Automodelle - Der Blick über den Tellerrand...

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St. Goar
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Re: Automodelle - Der Blick über den Tellerrand...

Beitragvon St. Goar » Sa 17. Feb 2018, 13:57

Hallo Ulrich,

vielen Dank für die Blicke über den Tellerrand. :D

Der Melkus RS 1000 ist schon ein interessantes Modell. leider aber auch ein Exot und damit nicht für meine Anlage geeignet. :?
Gruß aus Bielefeld

Gerhard Kutziewski
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bigboy4015
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Re: Automodelle - Der Blick über den Tellerrand...

Beitragvon bigboy4015 » Sa 24. Feb 2018, 15:07

REE hat ein neues Basismodell geliefert
Der Willéme LD 610 als Rungen LKW, vorzugsweise für Holztransporte.

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Hier sprechen die Bilder für sich. Sehr schönes Modell. Das helle Monster hinter der Fahrerfrontscheibe ist richtig, ist der Armaturenträger.
Der Hersteller Willéme ging 1970 Konkurs. Als Hersteller von Schwerlastzugmaschinen existierte PRP-WILLÉME bis etwa 1976.
WIlléme nutzte Deutz Diesel und britische AEC Diesel. Wobei zum Ende hin die Willéme nur noch umgelabelte AEC waren.

Der LKW hat eine Zulassung des 1968 aufgelösten Departements 78 "Seine-et-Oise", damals rings um das Departement Seine, das war die Stadt Paris und ein paar hundert Gemeinden ringsum, damals die Nummer 75.
Nutzfahrzeuge mussten damals das Departement angeschrieben haben, deshalb das "S. et O" auf der Stoßstange.
1968 Seit 1968 ist 78 nur das Departement Yvelines, westlich von Paris.
Gleichzeitig wurde auch das Departement 75 Seine aufgeteilt. 75 ist seitdem die Stadt Paris.
Aus dem Departement Seine-et-Oise entstanden die Departements Yvelines 78, Val-d’Oise 95 und Essonne 91.
Aus dem Departement Seine die Departements Paris 75, Hauts-de-Seine 92, Seine-Saint-Denis 93 und Val-de-Marne 94, wobei letztere drei je etwa 100km² des Departements Seine-et-Oise, insgesamt 6%, zugeschlagen bekamen.
Ulrich Wolf
Ansonsten sind die Diesel größer: Die im Westen der USA
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bigboy4015
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Weiter geht es mit Panhard

Beitragvon bigboy4015 » Do 15. Mär 2018, 16:36

Den Panhard Movic der SNCF mit dem Plattform-Trailern hatte ich ja schon vorgestellt:

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Hier noch ein älterer Movic, erkennbar an der anderen Front und den Selbstmörder-Türen.
Interesant hier ist das Werbeschild auf dem Dach.
Der Koffersattel ist vom System identisch mit den Plattform-Trailern.

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Panhard stellte nicht nur LKW sondern auch kleinere PKW her, deshalb hier ein Panhard hinter einem Panhard...
...ein roter PL17 und ein Viehtransporter auf Movic Fahrgestell.

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bigboy4015
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Auch französicher PKWs gibt es...

Beitragvon bigboy4015 » Do 15. Mär 2018, 16:46

... und zwar für kleines Geld von Norev.
Für maximal 8 Euro erhält man schön detailierte Metallmodelle.
Viele Details hervorgehoben, Nummernschilder aufgedruckt...

Zwei bildschöne französische Coupes, links das von Pininfarina in Turin gestaltete und gebaute Coupe des Peugeot 504, ja den 504 mit seinem spröden Charme gab es als bildschönes Coupe, und genauso schönes Cabrio, wobei der Design-Unterschied zu Limousine und Break beachtlich ist.
In Deutschland sah man die beiden sportlichen 504 nicht oft. Das Modell ist ein 1971er mit einem 2 Liter Vierzylinder und 101 PS. Erst ab 1973 gab es mit dem PRV V6 mit 2,6 Liter Hubraum und 136 PS mehr Power.

Das blaue Coupe ist ein echter Exot: Ein Facel-Vega Facel II von 1961 bis 1964. Ein französisches Auto mit US Power. Chrysler V8 mit 6,3 bis 6,8 Litern Hubraum und bis zu 400 PS.
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Der Auch das Heck des Facel II kann begeistern...
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Zuletzt geändert von bigboy4015 am Do 15. Mär 2018, 20:49, insgesamt 3-mal geändert.
Ulrich Wolf
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bigboy4015
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Und noch drei Franzosen, drei SIMCA...

Beitragvon bigboy4015 » Do 15. Mär 2018, 16:53

Zwei Simca Aronde, rechts die ab 1960 gebaute Limousine P60 und links das Cabrio Aronde Océane der gleichen Serie.
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Und den sah man auch oft in Deutschland:
Simca 1000 in orange-schwarz, neben grün-schwarz die zweithäufigste Lackierung, der Ausführung Rallye II von 1972, Heckmotor mit Solex-Doppelvergaser, 82 PS aus 1294 cm³ Hubraum und über 170 km/h.
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Re: Automodelle - Der Blick über den Tellerrand...

Beitragvon bigboy4015 » Sa 17. Mär 2018, 22:12

Die beiden Führerhäuser des REE Movic, links das alte mit Selbstmördertüren, rechts das neuere mit vorn angeschlagenen Türen.
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Der alte Movic als UFR Schlepper mit einem UFR Kofferauflieger.
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bigboy4015
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Autos die der normale Bürger der DDR nicht kaufen konnte...

Beitragvon bigboy4015 » Sa 24. Mär 2018, 20:06

Wenn es um die Jagdpassion der Staatsführung ging war die DDR alles andere als kleinlich, da war man schon unter Walter Ulbricht groß.
Gut 700 000 Hektar, ca. 8% der Jagdfläche, waren für Partei- und Staatsmänner, die Nationale Volksarmee (NVA) und die Rote Armee reserviert. Das Gros der Staatsjagdgebiete lag in Mecklenburg-Vorpommern, nahe der Müritz, und in Brandenburg. Diverse Bewohner der Wandlitzer Waldsiedlung hatten weitere Ferien- oder Freizeit- oder Jagdanwesen in der DDR.

Erich Mielke in Wolletz bei Angermünde, Günter Mittag das Schlufter Jagdhaus im Harz und Erich Honecker blieb in der Schorfheide, das Jagdhaus Wildfang bei Groß-Schönebeck. Man kann sagen das Erich Honecker jede Möglichkeit nutzte dort auf die Jagd zu gehen. Dazu gab es noch, für mehr oder weniger "befreundete" Regierungen und Staatsgäste das Gästehaus der DDR Regierung, das Jagdhaus Hubertusstock in der Schorfheide, durch den Wald keine 6 Kilometer von Honeckers Jagdhaus Wildfang.
Große Teile der Jagdfläche waren bereits im Dritten Reich "reserviert". Carinhall, dass Anwesen von Hermann Göring, lag mitten in der Schorfheide.

Zur Jagd - zu der jeweils ein Tross aus Sicherheitspersonal gehörte - muss standesgemäß gefahren werden. Minister und Stasi-General Erich Mielke als Beispiel nutzte einen Wartburg 353 Kübelwagen als Jagdwagen.
Ein Wartburg als Jagdwagen ging für Erich Honecker, und Günter Mittag, garnicht. Beim Klassenfeind im Westen gab es passendes, durch den Staat beschafft.

Erster war ein 1975er Land Rover 109-III Station Wagon. Hier kam die Konstruktion des Land Rover dem Umbau entgegen, um den Dachaufbau inkl. der Türfenster zu entfernen braucht es nur etwas Werkzeug. Das Heck wurde 80 cm gekürzt, die Karosserie endet direkt hinter den Hinterrädern, eine abklappbare Transportfläche kam ans Heck. Ein einfaches Verdeck als Wetterschutz und Gewehrauflagen in den Türen.

Gegen einen serienmäßigen Wartburg Kübel eine Steigerung. Von dem Wagen existiert eine Filmaufnahme aus Hubertusstock, in welcher Berthold Beitz, Verwalter des Krupp-Vermögens, in Jagd-Kleidung auf der Rückbank sitzt, Erich Honecker im Anzug daneben stehend.

Liest man im Buch "Strafjustiz und DDR-Unrecht-Band 3: Amtsmissbrauch und Korruption", Willi Fahnenschmidt und Petra Schäfter, Seiten 419 bis 427, bekommt man einen Einblick wie Mittag, mit Zustimmung von Honecker über Schalck-Golodkowskis Kommerzielle Koordinierung - KoKo die Fahrzeuge beschafften.
Im Buch sind die Anklagen aus den damaligen Prozessen, dabei sind auch die Jagdwagen, jeder einzelne detailiert aufgeführt, die für Honecker und Mittag beschafft wurden.
Der Ablauf blieb immer gleich:
  • Gekauft wurden die Rohfahrzeuge über die Chemo-Plast in West-Berlin. Diese lies sie an Umbaufirmen liefern die die gewünschten Umbauten vornahmen und der Chemo-Plast in Rechnung stellten.
  • Die Chemo-Plast schlug auf die Rechungen eine Handelsspanne (3 bis 5%) und stellte den Betrag der schweizer INTRAC S.A. in Rechnung.
  • Die INTRAC stellte den Betrag der Ost-Berliner Firma Günther Forgber in Rechnung
  • Chemo-Plast, INTRAC und Forgber waren nichts anderes wie Scheinfirmen der Hauptabteilung I (HA-I)der KOKO.
  • HA-I bezahlte die Rechnung an Forgber, die dann die Rechnung der INTRAC, die dann die Rechnung der Chemo-Plast bezahlte.
1981 kam ein Mercedes 280 GE zum Jagdwagen-Fuhrpark. Die Fa. Rometsch in Berlin-Halensee baute den Wagen aufwändig zum Cabrio um, polsterte die Sitze neu, installierte Gewehrauflagen usw. Gesamtpreis: 112.349,65 DM. Der Wagen ging an Günter Mittag.
So, jetzt wird es spannend: Bis 1983 beschaffte man 3 weitere Mercedes-Benz / Rometsch 280 GE Jagdwagen. Die zweite kostete 114.767,32 DM, ging an Erich Honecker, 116.382,70 DM der dritte und der letzte mit 132.519,58 DM etwas mehr. Gesamtsumme 476.019,25 DM! Viel Geld um auf die Jagd zu fahren.

Aber zeitgleich ging es weiter. Aus dem Vater aller modernen SUV, dem Range Rover kann man was machen:
  • Der erste Aufbau eines serienmäßigen Zweitürer-Range Rover zum Jagdwagen wurde in England bei Morgan/Panther-Westwinds in Weybridge durchgeführt und pünktlich zu Erich Honeckers 70. Geburtstag im Jahr 1982 übergeben. Das Fahrzeug hatte die DDR um 212.765,56 DM an Devisen erleichtert. Der zeitgleich bei Rometsch gebaute Mercedes-Benz 280 GE kostete 100.000 DM weniger.
Wie bei den Mercedes-Benz GE folgten dem ersten Range-Rover drei weitere Umbauten, die im Grunddesign dem ersten entsprechen.
  • Der zweite Range Rover Jagdwagen, handwerklich viel besser ausgeführt, entstand 1985 bei Rometsch und kostete 330.627,80 DM.
  • Der dritte Range Rover Jagdwagen aus dem Jahr 1987 (der zweite Rometsch) kostete 337.582,35 DM. Er gehört heute dem Deutschen Technikmuseums in Berlin, wie auch einer der Mercedes-Benz / Rometsch 280 GE.
  • Der vierte Range Rover Jagdwagen (der dritte Rometsch) war der qualitativ beste, mit 403.047,00 DM der weitaus teuerste und wurde erst kurz vor dem Mauerfall geliefert.
Die DDR Führung hatte in der Gesamtsumme 1.760.041,96 DM ausgegeben damit Honecker und Mittag acht Jagdwagen hatten um standesgemäß zur Jagd fahren können!
Etwas gab es an keinem der Wagen: Markenzeichen oder Typenbezeichnungen


1980 kostete der exklusive BMW M1 Sportwagen so etwa 100.000 DM, ein viertüriger Range Rover kostete 1982 neu um die 70.000 DM.
Den Range Rover gab es ab 1980 als Viertürer, zuerst als halbofizieller Umbau von Monteverdi in Basel. Ab 1982 durch das Werk, welches die Monteverdi Konstruktion übernommen hatte.

Für die Herstellung wurde das Chassis um 50cm verlängert, beim ersten war zusätzlich der Umbau auf vier Türen nötig gewesen, und der Karosserieaufbau um 5cm erhöht. Bedeutet die kostspielige Einzelfertigung vieler Karosseriebleche und sämtlicher Seitenscheiben. Ein elektro-hydraulisches Cabrioverdeck aus einem Rolls Royce Corniche ersetzte den festen Dachaufbau im Stil eines Landaulet. Dazu grobstollige Geländereifen, ein schweres Rammgitter und die integrierte Seilwinde aus der US Produktion sorgen für martialische Anmutung.
In die rückwärtigen Türen wurde ein komplizierter Hebe-Mechanismus für die elektrische Höhenverstellung einer Gewehrauflage eingebaut. Damit sollte es dem Jagenden ermöglicht werden, von der Lammfell-bezogenen Rückbank aus auf die eigens aus Ungarn importierte Hirsche zu schießen. Dazu konnten die Tiere mit zwei mächtigen Suchscheinwerfern geblendet werden.

Grün sind allle vier, die aktuellen Unterscheidungsmerkmale:
  • 1982: kein Rammbügel, keine Zusatz- und Suchscheinwerfer, keine Trittbretter, andere Windenanordnung
  • 1985: Trittbretter ab kurz vor der Fahrertür, je 2 Zusatz- und Suchscheinwerfer
  • 1987: durchgehende Trittbretter, je 2 Zusatz- und Suchscheinwerfer
  • 1989: durchgehende Trittbretter, 2 Zusatz- und 1 Suchscheinwerfer, hat als einziger keine seitlichen Zusatzblinker an den Kotflügeln

Und das ist der erste Range Rover / Rometsch-Umbau von 1985, erkennbar an den nicht durchgehenden Trittbrettern, 1:43 Modell von MATRIX, Sonderserie, 083/400:

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Das Ostberliner Nummernschild des Modells ist IAJ 3-23, dieses trägt heute der zweite Rometsch im Technikmuseum. Bewusst sind mir auch keine anderen Kennzeichen der Range Rover bekannt.

Warum es acht Umbauten gab, die Wagen haben alle die Wende erlebt, kann nicht mehr beantwortet werden, und wo die Jagdwagen im einzelnen abgestellt waren kann nicht mehr 100% nachvollzogen werden, die Garagenanlage bei Honeckers Jagdhaus wäre groß genug für sicher vier oder fünf gewesen.
Anzunehmen ist das zumindest der Land Rover zumindest später in Hubertusstock stand...

PS: Es gibt noch andere Geländewagen wie z.B. Land Rover, die mehr oder weniger plausibel der DDR Jagd zugeschrieben werden (können). Sofern dabei Umbauten, in kleinem Rahmen, vorgenommen wurden sind diese in "Eigenarbeit" entstanden, unfähig waren Karosseriebauer in der DDR wirklich nicht.
Noch ein PS: Das obengenannte Buch listet noch andere "KOKO" Schachzüge für Honecker und Mittag auf. Wie für Mittags Töchter musste die KOKO je einen Mazda 323 in grünmetallic besorgen. 1986 mussten, wieder auf Anweisung von Mittag, die beiden 323 durch gleichfarbige Neuwagen getauscht werden.
Nur gab es 1986 keine grünmetallic Mazda 323. Jetzt wird es witzig: Für 9.087,68 DM wurden zwei in West-Berlin, in beige, gekaufte 323 bei Rometsch in grünmetallic umlackiert.
Mittag legte den Kaufpreis 1982 auf je 16.000 Mark der DDR fest, 8.600 Mark der DDR unter dem EVP für den 323, Schaden für die KOKO also 17.200 Mark der DDR.
Vier Jahre später legte Mittag den Preis für die beiden neuen 323 auf 18.000 Mark der DDR fest, 6.600 Mark der DDR unter dem EVP. Die Lackierkosten bei Rometsch wurden natürlich nicht weitergereicht. Hier lag der Schaden für die Koko also bei 13.200 Mark der DDR zzgl. der 9.087,68 DM von Rometsch.
Für Honecker beschaffte die KOKO 1989 einen Toyota Crown, der Ende 1989 mal eben 970 Kilometer drauf hatte.
Ulrich Wolf
Ansonsten sind die Diesel größer: Die im Westen der USA
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