[UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

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Dieselpower
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[UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon Dieselpower » Di 27. Aug 2019, 12:35

Kryptische Abkürzungen...originelle Spurweite (15' bzw 381 mm)...teilweise beängstigende Geschwindigkeiten (Zumindest bei der RH&DR) und ein Gefühl wie Gulliver auf Reisen.

So oder ähnlich kann man die beiden Liliputbahnen im Süden und im Nordwesten Englands charakterisieren, die ich in diesem Jahr anläßlich zweier völlig unterschiedlicher Urlaube besucht habe, und die mich sofort begeistert haben.
Die erste, die Romney, Hythe and Dymchurch Railway besuchte ich mit Sandra im Rahmen einer viertägigen "Test-Kreuzfahrt" mit AIDAluna. Normalerweise sind wir ja mit der "Mein Schiff"-Flotte von TUI unterwegs, aber einerseits wurde unser Lieblingsschiff konzernintern verkauft und andererseits kann man sich nur ein Urteil über etwas bilden, was man auch selbst ausprobiert hat. Und ich kann sagen, wir bleiben bei TUI.
Das Schiff war zwar schön, das Personal wirkte etwas überfordert, aber einige Dinge gingen in unseren Augen gar nicht. Vom Zücken der Bordkarte und Unterschreiben eines Kassenbons für JEDES (!) einzelne Getränk, über das Gedränge und die Sucherei nach freien Plätzen im Restaurant (Hier sind die Getränke während der Mahlzeit gratis, und da hält man sich stundenlang an einem Bier fest...) bis hin zu den teils extrem knalligen Farben an Bord entsprachen einfach zu viele Dinge nicht den Vorstellungen einer Kreuzfahrt, wie wir sie vom AI-Schiff kannten. Dabei ist es auch noch unterm Strich teurer. Außerdem ist es ein Unterschied wie der AKE-Rheingold (TUI) zum Müller-Touren-Tanzzug (AIDA) - zumindest vom Publikum her.

Lange Rede, kurzer Sinn, wir erreichten Dover, wo wir einen Leihwagen reserviert hatten. Mit diesem fuhren wir dann nach New Romney, dem Betriebsmittelpunkt mit Bw & Co., und nachdem wir uns beim örtlichen Sainsbury's Supermarkt mit £ eingedeckt hatten, ging es zum Bahnhof. Der Tarife unkundig löste ich zwei Rückfahrttickets zum Zielbahnhof des nächsten Zuges (man will seine Holde ja nicht mit übermäßigem Warten strapazieren, wenn der Aufenthalt schon im Zeichen der Schiene steht...) - nach Dungeness. Bald rollte unser Zug ein, und unsere Bedenken wurden wieder wach....würden wir durch die kleinen Türchen passen? Wir sind ja beide nicht gerade Hungerhaken...doch es sollte tatsächlich gehen. Was für ein Glück! ;)

Gezogen von der roten 2'C1'-Pacific Nr.9 "Winston Churchill" setzte sich der Zug auf die Minute pünktlich (Was sonst???) in Bewegung. Von YouTube Videos war mir bekannt, daß man hier nicht im Feldbahntempo verkehrt, aber als die mit Tender fast 12 t schwere Lok den ellenlangen Zug aus nicht weniger als 12 Wagen immer mehr beschleunigte, daß man auf den geschraubten Schienen das Gefühl hatte, in einem Expreß zu sitzen, war ich doch redlich überrascht - mit nicht weniger als 25 mph (40 km/h), und damit so schnell wie jede normalspurige Museumsbahn in UK, bretterten wir durch die Grafschaft Devon über Wiesen und Felder und Bü mit Halbschranken - was mag ein unwissender Tourist im Auto denken, wenn sich die Schranken vor ihm schließen, und er über die Kühlerhaube nur die Köpfe von Lokführer und Heizer brausen sieht? :lol:
Zunächst regnete es leider noch, aber es klarte immer mehr auf, leider war das Sonnenlicht durch die dünner werdenden Wolken auch recht grell, was man an den Bildern erkennt. Erst am Schluß stellte sich schönes klares Frühlingswetter ein.
Bald erreichten wir Dungeness. Hier gibt es nur einen Leuchtturm, zwei Kernkraftwerke, eine "Künstlersiedlung" aus Hütten und den Bahnhof, sowie einen der weltweit längsten Kiesstrände. Da weder das Künstlerdorf mit seinen Bretterbuden noch das Kraftwerk einen schönen Hintergrund abgaben, und die Sonne blöd stand, wählte ich den Hintergrund "Leuchtturm" für das Porträt von Winston Churchill:
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Ein paar Details...der Rucksack mußte schon auf den gegenüberliegenden Sitz:
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Der Arbeitsplatz...hier teilen sich wirklich Heizer und Lokführer den spärlichen Raum zwischen Kessel und Tender, leider nicht zu erkennen, der Fahrradtacho oben links in der Ecke - Vorschrift der Aufsichtsbehörde! Die Loks können nämlich deutlich schneller als 25 mph! :shock:
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Und natürlich das Fahrerlaubnis-Token, das vom Zugleiter ausgegeben wird, nur ein Zug darf immer auf der Strecke sein, nämlich der, der das Token hat!
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Und damit sind wir bei einem weiteren interessanten Fakt:
Die RH&DR unterliegt als öffentliche Eisenbahn (!) der Eisenbahnaufsicht, verkehrt nach dem britischen Regelwerk und der Signalordnung! Das heißt volle Signalisierung und Personalaus- und -fortbildung nach Standard! Es gibt nämlich auf der sage und schreibe 21,7 km langen Strecke sogar von der Regionalregierung subventionierte Schülerzüge, die derzeit jedoch eingestellt sind. Allerdings nutzen Einheimische aufgrund der flotten fahrt auch gerne die RH&DR zum Einkaufen oder für sonstige Verkehrsbedürfnisse...
Die RH&DR ist übrigens - wie so vieles in UK - das Ergebnis der Ideen zweier exzentrischer reicher Engländer in den 1920er Jahren. Sie waren beide Motorsportfans, und damit auch Freunde schneller Eisenbahnen. Da sie beide über eine eigene Gartenbahn mit dieser Spurweite verfügten, begannen sie nach dem erfolglosen Versuch, die R&ER zu kaufen, mit dem Bau einer eigenen Strecke....unbestätigten Gerüchten zufolge wurden auf der Strecke auch Geschwindigkeiten jenseits der 50 mph (80 km/h) erreicht, natürlich nicht bei einer öffentlichen Fahrt. Alle Streckenloks verfügen übrigens trotz Zweimannbesetzung über eine SIFA!

Nach der Rückkunft in New Romney erhält Winston Churchill erst mal einen kräftigen Schluck Wasser in seinen fast 1,7 m³ fassenden Schlepptender!
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Danach war es Zeit, den ausfahrenden Gegenzug nach Dungeness abzulichten, leider hüllte der Abdampf aus den nach vorne gerichteten Rohren die in "Brunswick Green" gehaltene Lok 2 "Northern Chief" so lange in Dampfwolken, daß erst im allerletzten Moment das Auslösen gelang.
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Wir - das heißt eigentlich nur ich - fällten den Entschluß, auch den Ast nach Hythe zu bereisen, und ich erkundigte mich, dank Faltblatt darüber informiert, daß es anstatt Einzel- auch Tageskarten gibt, ob man den Differenzbetrag zahlen könne, oder den kompletten Fahrpreis für die andere Richtung entrichten müßte. Der "Schalterbeamte" im Shop lächelte freundlich, zerriß mein altes Ticket und stellte uns ein neues für die Gegenrichtung aus, und wünschte "a pleasant journey". Dafür kaufte ich ihm allerdings anschließend auch einen Schwung Souvenirs ab... ;)

Kurz ein Blick auf die umfangreichen Bw-Anlagen und die Ausfahrsignale, bevor es dann (beim letzten Zug des Tages wohl immer, damit man die Lok nicht drehen muß) mit Dieseltraktion nicht minder schnell nach Hythe ging. Hierfür wurde vom aus Dungeness zurückkehrenden Zug die Northern Chief abgekoppelt und durch Lok 12 "J.B.Snell" ersetzt.
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Auch die Stellwerke entsprechen britischen Standards - auch wenn sie vielleicht etwas "zu heiß gewaschen" und eingelaufen wirken... :D
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Nun endlich in klarem Sonnenschein, allerdings ohne Dampf - Lok 12 vor dem letzten Zug des Tages ab Hythe. Es blieb danach noch ein wenig Restzeit mit dem Leihwagen, um die Grafschaft Kent zu erkunden, bevor es wieder an Bord ging...rechts von mir - nicht im Bild - befindet sich die Drehscheibe, um die Dampfloks zu drehen, der Bahnhof Dungeness ist als großzügige Wendeschleife gebaut.
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Um es nicht zu lange zu machen, wird dieser Bericht mit der Ravenglass and Eskdale Railway fortgesetzt, welche sich einige 100 Meilen weiter nordwestlich in der bezaubernden Mittelgebirgslandschaft Cumbrias befindet, und die ich mit meinem Kumpel Wolfgang im Rahmen unserer zweijährlichen "Eisenbahnkur" in UK besucht habe. Bitte etwas Geduld.
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
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Re: [UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon bigboy4015 » Do 29. Aug 2019, 10:25

Eine der ganz interessanten Strecken in England.
Besonders der südliche Teil nach Dungeness ist eine teils sehr bizarre Landschaft.
Man sollte noch erwähnen: Wer durch den Eurotunnel anreist: Hythe ist vom Eurotunnel-Terminal in Folkestone gerade einmal 4,5 Meilen entfernt!

Der Nuklearkomplex Dungeness, übrigens insgesamt 4 Reaktoren (Davon 2 aktiv = Dungeness B), die beiden alten MAGNOX Reaktoren (Dungeness A) werden derzeit für den Rückbau vorbereitet, hat einen "Vorteil":
Er ist im Verhältnis zu anderen Kraftwerken relativ flach, ich weiß die Umschreibung ist relativ, hat aber keine wirklich hohen Kühltürme oder Schornsteine.
Ist in der Landschaft natürlich weithin sichtbar aber z.B. nicht so dominierend wie es Mülheim-Kärlich mit dem sehr großen Kühlturm war.
Die Hochspannungsleitungen "stören" fast mehr.

Ein schönes Foto bei Google Maps, auf einen Zug im Bahnhof von Dungeness
Die Wendeschleife, in welcher der Bahnhof liegt ist gut erkennbar.
Und noc h einmal der Bahnhof mit einem Dieselzug
Foto stammt von der Seite des alten Leuchtturms dort.
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Re: [UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon Dieselpower » Do 29. Aug 2019, 22:02

Hallo Ulrich,
hab Dank für die Ergänzungen, auf denen man auch sehr gut die gewaltigen Zuglängen erkennen kann. In der Tat beschleunigen die 1:3-Dampfer diese langen Züge auch vollbesetzt auf ihre Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h!
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Re: [UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon bigboy4015 » Do 29. Aug 2019, 22:29

Mir fällt eben noch ein Detail zur Strecke New Romney nach Hythe ein: Die Strecke ist fast komplett zweigleisig!
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Re: [UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon Dieselpower » Fr 30. Aug 2019, 09:58

Ja, stimmt, das vergaß ich zu erwähnen, Danke....
Auf dem Hinweg hatten wir auch Gegenverkehr - beeindruckend, wenn sich zwei Züge der Marke "Speedy Gonzales" begegnen! :wink:
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Re: [UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon bigboy4015 » So 1. Sep 2019, 10:11

Noch was zur RH&DR: Die Lackierungen sind von "großen" Loks inspiriert, der Regel englische Lackierungen wie das blau der Mallard oder das Dunkelrot der LNER.
Vorbild der schwarz-gelben Diesel Ist die Lackierung der Denver & Rio Grande Western der USA. Bei den Dampfloks gibt es eine die klassisch deutsch in schwarz-rot ist. Was bei der Lok so sein soll:Gebaut bei Krupp in Essen.
Die zweite Lok vom europäischen Festland ist eine von Krauss.
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Re: [UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon Dieselpower » Fr 27. Sep 2019, 01:17

Und weiter geht es - wie versprochen - mit der "Ravenglass and Eskdale Railway" - oder profan R&ER. Hinter diesem (für Deutschsprachige) Zungenbrecher verbirgt sich eine weitere 381-mm-Bahn. Sie befindet sich nahezu diametral im Lande. Wir bewegen uns ca. 390 Meilen - oder gut 600 km - vom Südosten in den Nordwesten Englands in die bezaubernde Grafschaft Cumbria.
Die Geschichte dieser Bahn ist gänzlich anders als die der RH&DR: 1875 als Erzbahn für den Transport zur Cumbrian Coast Line in 3-ft-Spurweite (914 mm) eröffnet, erlebte sie sogar Personenverkehr zwischen 1876 und 1908. Fünf Jahre später ereilte sie das Schicksal eines Bähnchens, bei der die Nachfrage nach dem einzig nennenswerten Ladegut zurückging, sie wurde dichtgemacht.
Zwei Jahre später, 1915, gab es bereits Freaks auf der Insel, die den Wert der Strecke für Reisende und für ein neues Ladegut (Granit) erkannten, und sie bis 1917 nach und nach komplett auf 15 Zoll (381 mm) umspurten! Während des 2. Weltkrieges ruhte der Reiseverkehr, und 1953 war es dann so weit, auch die Granitvorkommen waren ausgebeutet, und die "quarries" der Keswick Granite Company, die die Bahn inzwischen gekauft hatte, wurden geschlossen - was blieb, war der Personenverkehr, mit dem sich das Bähnchen aber auch nur noch bis 1960 halten konnte. Das zweite Ende war damit besiegelt....aber wir wären nicht in GB, wenn sich in der Zwischenzeit nicht ein Verein zum Erhalt gebildet hätte. In Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft wurde gehandelt, und die Schienen hatten nicht viel Zeit, Flugrost anzusetzen, kurz nach dem letzten Planzug rollte der erste Museumszug....bis heute!
Natürlich transportiert die - im Gegensatz zur RH&DR nicht öffentlich, sondern als Museumsbahn eingestufte - "Ravenglass and Eskdale Railway Co. Ltd." heute überwiegend Touristen, kaum Einheimische, braucht sich aber bei einem nahezu ganzjährig durchgängigen Betrieb (nur im Januar finden turnusmäßig größere Reparaturen und Wartungen ohne Betrieb statt) mit bis zu 16 Zugpaaren täglich und mehr als 120.000 Reisenden im Jahr derzeit keine Zukunftssorgen zu machen.

Es gibt ein Stellwerk in Ravenglass, hier sitzt auch der "Zugleiter", Fahrbefehle (Kreuzungsaufträge etc.) kommen per Funk (RCTO - Radio Controlled Train Order, eine Art Zugleitbeitrieb per Funk), es gibt genug Kreuzungsmöglichkeiten mit Rückfallweichen, um bei starkem Andrang mit Sonderzugleistungen im 20-min-Takt zu verkehren!!! Doch nun genug der Vorrede, fangen wir an:

Während ich im Frühjahr mit meiner Frau unterwegs war, besuchte ich die R&ER im Rahmen meiner zweijährig wiederholten (mit einem Jahr Verspätung, letztes Jahr ging es nicht) "Eisenbahnkur" mit meinem Freund Wolfgang. Wir stiegen aus dem Sprinter der Northern, und wurden per Wegweiser sogleich zum R&ER-Bahnhof gelotst. Als erstes fiel mir natürlich diese wahrhaft putzige, vierachsige Interpretation einer hierzulande ebenfalls weit verbreiteten Baureihe auf:

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Auch das Fahrpult wollte mich sofort begeistern - auch hier der "Spatengriff" der Leistungsregelung. Druckluftbremse, alles da!

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Kommen wir nun zur Infrastruktur - das Stellwerk des Zug- bzw. Fahrdienstleiters:

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Auch seine Diensthunde wollten mit aufs Bild - was für eine gepflegte Technik!

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Wir nahmen Platz im offenen Wagen, genossen die Temperaturen. Während die erste Hitzewelle Deutschland überrollte, ließen wir uns bei herrlichen 22° den Fahrtwind der mit max 15 mph (24 km/h) verkehrenden Liliputbahn um die Nase wehen, gezogen von unserer - ich taufte sie dann - Class 6 komma 6 :lol:
Eine herrliche Strecke, ganz anders als bei der RH&DR - es ging über 11 km durch das Tal des River Esk, bergauf, bergab, am Hang entlang, durch enge Bögen usw.

Am Ende der Strecke, in Dalegarth, befindet sich an Stelle einer Weiche eine Drehscheibe, damit die Dampfloks immer mit der attraktiven Vorausseite fahren (Was für den Lokführer auch sicher viel angenehmer ist, als eine Stunde über die Schulter zu schauen...verständlich, oder? 8) )

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Das Ankuppeln am anderen Zugende wurde aufmerksam kontrolliert...der junge Kerl mit der Weste war unser Guard (Zugführer), der das Verlassen des letzten Wagens des Weichenbereichs nach vorne immer mit einer schwunghaften Armbewegung signalisierte... :wink:

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Der Ankuppelvorgang ist beendet, jetzt noch eine Bremsprobe - und abfahrbereit melden!

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Doch keine Fahrerlaubnis, solange noch ein Zug auf der Strecke ist! Der Gegenzug mit der "Northern Rock", einer 1 C 1-Außenrahmen-Lok, erreicht den Bahnhof Dalegarth...sie war sogar schon in Deutschland unterwegs, als Gast bei der Dresdner Parkeisenbahn!

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Wieder zurück in Ravenglass gefiel mir der Vergleich zwischen einem Original BR-Sperrsignal und der Trasse ausgezeichnet....

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Doch nicht nur Signale kann man - sicher auch aus Kostengründen - direkt bei der viel größeren Schwester beziehen, auch der Weichenlagekontakt kommt aus dem Regal von British Rail bzw. Network Rail, wie die staatliche Infrastrukturgesellschaft heute heißt....

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Im kurzen Abstand war die "Northern Rock" schon hinter uns her gefahren, und erreichte den Bahnhof Ravenglass - hier in der Einfahrt

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Bevor es wieder nach Dalegarth ging, brauchte das Gestänge der "Northern Rock" noch etwas Zuwendung in Form von Schmieröl...wenn das Greta sieht...! :lol:
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Ich hoffe, die Berichte über die "süßen Kleinen" haben Euch etwas Freude bereitet, und animieren den einen oder anderen auch trotz (oder auch gerade wegen) der omnipräsenten Brexit-Stimmungmache, dieses schöne Land zu besuchen, und seine durchaus liebenswerten Menschen und ihre Eisenbahnen kennen und lieben zu lernen...aktuell ist der Pfundkurs auch äußerst attraktiv - sogar das Whisky-Mitbringsel aus Schottland war ein Schnäppchen - trotz Alkoholsteuer! :wink:
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Re: [UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon Heiner Neumann » Sa 28. Sep 2019, 12:36

Diese kleinen Bahnen sind ja einfach nur "süüüß"! Sind das eigentlich nur "Hobby-Eisenbahnen" mit besonderen Fahrtagen, oder fahren die im öffentlichen Verkehr nach quasi täglichem Fahrplan?

Gruß

Heiner
Wenn Du ein Licht am Ende des Tunnels siehst, bete, dass es kein Zug ist :shock: !!!

Vertraue nur Deinem eigenen Hintern - denn nur er steht immer hinter dir!

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Re: [UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon bigboy4015 » Sa 28. Sep 2019, 17:52

Bis 1960 Planzüge seitdem Museumsbahn...
Mit einem Fahrplan nahezu täglich und ordentlich Zugpaaren.
Unbelievable but true
Ulrich Wolf
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Re: [UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon Heiner Neumann » Sa 28. Sep 2019, 18:26

Tatsächlich beinahe fast unglaublich!!! :shock: :shock: :shock:

Danke für die Info.

Gruß

Heiner
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Re: [UK] Mal was besonderes... RH&DR und R&ER

Beitragvon Dieselpower » So 29. Sep 2019, 00:35

Ulrich war so freundlich, schon zu antworten....
Die sind tatsächlich annähernd täglich unterwegs, die RH&DR ist sogar als öffentliche Bahn mit festangestellten Mitarbeitern konzessioniert!
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