Heute vor 25 Jahren...

Historisches ausserhalb der Region
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Dieselpower
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Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon Dieselpower » So 9. Nov 2014, 11:04

...wuchs endlich zusammen, was zusammengehörte. Eine der wenigen Grenzen, bei denen ich froh bin, daß sie weg sind...

Anläßlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls hier meine Erinnerungen an den folgenden Sommer rund um den frisch wiedereröffneten "Grenzübergang" Walkenried - Ellrich - Nordhausen:
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Aus vier Bmh-Halberstädtern (Großraumwagen mit Mitteleinstieg, analog unserer Bnb - In der DDR wurden sie jedoch häufig als Schnellzugwagen eingesetzt) und einem 1.-Kl.-Abteilwagen - meist der älteren UIC-Y-Bauart (Ame) bestanden die Eilzüge zwischen Northeim und Nordhausen, welche zunächst natürlich nicht im Kursbuch auftauchten, sondern durch Aushänge und Handzettel (meist noch mit Schreibmaschine geschrieben) bekanntgemacht wurden. Noch in voller Reichsbahnpracht erreichte 112 842 mit ihrem Zug den Bahnhof Nordhausen - der Zuspruch dieser kurzfristig eingelegten Züge, die ca. im 2-Stunden-Takt fuhren, war erstaunlich!

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Noch ein Jahr zuvor unvorstellbar - ein Ostzug in Walkenried. Im abendlichen Streiflicht dieselte die 112 ihrem Feierabend in "der Heimat" entgegen....

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Eine ganz spezielle "Wiedervereinigung": Die nicht mehr benötigten Mitteleinstiegswagen der DB waren durch den stark angestiegenen Reiseverkehr zwischen Ost und West mit einem Schlag wieder unverzichtbar, ihre geringe Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h reichte im DR-Netz jedoch völlig aus - und so bekamen sie noch einmal eine Gnadenfrist und erfüllten erneut einen guten Zweck....


Ich würde mich freuen, wenn auch Ihr aus dieser Zeit bildliche Dokumente hierher zusammentragen würdet....der Anlaß ist doch würdig, oder findet Ihr nicht?
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
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"Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich...!"
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon TroubadixRhenus » So 9. Nov 2014, 20:04

Hi Marco,

obwohl dieser Abschnitt in meine große "Tramper-Monatsticket-Zeit" fiel, muss ich leider zugeben, dass ich den "Osten" damals überhaupt nicht bereist habe, bzw. erst 1992/93 einige wenige Reisen bis Leibzig, Dresden und Berlin unternommen hatte. Bahntechnisch habe ich die Grenzöffnung eher im 243/143er-Einsatz auf der Schwarzwaldbahn erlebt, und schliesslich auch in einem D-Zug im Winter 89/90 von Würzburg nach Hof (ich wollte mir mal die Schiefe Ebene und das Museum in Neuenmarkt-Wirsberg ansehen). Die Züge auf den Strecken Richtung Osten waren allerdings derartig überfüllt, dass es mir (leider) jede weitere Ambition weiter in Richtung Osten verhagelt hatte.

Und erstaunlich: Bei meinen Touren ab 92 war von den Grenzanlagen schon kaum mehr etwas zu sehen.


Grüsse:
Thomas

PS: Der Spruch des Tages - fast auf die Minute genau vor 25 Jahren:

"Das tritt nach meiner Kenntnis... ist das sofort... unverzüglich." :mrgreen:

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Dieselpower
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon Dieselpower » So 9. Nov 2014, 20:06

TroubadixRhenus hat geschrieben:PS: Der Spruch des Tages - fast auf die Minute genau vor 25 Jahren:

"Das tritt nach meiner Kenntnis... ist das sofort... unverzüglich." :mrgreen:


Ich hab das sogar LIVE (!) gesehen damals...mit offenem Mund...
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Horst Heinrich
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon Horst Heinrich » So 9. Nov 2014, 20:58

Wenigstens haben die vielen viel zu früh in Rente geschickten Ost-Eisenbahner, denen man die Betriebsdurchführung auf dem Stand der 1950er Jahre ordentlich zusammengestrichen hatte, noch eine so nicht erwartete Versorgung ergattert.
Auch hier wurden Tragödien ausgelöst, über die im Vereinigungstaumel kaum nachgedacht wurden.
So manch ein Reichsbahner wurde damals das Gefühl nicht los, als sei sein 20, 30, 40 Jahre währendes Berufsleben auf einmal nichts mehr wert gewesen.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

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Markus Göttert
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon Markus Göttert » Mo 10. Nov 2014, 09:29

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Das jahr ist natürlich falsch. 1989 muss da stehen :mrgreen:

Bilder vom Betrieb

http://www.hunsrueckquerbahn.de/frambilder2009.htm
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Heiner Neumann
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon Heiner Neumann » Mo 10. Nov 2014, 09:57

Auch ich habe das Ganze damals live vor der Flimmerkiste miterlebt. Dabei habe ich geheult wie ein Schloßhund...Auch heute reisst es mich jedesmal, wenn ich die Bilder von damals wieder sehe.

Der beste Kommentar war für mich die Aussage eines DDR-Bürgers, der an der Grenze von westlichen Reportern gefragt wurde, warum er denn jetzt mitten in der Nacht hier sei und nicht zu Hause im Bett, wo er sagte: "Wer jetzt schläft, ist tot!"

Gruß

Heiner
Zuletzt geändert von Heiner Neumann am Mo 10. Nov 2014, 12:06, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn Du ein Licht am Ende des Tunnels siehst, bete, dass es kein Zug ist :shock: !!!

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Dieselpower
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon Dieselpower » Mo 10. Nov 2014, 11:49

Ich glaube, bis auf ganz wenige Betonköppe hat sich so ziemlich jeder, der das live miterlebt hat, irgendwo zwischen Gänsehaut und Freudentränen bewegt...

Ich war schon so lange neugierig auf das Land "hinter dem Zaun" gewesen, hatte aber nie so richtig den Antrieb, die Formalitäten und die Querelen, die mit einem Ostbesuch verknüpft sein konnten, auf mich zu nehmen...da ging es endlich.

Wir nahmen 1991 ein TMT mit DR ohne ICE - da mußte die Dame am Schalter erst mal nach dem Tarifcode sehen, normalerweise würde sie immer nur andersherum (ohne DR mit ICE) verkaufen....

Ehrlich gesagt, ich habe ein wenig Angst, die ostalgischen Stellen, die wir damals aufgesucht haben, heute noch einmal zu sehen. Das Hotel "Stadt Rumburk" in Zittau oder die Datsche an der Grenze in Seifhennersdorf - oder eben die in Wernigerode mit Blick auf die Bahn...und die tausend Bahnhöfe mit ihrem Dampfweichenheizungscharme, Topflampen und den Zielanzeigern mit Neonröhren....
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Heiner Neumann
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon Heiner Neumann » Mo 10. Nov 2014, 12:16

Ich kannte das "Land hinter dem Zaun" (früher auch "Ostzone" genannt) schon länger durch Besuche bei der Verwandtschaft. Damals legte ich auch den "Grundstein" zu meiner Modelleisenbahn zum Thema Deutsche Reichsbahn. Das damalige obligatorische "Eintrittsgeld" -der Zwangsumtausch- wurde bei den Besuchen drüben regelmäßig in Modellbahnen umgesetzt. Da ich damals noch Märklinist war kamen die Loks für mich nicht in Frage, aber die Waggons waren schon gut detailliert, wenn auch noch längenverkürzt. Aber mit eingebauter Beleuchtung ein Schnellzugwagen für 12,-M, da konnte man sich nicht beschweren.

Damals habe ich auch schon dem noch vorhandenen Dampfbetrieb gehuldigt, sicherheitshalber meistens aber ohne Fotoapparat, man wusste ja nie... Und dann treffe ich im Bahnhof Senftenberg auf ein weibliches "Rotkäppchen" und fragte nach dem aktuellen Dampfbetrieb. Da bekam ich eine so was von ausführliche und freundliche Auskunft, da war ich erst mal platt. Und dann fragte mich die Dame doch glatt: "Möchten Sie auch fotografieren? Das könne sie hier gerne machen!"...und ich hatte keinen Fotoapparat dabei!!! :evil:

Gruß

Heiner
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon Bernd Heinrichsmeyer » Mo 10. Nov 2014, 13:13

Dieselpower hat geschrieben:Ehrlich gesagt, ich habe ein wenig Angst, die ostalgischen Stellen, die wir damals aufgesucht haben, heute noch einmal zu sehen. Das Hotel "Stadt Rumburk" in Zittau oder die Datsche an der Grenze in Seifhennersdorf ....

Also das "Stadt Rumburk" gibt es glaube ich nicht mehr, dafür aber jede Menge anderer guter Hotels. Die Region Zittau ist weiterhin eine Reise wert (auch wenn es am Bahnhof inzwischen wie in einem Biotop aussieht und GV fast völlig zum erliegen gekommen ist). Für Seifhennersdorf sei die Ferienwohnung Kadner in der Bahnhofstraße empfohlen. Sehr nette Leute, sehr sauber, sehr gepflegt und direkt am Bahnhof.

Ich war übrigens direkt nach der Wende auch laufend im Osten. Leider sind das alles noch analog-Bilder, man müsste sich mal die Mühe machen, die einzuscannen. War wirklich eine tolle Zeit und das Verhalten der Reichsbahner den Wessis gegenüber war super. Ich wurde überall so empfangen, als wäre ich seit 20 Jahren der beste Kollege. Lokmitfahrten, Bilder machen, in der Werkstatt herumstöbern ... all das war überhaupt kein Problem. Tolle Zeit.
Bernd Andreas Heinrichsmeyer
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon schwellensittich » Di 11. Nov 2014, 11:03

Moin,

als ich im Jahre 1990 meinen ersten Grenzübertritt wagte, stand in Gerstungen noch fast alles so, wie man es Ende 1989 verlassen hatte. Nur im Bw fanden sich erste Zeichen der Wiedervereinigung: abgestellte Wummen.

Bild216 143 by schwellensittich, on Flickr

Bild132 041 bf gerstungen by schwellensittich, on Flickr

Bild132 441 gerstungen E nach erfurt by schwellensittich, on Flickr

Bild132 441 gerstungen by schwellensittich, on Flickr

Bildbw gerstungen 1991 by schwellensittich, on Flickr

Bild120 177 by schwellensittich, on Flickr

Irgendwie war es schon beklemmend, durch die verlassenen Anlagen zu streifen und warum hab ich damals nur so wenige Fotos davon gemacht? :|

Es grüßt
Michael
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Günter T
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon Günter T » Di 11. Nov 2014, 17:55

Ein ganzbesonderer Dank an Dieselpower, Markus und Schwellensittich für diese eindrucksvollen Bilder.

Viel habe ich auch nicht produziert - nur 1991 und 1992 ein wenig. Ich hing halt damals noch zu sehr an der alten Bundesbahn.

Den Fall der Mauer habe ich erlebt, als ich noch Referent im Deutschen Bundestag war. Es waren die wohl aufregendsten Tage meines Berufslebens. Über das, was damals so spekuliert wurde, könnte man ein Buch schreiben. Manche hohe Herren lagen schon in jenen Tagen total schief. So eine aufgedrehte Stimmung! Die meisten - und ich gehörte dazu - glaubten anfangs, dass wir zukünftig mit einer moderaten DDR in Koexistenz leben würden. Aber die Deutsche Mark war halt zu attraktiv, um noch lange auf sie warten zu wollen. :)

Die Reichsbahner waren ab 1990 fast ausnahmslos sehr freundlich. Lediglich ein Dienststellenleiter im Bw Probstzella ließ 1991 in meinem Beisein meinen Bekannten, der DB-Beamter ist, wissen, das man ihn nicht als Kollegen betrachte und wir daher keinen Zutritt zum Bw-Gelände erhalten könnten - damals dort eine Atmosphäre wie bei der Volkspolizei! :(

Es grüßt Euch
Günter
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Markus Göttert
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Re: Heute vor 25 Jahren...

Beitragvon Markus Göttert » Di 11. Nov 2014, 19:24

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