Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Bernhard Reifenberg
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Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon Bernhard Reifenberg » Mi 16. Dez 2009, 20:52

Gregor Schaab hat geschrieben:War es früher besser oder schlechter?

Heute wird die rechte Rheinstrecke für einige Tage komplett gesperrt, damit arbeiten ausgeführt werden können, wurde das früher auch gemacht?


Hallo Gregor,
diese Frage habe ich mit meinem Vater (Gott hab in selig) mehrmals besprochen.
Er war als Schweißer im Gleisbau tätig. Auch er konnte sich nicht daran erinnern,
das man ein Strecke mehrere Tage komplett dicht macht.
Und wenn ich dran denke, wieviele Nachtschichten er geschoben hat, kann man nur staunen.

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KPO9
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Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon KPO9 » Mi 16. Dez 2009, 21:17

Bahnminister hat geschrieben:Wolfgang, ich stimme dir zu das der Kunde ein Recht auf Information hat.
Ob sie ihn letztendlich auch interessiert mag ich sehr häufig zu bezweifeln.

Nun kann ein Schaden an der Oberleitung vieles Bedeuten.
Das können schon so einfache Dinge wie eine lose Rillenaufhängung sein.

Und ein Schienenbruch muss auch nicht eine vollständig durchgebrochene Schiene sein, ein Riss reicht da schon.

Und damit eben nichts passiert, wird bei einem Oberleitungsschaden oder einem Schienenbruch der betreffende Abschnitt gesperrt

Und wenn man das dann einem Kunden sagt, interessiert es die meisten garnicht das es dabei um die Sicherheit geht.
Die meisten reagieren so, als ob die Bahn daran Schuld sei das sich nach 10 Jahren an einer stark befahrenen Strecke die Schraube einer Aufhängung gelöst hat oder es aufgrund von Materialermüdung oder Materialfehler einen Riss im Schienenstrang gegeben hat.


Mööp! Einspruch!
Ein Schienenbruch ist eine vollständige Materialtrennung, ansonsten handelt es sich um Schienenfehler die in äusseren oder inneren Ursachen d.h. Schäden durch Herstellung (z.b. Material- oder Walzfehler) oder Belastung (z.b.Fahrbetrieb) herrühren. Die Betrieblichen Auswirkungen eines Schienenfehlers können aber die gleichen sein wie bei einem Schienenbruch.

KPO9
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Dieselpower

Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon Dieselpower » Mi 16. Dez 2009, 21:26

Falls jemand noch wissen will, was überhapt passiert ist...
Veolia E37 517 hat wegen Fehlleitung des Fdl (aus Signalstellung Hp2 nicht klar erkennbar ob Fahrweg nach Vochem HGK oder ins Überholgleis führt) wohl in Brühl Gbf versucht, nach Brühl-Vochem zu fahren (bekanntlich ohne Fahrdraht), und der Stromabnehmer ließ sich vom Tf nicht mehr soooo schnell senken, um das entsprechende Quertragwerk nicht zu beschädigen. Effekt: Ein daraufhin im GWB fahrender Gz (KLV) riß sich an der aufgrund des beschädigten Quertragwerkes nun auch nicht mehr ganz regelkonform hängenden Fahrleitung des Gegengleises den Stromabnehmer ab. Somit war alles dicht!
Hab gerade einen Kollegen am Telefon, der mir das so erzählt hat.

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Jörg Neidhöfer
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Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon Jörg Neidhöfer » Mi 16. Dez 2009, 21:33

Hallo Herr Minister,

meine Kunden interessiert in der Regel auch nicht, WARUM etwas nicht funktioniert.

Sie erwarten von mir ZU RECHT, dass ich vorhersehbare Widrigkeiten bei der Anlagen-Installation oder -Wartung bedenke und im Voraus verhindere.

Die lächerlichen paar Grad Minus bei trockenem Wetter sind ganz bestimmt keine Rechtfertigung für die extreme Häufung der Pannen...

(Edit: Gerade jetzt erst hab ich die 2. Seite des Threads gelesen. Das relativiert zwar den konkreten Anlass, meine Antwort zu Deinen Ausführungen lasse ich aber trotzdem unverändert stehen.)
GrüZe aus Zell an der MoZelschleife,
Jörg

Bahnminister

Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon Bahnminister » Mi 16. Dez 2009, 22:20

@KPO9
Danke für den Hinweis. Irgendwie hat man uns das anders beigebracht. Aber ich werde es weitergeben ;-)


Letztendlich lässt sich wohl schwer sagen, wieso es im Moment zu dieser angeblichen Häufung von Pannen kommt (ich selber sehe das nicht so, lasse mich aber durch Fakten gerne belehren)
Ob Materialermüdung, Materialmängel, Mängel in der Wartung/im Bau oder einfach nur Zufall (soll es auch des öfteren geben), eindeutig kann man das denke ich eh nicht klären...

OliBoe
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Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon OliBoe » Mi 16. Dez 2009, 23:04

Als Thread-Starter möchte ich mich auch noch einmal zu Wort melden...

Nach meiner Odysee von Koblenz nach Odysee bin ich ab mittags dann zuerst nach Eschborn (über FFM) und danach nach München gefahren. Alles per Bahn, alles pünktlich!

Aber das ändert nichts daran, dass das allgemeine Verspätungsniveau im Fernverkehr (meine Nutzung) angestiegen ist und ich fast nur noch auf Direktzüge wechsel, da ich schon oft in Köln oder FFM Anschlusszüge verpasst habe.

Ich bin persönlich - ohne Backgroundwissen, aber mit Informationen, die in der Presse frei verfügbar sind - der Meinung, dass die Bahn "von oben" sich nahezu zu Tode gespart hat (siehe Berlin etc.) und da ein großer Teil der Probleme drin liegt.

Mind. 98% aller DB-Mitarbeiter (in den Bahnhöfen, in den Zügen etc.) empfinde ich als sehr bemüht, zuvorkommend und kompetent - ehrlich! Das ändert aber nichts am Gesamtergebnis.

Eine Sache verstehe ich aber weder "hier", noch im DSO-Forum (beispielsweise):
Warum reagieren Mitarbeiter (aller) Bahnunternehmen so extrem sensibel, wenn das Unternehmen kritisiert wird?
Wenn ein Kunde mir als Berater berechtigt sagt, dass mein Unternehmen (bei dem ich arbeite) dort und dort schlecht arbeitet, dann gebe ich das auch zu. Warum nicht?

Wie dem auch sei...

Ich wünsche allen Lesern des Forums und dieses Threads eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit ohne Stress, Verspätungen und allen anderen negativen Dingen, die uns den Alltag manchmal schwerer machen.

lg,
Oliver

P.S: Zum Abschluss noch ein super-positives Erlebnis vom Sonntag:
Ich bin mit meinem Kleinen (20 Monate) von Andernach nach Bonn zum Weihnachtsmarkt mit dem Zug gefahren. Hin mit dem IC gegen 15.00h, zurück dann mit Transregio (da der IC gegen 18.00h in Bonn mehr als 15min verspätung hatte... das meine ich aber nicht...)
ALLE - aber wirklich alle, sowohl im IC, als auch im Transregio Zug haben meinem Kleinen gewunken, zugelächelt bzw. sich über sein "Tschüß" mit kräftigem Winken gefreut. Das tat richtig gut und meinem Kleinen hat das suuuuuper gut gefallen!
(Und im Transregio hat er sogar seine erste persönliche Kinderfahrkarte bekommen... Süß...Die hat er den ganzen tag nicht mehr hergegeben...)

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KPO9
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Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon KPO9 » Do 17. Dez 2009, 07:39

Als "Eisenbahner" antworte ich dir mal auf deine Frage: Warum reagieren Mitarbeiter (aller) Bahnunternehmen so extrem sensibel, wenn das Unternehmen kritisiert wird?

Es gab da mal so etwas wie eine Bahnfamilie, das hat nichts mit Nostalgie oder so zu tun, ich hab es vor 30 Jahren so erlebt. Die Eisenbahn in Deutschland war Welweit hoch angesehen und es gab ein Miteinander von Fahrpersonal, Betrieb, Werkstätten und allen die so dazu gehörten. Als Eisenbahner war man in einer Gemeinschaft.

Darum fühlen sich bei forscher Kritik meistens alle Bahner persönlich angegriffen.....

Die Bahnfamilie hat sich Grundlegend geändert, nicht untereinander (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel) aber es Regiert nur noch das Finanzorientierte. Und das hattest du ja Richtig erkannt.

Wenn die Technik nur Instandgesetz wird aber keine Pflege erhält weil kein Geld freigegeben wird, treten halt Schäden vermehrt auf.
Das Managment kann damit leben solange es nicht an die Provisionen geht. - Der Kund ist erst mal egal (Das würden die nie behaupten, ist aber so)
Frag mal was heute z.b. ein Fdl erlebt wenn er einen Zug ohne die BZ zubeteiligen einen anderen Fahrweg fahren läst..
Frag mal was heute z.b. ein Mitarbeiter der Instandhaltung erlebt wenn eine Betra überzogen wird obwohl die BZ ein Gleis später als vorgesehen Zur Sperrung zugestimmt hat....

Richtig! alles Haus gemachte Probleme!

Als Kunde hast du nichts davon...(Auch das hast du schon erkannt) und wir können und dürfen es oft nicht ändern!

Darum schluss für Heute

KPO9
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Dieselpower

Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon Dieselpower » Do 17. Dez 2009, 12:37

Servus KPO9!

Da muß ich dir in jeder Hinsicht zustimmen.
1) Die verschiedenen Manager bringen nur, solange sie im Amt sind, ihre Schäfchen ins Trockene, alles andere ist Nebensache, und der Kunde ist weit, soll sich doch das Betriebsvolk damit rumschlagen
2) Die Eisenbahnfamilie ist nicht tot, aber liegt im Koma, keiner ist dem anderen mehr grün, aber weltweit beispiellos, wie "fast tot" gerade die deutsche E-Familie ist, im Ausland ist es bei weitem nicht so schlimm
3) Es gibt noch Ausnahmen. Mikrokosmen wie z.B. Altenkirchen, wo Vectus-Tf mit Fdl und DB-Pensionären und Leihlokführern gemeinsam Weihnachten feiern, kegeln und grillen etc.
4) Wie viele Fdl würden gern wie sie könnten, aber irgend ein BZ-"Experte" vereitelt die Pläne des Kundigen vor Ort? Wie viele Tf würden mehr auf Unregelmäßigkeiten wie z.B. Schienenbruch Linz/R. achten? Und wie viele mehr oder weniger freiwillige "Umschüler" von der Arbeitsagentur verleiden den letzten "echten" Eisenbahnern mit ihrer LMAA-Mentalität den Spaß am Job??? Man hat doch kaum noch Entscheidungsfreiheit, führt nur noch Befehle aus. Und wie viele halten die neuen Titel der ehemaligen Vorschriften (Fahrdienstvorschrift heißt ja nur noch "Richtinie Züge fahren und Rangieren") für Handbücher eines Modellbahnherstellers!!!
Die innere Kündigung ist doch bei vielen Kollegen, egal ob bei blauer, roter oder grüner Bahn weitestgehend vollzogen! Leider, aber oft verständlich!

Rolf
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Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon Rolf » So 20. Dez 2009, 11:34

Mir hat der "Oberleitungsschaden" Mittwoch auch übel mitgespielt. Folge: Eine Stunde zu spät zur Arbeit. Schlimmer als der Ausfall (was ja mal passieren kann) war die desolate Informationspolitik. Im Internet, wo ich vorher nachschaue, waren auf der VRS-Seite nur Verspätungen gemeldet, keine Ausfälle. Also um 8.00 in BN am Hbf aufgetaucht. RE 5 nach Emmerich mit 5 MIn. Verspätung auf der Anzeige. Daneben Durchsagen, der Fernverkehr sei über Beuel umgeleitet. Keine weiteren Infos für den Nahverkehr. Nach 10 Min. Warten (insgesamt 15 Min. Verspätung) läuft RE in Gleis 2 ein. Unangekündigt. Alles rennt rüber, um den Zug nicht zu verpassen. Steht ja Emmerich drauf. Dann die verwirrende Durchsage: Ihr Zug RE 5 nach Koblenz steht auf Gleis 2 abfahrtbereit. Wie bitte? Die Anzeige am Zug zeigt immer noch Emmerich an. Dann kommt der Loführer aus der Lok und sagt im Vorbeigehen, er fährt nach Koblenz. Auf meine Frage, warum dann Emmerich drauf steht, ernte ich Schulterzucken. Vor dem Zug, im Zug und auf dem Bahnsteig herrscht Chaos. Die Leute rennen in alle Richtungen durcheinander, keiner weiß, was los ist. Ich schaue ins RIS, und da steht dann, abweichend von der VRS-Seite, dass der Zug ganz ausfällt. Nachdem ich also fast 20 MInuten vergeblich auf einen Zug nach Köln gewartet habe, gehe ich zurück zur U-Bahn und nehme die nächste Linie 16 nach Köln; die ist auch rappelvoll und sammelt zusätzliche Verspätung ein. Das Blöde daran ist, dass ich 40 Minuten vorher schon in der 16 gesessen hatte, um vom Bundesrechnungshof bis Hbf zu kommen. Fazit: Mal wieder verwirrende Informationen. Im Internet eine Falschmeldung, und am Bahnhof ein völlig dillettantisches Informationschaos. Das kostete unnötig Zeit und ärgerte am meisten.

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Unwort des Jahres: "Station ohne Service"

Beitragvon eta176 » So 20. Dez 2009, 12:40

Rolf hat geschrieben:Daneben Durchsagen, der Fernverkehr sei über Beuel umgeleitet. Keine weiteren Infos für den Nahverkehr.

Fazit: Mal wieder verwirrende Informationen. Im Internet eine Falschmeldung, und am Bahnhof ein völlig dillettantisches Informationschaos.
Hallo Rolf,
solange diese Spartenbahn nicht begreift, dass Ansagen

1) nicht nach Prioritäten erfolgen = erst Fernverkehr, dann lange nix und dann
vielleicht mal Nahverkehr (der, mit den "vielen blöden Haltestellen")

2) nicht nach "Geschäftsbereichen" getrennt gehören: (Lautsprecher an "Zugangsstelle" =
DB Station ohne Service ) sondern von denjenigen, die den Betrieb leiten (und die Übersicht
haben müssten), nämlich DB Netz (Fdl, BZ, ESTW-Bediener, ... )

wird das nie besser werden. Es würde mich mal interessieren, ob man immer
noch die Planung zur Konzentration der 3 S-Zentralen verfolgt, die damit noch
weiter vom Ort des Geschehens und der notwendigen "Ortskenntnis" entfernt
zentralisiert werden sollten ...

Gruß Hans-Peter

Rolf
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Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon Rolf » So 20. Dez 2009, 14:56

Dabei ist Bonn noch gut dran. Als ich die Rolltreppe zum Gleis 1 hochfuhr, sah ich gerade noch das "Rotkäppchen" im Bahnhofsgebäude verschwinden. Dabei hätte der Herr sich gerade bei dieser Gelegenheit mal richtig nützlich machen und die Fahrgäste informieren können (zumal die Anzeige falsch war). Stattdessen haut der ab. Unglaublich, oder?!

OliBoe
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Re: Unwort des Jahres: Oberleitungsschaden...

Beitragvon OliBoe » So 20. Dez 2009, 20:28

Hi,
kurzes Update von meiner Seite.
Rückfahrt am Samstag von Heidelberg nach Koblenz: +17min.
Das ist für einen Samstag und der Kälte noch okay und die Durchsagen waren rechtzeitig,nett und ausführlich.

Aber warum ich poste ist die Anzeige im Koblenzer HBF, die ich so noch nie gesehen hatte:
Ein IC aus Richtung Köln hatte als Verspätung "unbestimmt verspätet" dranstehen.
Das habe ich echt noch nie gelesen... :-)


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