Glan-Münchweiler – Altenglan:
* 13.02.1904
++ 1919
* 1938/39
+ 04.07.1988
++ 28.03. bis 19.04.1989


2. Streckengleis Altenglan – Odernheim:
* 01.05.1904
++ 1919
* 1938/39
++ Altenglan - Bedesbach-Patersbach ?
++ Bedesbach-Patersbach - St Julian 1962
++ St Julian - Lauterecken-Grumbach 09.1964
++ Lauterecken-Grumbach - Meisenheim 1965
++ Meisenheim - Odernheim 1963


2. Streckengleis Odernheim – Bad Münster am Stein:
* 01.05.1904
++ Odernheim - Bad Münster am Stein –12.11.1929
* Odernheim - Bad Münster am Stein 1938/1939
++ Odernheim – Duchroth: Anfang der 1950er Jahre


Einstellung des Reisezugverkehrs:
+P Homburg Hbf - Glan-Münchweiler 30.05.1981
+P Altenglan - Lauterecken-Grumbach 31.05.1985
+P Lauterecken-Grumbach - Staudernheim 30.05.1986
+P Odernheim - Bad Münster am Stein –30.09.1961


Einstellung des Güterzugverkehrs:
+G Schönenberg-Kübelberg - Glan-Münchweiler 30.05.1981
+G Altenglan - Ulmet 1991
+G Ulmet - Offenbach-Hundheim 31.05.1985
+G Lauterecken-Grumbach - Meisenheim 26.02.1993
+G Meisenheim - Odernheim 30.05.1986
+G Odernheim - Bad Münster am Stein 09.11.1961


Stilllegungen:
+ Homburg Hbf - Anschl Waldmohr 27.02.1995, offz 15.07.1996
+ Anschl Waldmohr - Schönenberg-Kübelberg 30.06.1989
+ Schönenberg-Kübelberg - Glan-Münchweiler 03.06.1984
+ Altenglan - Lauterecken-Grumbach 31.12.1995
+ Lauterecken-Grumbach - Staudernheim 30.06.1996
+ Odernheim - Bad Münster am Stein 09.11.1961


Streckenabbau:
++ Anschl Waldmohr - Schönenberg-Kübelberg 22.07.1991
++ Schönenberg-Kübelberg - Hp Sand 1986
++ Hp Sand - Elschbach 1984
++ Elschbach - Glan-Münchweiler Mai/Juni 1987
++ Odernheim - E-Werk nördl Bk Lenhof: 1962/1963
++ E-Werk nördl Bk Lenhof - Bad Münster am Stein: Frühjahr 1993



Seit dem Frühjahr 2000 besteht zwischen Altenglan und Staudernheim ein touristischer Draisinenbetrieb.
http://draisinentour.de/?gclid=EAIaIQob ... gL_bPD_BwE


Literaturhinweise:
Eisenbahnen an Glan und Lauter, Emich/Becker, 1996
Die Pfalzbahn, Albert Mühl, 1982


Es grüßt Euch
Günter

Lw
Oberschaffner A3
Beiträge: 58
Registriert: Sa 28. Nov 2015, 10:31

Re: Glantalbahn Teil 6: Zwischen Odernheim und Bad Münster am Stein (1977-90, 23B+5Sc)

Beitragvon Lw » Sa 14. Okt 2017, 06:55

Vielen Dank für diese großartige Dokumentation! Sie ist wirklich sehr beeindruckend - sowohl inhaltlich wie auch von der Qualität der Fotos her.

Die Glantalbahn habe ich leider nicht mehr zu ihrer aktiven Zeit erleben können, nur im heutigen Zustand als Draisinen-Strecke wie vom Rad aus. Der Kinnsfelstunnel ist nach wie vor begehbar, allerdings ist die Trasse auf beiden Seiten massiv zugewachsen.

Nochmals herzlichen Dank!


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