Bahnstrecke verkauft

Knipser1
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Re: Bahnstrecke verkauft

Beitragvon Knipser1 » Di 14. Dez 2010, 11:47

Kein Wunder - die Aktivitäten von

Ich tu´s

http://www.ich-tus.de/

gingen ja in letzter Zeit eher in Richtung "Ich mach nix!"
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OliBoe
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Re: Bahnstrecke verkauft

Beitragvon OliBoe » Di 14. Dez 2010, 18:54

Na toll...

Da hat Bassenheim sehr gute Arbeit geleistet...
Ich verstehe die Ochtendunger Gemeinde nicht.

Bassenheim sind die einzigen, die von der Verlängerung des Radweges profitieren - in Ochtendung werden nun weniger ihre Radtour beginnen oder beenden.
Und ich wette, dass in dem Moment, wenn die Gleise weg sind, Bassenheim sich wieder für die Reaktivierung und Gleisanbindung zum GVZ stark macht.
Damit haben sie dann ein weiteres Argument für "ihr" Industriegebiet und zum zweiten Mal gewonnen...

Ich verstehe es nicht... :-(

lg,
Oliver

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Bad Camberger
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Re: Bahnstrecke verkauft

Beitragvon Bad Camberger » Di 14. Dez 2010, 19:07

Was hast du denn?

Jetzt wo die GigaLiner bald kommen is doch alles in Budder. :roll:

[Sülze ein] Wunderbar zentral gelegenes Industriegebebiet mit bester Verkehrsanbindung an BAB und Bundesstraßen im Herzen Europas mit großem LKW-Parkplatz.[Sülze aus].

:evil:

Dieselloks produzieren gesundheitsschätlichen Feinstaub, der Bremsstaub von Graugussohlen lässt den Garten braun werden, der Bremsstaub von Kunststoffsohlen stinkt und durch die Erschütterungen fallen die Häuser an der Bahnstrecke zusammen. Abgesehen davon können die Anwohner nicht mehr schlafen wegen den in 2min-Takt verkehrenden Güterzügen und die 1m großen Spalten in den Straßen kommen bestimmt auch von der Eisenbahn. Zudem stellt die Eisenbahn eine Gefahr für die im Gleis spielenden Kinder da. Von daher sollte man unbedingt berücksichtigen, dass vor Inbetriebnahme eine 4,5m-Lärmschutzwand und eine Komplettumzäunung der Strecke mit Vollschranken-gesicherten Bahnübergängen europaweit mit ausgeschrieben werden.

Bad Camberger

Rolf
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Re: Bahnstrecke verkauft

Beitragvon Rolf » Di 14. Dez 2010, 20:29

Der amputierte Restteil der einstigen Strecke Koblenz-Mayen hatte nach der Realisierung des Radweges Ochtendung-Mayen in meinen Augen sowieso keine Chance mehr. Der auf dem ersten Teil entstandene Radweg ist sehr attraktiv, und wenn man sich mal anschaut, wie voll der "zentrale" Bahnhof Polch, heute eine beliebte Raststation, im Sommer ist, dann wundert es nicht mehr, dass die Politik das Reststück bis Koblenz ebenfalls in einen Radweg umwandeln will. Damit bekommt das "neue Ende" des Fahrradwegs wieder Bahnanschluss, was größere Ausflüge möglich macht (Start in Mayen, Ende in Koblenz). Das steigert die Attraktivität des Weges, ob man will oder nicht. Ich freue mich darauf, auch wenn es mir um die Strecke Leid tut und ich die Bahn dort lieber gesehen hätte. Dennoch, der "Lückenschluss" des Fahrradweges macht es umso attraktiver, mit der Bahn bis Mayen zu fahren (von wo auch immer), den Fahrradweg zu radeln, um dann ab Koblenz wieder mit der Bahn abzureisen. Somit wird bei guter Vermarktung auch die Bahn auf den bestehenden Strecken profitieren. Eine sehr schöne Strecke wird das, und das belebt sicher auch den Tourismus. Daran habe ich keinen Zweifel.

Westeifelbahner

Re: Bahnstrecke verkauft

Beitragvon Westeifelbahner » Mi 15. Dez 2010, 13:25

Rolf hat geschrieben:Der amputierte Restteil der einstigen Strecke Koblenz-Mayen hatte nach der Realisierung des Radweges Ochtendung-Mayen in meinen Augen sowieso keine Chance mehr.

Diese Formulierung sagt aber auch schon über die Prämissen des Autors gleich alles aus! Man sollte Bahnstrecken nicht danach beurteilen, was schon abgebaut ist, sondern ob ein Verkehrspotential an der vorhandenen Strecke besteht oder nicht. Wieviele Menschen leben in Ochtendung und pendeln nach Koblenz? Wieviele würden die Bahn nutzen? Wieviele nicht? Das sind Fragen, womit sich Gutachten beschäftigen. Und es gab m.W. zu dieser Bahnstrecke auch schon in den 90er Jahren positive Einschätzungen von Verkehrsexperten. Ich kann mir hierzu kein fundiertes Urteil für Ochtendung - Koblenz erlauben. Mich würde aber auch ärgern, wenn so über die amputierte Westeifelbahn gesprochen würde, weil die Gleise bis St.Vith oder Neuerburg fehlen.
Rolf hat geschrieben: Der auf dem ersten Teil entstandene Radweg ist sehr attraktiv, und wenn man sich mal anschaut, wie voll der "zentrale" Bahnhof Polch, heute eine beliebte Raststation, im Sommer ist,

Und das schon seit so vielen Jahren. Hier wurde seinerzeit das erste Projekt dieser Art geschaffen und es war erfolgreich. Also kann der Zustand so schlecht nicht sein. Radwege sind keine Autobahnen - der Mayener radelt gern am Nachmittag nach Polch, aber braucht keinen Lückenschluss mit IC-Anschluss in Koblenz. Strreckenradler wollen natürlich möglichst lange Strecken, aber davon profitieren Ochtendung oder Bassenheim reichlich wenig und die Welt muss sich nicht darum drehen.
Rolf hat geschrieben: dann wundert es nicht mehr, dass die Politik das Reststück bis Koblenz ebenfalls in einen Radweg umwandeln will.

Wundert mich auch nicht, aber aus einem anderen Grunde: die Politik hechelt eben zur Zeit hinter jedem Radweg her. Die dicken Fördermittel dürften hier geradezu konditionierend wirken.
Rolf hat geschrieben: Damit bekommt das "neue Ende" des Fahrradwegs wieder Bahnanschluss, was größere Ausflüge möglich macht (Start in Mayen, Ende in Koblenz). Das steigert die Attraktivität des Weges, ob man will oder nicht.

Ich würde denen, die Erholung suchen, nicht unbedingt empfehlen am Koblenzer Hbf. loszuradeln, um dann irgendwann die Bahntrasse zu erreichen und noch viel später endlich aus dem Stadtgebiet zu kommen. Rein in den Zug nach Mayen und lieber dort radeln!
Rolf hat geschrieben:Somit wird bei guter Vermarktung auch die Bahn auf den bestehenden Strecken profitieren. Eine sehr schöne Strecke wird das, und das belebt sicher auch den Tourismus. Daran habe ich keinen Zweifel.

Der Zynismus, der die Bahnpolitik seit Jahrzehnten bestimmt: Wir zerstören Eisenbahninfrastruktur, aber eigentlich profitieren alle davon und nicht zuletzt auch noch die Bahn. Ob 20 Radler mit dem Zug zusätzlich von Andernach nach Mayen fahren oder nicht: Die Wirtschaftlichkeit der Eisenbahn wird hiermit nicht groß gesteigert, sondern vielmehr ein neues Kapazitätsproblem (und womöglich eine Verspätung wegen verstopften Türen, längeren Ein- und Ausstieg usw.) geschaffen. Will man etwas für die Mobilität in der Region tun, dann sollten vorhandene Bahnstrecke erhalten und mittelfristig reaktiviert werden. Oder zumindest der Bahnhof Mayen Ost mit seinem Umfeld modernisiert werden.
Gruß Westeifelbahner

Rolf
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Re: Bahnstrecke verkauft

Beitragvon Rolf » Mi 15. Dez 2010, 17:54

Mir tut es ja auch Leid um die Strecke, aber der verbliebene Rest ist nun mal längst nicht so interessant wie eine Durchgangsverbindung Mayen-Koblenz. Da im oberen Teil jetzt aber der Radweg liegt, kann man den Traum einer gänzlichen Reaktivierung vergessen. Leider, wohlgemerkt. Ein Fahrradweg ist für mich auch immer nur die zweitbeste Lösung. Den Fahrradweg bis Koblenz durchzubauen, ist aus Sicht der Lokalpolitiker durchaus verständlich. Ein totes Gleis, für dessen Reaktivierung praktisch keine Chance mehr besteht, nützt nichts mehr. Ein Fahrradweg lockt dann vielleicht doch den einen oder anderen Gast in die anliegenden Dörfer.

Solange die große Politik nicht gänzlich umsteuert und Eisenbahnen in der Fläche umfassend fördert, wonach es in absehbarer Zeit nicht aussieht, kann man den Lokalpolitikern keinen Vorwurf machen, wenn sie den Fahrradweg dem toten Gleis vorzieht. Ob die Bahn eines Tages die Renaissance in der Fläche erfährt, etwa dann, wenn das Öl unerschwinglich wird, vermag ich nicht zu prognostizieren. Mit Trassen des 19. Jh. den Verkehr des 21. bewältigen zu wollen, halte ich jedoch für abwegig. Sollte die Bahn in der Fläche jemals wieder so notwendig werden wie vor hundert Jahren, braucht man neue Trassen und nicht die malerischen "Schlangenlinien" aus der Kaiserzeit. Für modernen Nahverkehr müsste was Neues her!


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