Lahntalbahn: Instandhaltungsmaßnahmen ?

eta176
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Lahntalbahn: Instandhaltungsmaßnahmen ?

Beitragvon eta176 » So 18. Nov 2007, 17:13

Unter der Überschrift "Bilder unseres Landes" veröffentlicht die Rhein-Zeitung jeden Tag ein SW-Foto aus der Region,
am 04.07.2007 eine Aufnahme mit Bezug zur Lahntalbahn:

Bahnbrücke führt bei Fachingen über die Lahn

Die einst zweigleisige Brücke wurde zu Ende des 2. WK gesprengt und die Brückenkörper stürzten in die bereits hochwasserführende Lahn,
die dadurch einen starken Rückstau verursachte. Zwei der alten Fischbauchträger wurden ausgebessert und wieder aufgebaut, die anderen
gelangten als Reparationsleistung wohl in französische Hochöfen. Der letzte grundlegende Neuanstrich (mit vorherigem Sandstrahlen) erfolgte
im Herbst 1958 !!!

Noch weiter zurück liegt der Neuanstrich in Obernhof: Sommer 1954
Auch dort wurde die kriegsbeschädigte Fachwerkbrücke von 1928/29 repariert und wiederverwendet. Glücklicherweise hatte man als Ersatz
der früher parallelen eingleisigen Brückenträger einen zweigleisigen Überbau errichtet.

Noch nie neue Farbe gesehen hat die Kriegs-Behelfsbrücke Hohenrhein von 1949

Jetzt kommt zwar das Argument: Alle Brücken der DB werden in regelmäßigen Abständen überprüft und sind bislang nie beanstandet worden
und verkehrssicher!

Aber mangelnde Unterhaltung und Pflege führt nicht nur bei dünnblechigen Fahrzeugen zu Korrossion, sondern - nach mehr als einem halben
Jahrhundert - irgendwann auch mal bei kräftigem Stahl und Eisen zu Schäden (von der Optik mal ganz abgesehen.)

Zum Abschluss noch der Bildtext zum Foto:
Die Eisenbahnbrücke bei Fachingen in der Nähe von Diez (Rhein-Lahn-Kreis) gehört zu den markanten Flussüberquerungen über die Lahn. Das
Bauwerk ist Teil der Lahntalbahn, die 1863 fertiggestellt wurde und die wegen ihrer vielen Kurven, Brücken und Tunneln bekannt ist. Die einst
zweigleisige Strecke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise nur noch eingleisig betrieben, so auch im Bereich der Fachinger Brücke. Bürger
fordern seit vielen Jahren den Bau einer weiteren Verbindung für Fußgänger und Radfahrer über die Lahn, die entlang des Gleises an die Brücke
angebaut werden könnte. Mehrfach wurden in der Nähe der stählernen Anlage Brückenfeste gefeiert, deren Erlös für die Finanzierung des zusätz-
lichen Übergangs verwendet werden soll. Von der Fachinger Eisenbahnbrücke existiert auch eine Miniaturausgabe im Maßstab 1:87 für die Modell-
bahn.
Foto: Andreas Galonska
RLZ, Diez, 04.07.2007

edit: Nicht mehr zielführenden Link zum Foto entfernt und Text neu formatiert, 06.02.2013
Zuletzt geändert von eta176 am Mi 6. Feb 2013, 13:40, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitragvon ETA 517 » So 18. Nov 2007, 20:57

Hallo H.P.

das sind ja hochinteressante Informationen.

So etwas ?hnliches hatte ich mir schon gedacht, wenn ich Sommers mit dem Fahrrad nach Balduinstein fuhr... ich sch?tzte den letzten Anstrich auf Anfang der 70er Jahre... aber 1958, das ist schon ein Hammer, spricht aber auch f?r die gute Bleimennige die damals noch verwendet werden durfte.

Da das alles genietete Br?ckentr?ger sind, ein Nietverbindung ist die dauerhafteste Verbindung, ist die Farbe von gro?er Bedeutung.
Ein durch Beschichtung gesch?tzte Nietverbindung h?lt nahezu ewig, die Farbe verhindert n?mlich, dass Wasser zwischen Nietkopf und Br?ckentr?ger eindringen kann.
Ist das Wasser erstmal eingedrungen f?ngt der Korrosionsprozess an zu laufen. Von unten gesehen sieht die Br?cke "nur" br?unlich aus, aber beim n?heren hinschauen fallen einem schon die "bl?henden Roststellen" auf.

Die Bahn w?rde dann sagen: Kein Problem, je langsamer ein Zug die Br?cke bef?hrt umso belastbarer ist das Bauwerk... Ist nat?rlich richtig, aber ich fragt mich nur wie langsam soll der Zug denn noch fahren, wie er jetzt schon f?hrt...

Als Beispiel sei mal die Westerburger Talbr?cke genannt, die in den 60er Jahren neu angestrichen wurde.
An den Pendelst?tzen sieht man schon, das dringend Sanierungsbedarf besteht. Aber bei einer stillgelegten Strecke wird nat?rlich nix investiert... bis einem irgendwann mal ein Stahltr?ger auf den Kopf f?llt. :evil:

Gru?

Marcus
bitte anklicken... danke!
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Beitragvon Rolling_Metty » So 18. Nov 2007, 21:55

Hallo Hans-Peter,

sehr interessant das Ganze!
Gruß aus dem Taunus

Markus

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Beitragvon Kubuku » Mo 19. Nov 2007, 22:56

@ETA 517

Die Balduinsteiner Lahnbr?cke ist Mitte der 90iger komplettsaniert worden!! Da wohnte ich noch dort.
Kurt

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Beitragvon eta176 » Mo 19. Nov 2007, 23:09

Hallo,
das ist offenbar auch die einzige Br?cke an der unteren Lahn, der ein Neuanstrich zuteil wurde. Von der einger?steten Br?cke hab ich wohl noch ein Dia aus dem F?hrerstand einer Lok. (Markus schrieb ja auch nur, dass er bei seinen Fahrten nach Balduinstein unter der Fachinger Br?cke hindurchkommt ;-) )
Gru? HP

Habe gerade noch was Interessantes zum Thema Strecken-Instandhaltung gefunden:
"Die Eier legende Wollmilchsau"
Der Nutzfahrzeugspezialist der UNIMOG Generalvertretung entwickelte f?r die Kurhessenbahn in Kassel, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, ein Fahrzeug, bei dem unterschiedlichste Anbauger?te und Funktionen in einer bisher einmaligen Kombination integriert wurden.

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Beitragvon eta176 » Fr 4. Jan 2008, 16:28

Neuer Rekordhalter der "langlebigen Anstriche":

Bei einem Besuch heute morgen in Diez ist mir aufgefallen, dass die Stahlkonstruktion der kleinen Eisenbahnbr?cke ?ber die Schaumburger Stra?e (an der kath. Kirche) letzmalig im November 1935 - und damit vor mehr als 72 Jahren - Entrostung und Neuanstrich erleben durfte. Bei der letzten Pr?fung wurden mit gelbem Kreidestift zahlreiche Anmerkungen an allen m?glichen Stellen angebracht. Sollte die Schriftfarbe permanent sein, gibt es bei der n?chsten Pr?fung langsam Probleme, noch freie Bereiche zu finden :lol:

Die derzeit nur mit 30 km/h zu befahrende Aarbr?cke ist mit dem letzten Anstrich von 1960 geradezu "taufrisch" :roll:

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Metallurgie

Beitragvon Basaltlunkerschotter » Fr 4. Jan 2008, 21:51

Egal wann der Anstrich aufgebracht wurde.
Wenn die Anstrichvorbereitung (entzundern/entrosten/grundieren) ordnungsgem?? und gewissenhaft durchgef?hrt wurde, halten Lacke durchaus auch ?ber sehr lange Zeitr?ume. Die in damaligen Lacken enthaltenen Pigmente hatten im allgemeinen eine gute Korrosionsschutzwirkung, die bei den heutigen "Wasserfarben" so nicht mehr gegeben ist.

Die Feuerverzinkung als metallische Oberfl?chenverg?tung (per 450 Grad Celsius hei?em Tauchbad) kam so in den 1960er Jahren auf und wurde auch schon gleich bei Stahlkonstruktionen im Eisenbahnsektor angewendet. Wobei auf diese Feuerverzinkung dann zus?tzlich auch noch eine Farbbeschichtung mit speziellen Lacken erfolgt (sog. Duplexverfahren) und heute ?blich ist.

Im ?brigen werden speziell Eisenbahnbr?cken, -auch an stillligenden Infrastrukturen, -und sogar an freigestellten ehemaligen Schienenwegen, sofern noch vorhanden, gewissenhaft und regelm?ssig diurch Sachverst?ndige gepr?ft. Die Frage einer daraus m?glicherweise resultierenden langfristigen Herabsetzung der Geschwindigkeit anstelle der umgehenden Sanierung ist mit den "Budgets" des verantwortlichen EIU zu erkl?ren. Grunds?tzlich "n?tzt" (bzw sogar sch?tzt) aber die mechanische Belastung durch regelm?ssige Zugfahrten die Stahlkonstruktionen sogar, weil die Stahlbauteile innerhalb ihrer zul?ssigen Belastungsgrenzen damit immer wieder bewegt werden, was den Korrosionsfra? mindert. Hochwertige Lacke machen diese "Bewegungen" unbeschadet mit.
Das Problem der in unserer Industrieluft insbesondere der 1960 und 1970er Jahre enthaltenen chemischen Schadstoffe, die den handels?blichen Lacken schadeten, stellt sich bei Industrielacken in anderen Zeitintervallen dar.

Im allgemeinen werden Lack-Gew?hrleistungen bei Eisenbahn?berf?hrungen doch schon in deutlichen Zeitr?umen vereinbart.
ich wollt, es wäre Abend und die Preußen kämen

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Beitragvon eta176 » Fr 4. Jan 2008, 22:46

Hallo Basaltlunkerschotter,
besten Dank für Deinen ausführlichen Beitrag zu diesem Thema. Auf eine Antwort zu meinen etwas "provokativen" Beiträgen hatte ich - im Stillen - schon länger gehofft!
Bei allen beschriebenen Brückenbauwerken sind nach so langer Zeit aber z.T. erhebliche Korrosionszeichen zu sehen. Aufgrund der damals verwendeten Grundierungen (Bleimennige) und den regelmäßigen und gewissenhaften Inspektionen hat dies (an der Lahn) bislang zu keinen/geringen Einschränkungen im Betriebsablauf geführt.

Dennoch bleibt der "optische Eindruck" einer rostroten Brücke, die eher nicht an "Golden Gate" erinnert, sondern als "mangelnde Unterhaltung" von Anwohnern und tlw. sogar Reisenden interpretiert wird.
(Ein paar Bilder zum Thema werde ich in nächster Zeit noch mal dem Beitrag hinzufügen.)

Die Überführung in Diez könnte möglicherweise in einigen Jahren völlig umgestaltet werden, da die Stadt Diez dort eine "innerstädtische Umgehungsstraße" mit einem Tunnel parallel des Diezer Tunnels bauen will. Ähnlich wie in Bad Ems soll - soweit als möglich - der Straßentunnel in offener Bauweise errichtet werden.
Viele Grüße HP

Edit äöüß
Zuletzt geändert von eta176 am Di 2. Dez 2008, 00:21, insgesamt 1-mal geändert.

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Statik

Beitragvon Basaltlunkerschotter » Sa 5. Jan 2008, 11:54

eta176 hat geschrieben:Dennoch bleibt der "optische Eindruck" einer rostroten Br?cke, die eher nicht an "Golden Gate" erinnert, sondern als "mangelnde Unterhaltung" von Anwohnern und tlw. sogar Reisenden interpretiert wird.


Von einem, wie auch immer, farblich aussehenden Erscheinungbild einer Stahlkonstruktion geht keine Verkehrsweggef?hrdung aus.

Bei der Konstruktionsplanung aller Br?cken wird eine statische Berechnung zugrunde gelegt, woraus sich dann die Dimensionierung und das n?tige Stahlprofil bzw die Verbindungselemente ableiten. Bei diesen Berechnungen flie?en alle dem Bauwerk eventuell zusetzenden Momente (Windlast; Schneelast; Eisbehang; maximale Belastung durch Z?ge;...) hinein. Grunds?tzlich und sogar als Pflicht wird dann auch immer ein statischer Sicherheitszuschlag "obendraufgerechnet". D.h. die Dimensionierung von Stahltr?gern wird dann automatisch gr??er bzw dicker ausgew?hlt, und/oder das Fachwerk erh?lt weitere Streben. Dieser Sicherheitszuschlag ist je nach der Anforderung von Bauteilen zwar unterschiedlich, wo es aber um Menschenleben geht, machen die Zuschl?ge schon mal das 20-fache der eigentlich laut Berechnung n?tigen Querschnitte aus. Statiker oder Techniker lassen sich (in der BRD) in dieser Frage auch nicht von Kaufleuten Betriebswirten oder Politikern bestechen.

Andererseits reduziert die aktive Korrosion den Stahlquerschnitt im Laufe der Zeit wieder. Bei einer Inspektion wird speziell die statische Belastbarkeit eines Bauwerks gepr?ft.
Das reine optische "Outfit" ist f?r einen Bauingenieur/Maschinenbauingenieur unbedeutend und f?r Fahrg?ste eines Verkehrsunternehmens auch nicht einklagbar.

Ganz nebenbei, manchmal fasziniert es mich, wenn St?hle dieser Korrosion zwar ausgesetzt sind, aber auch selbst innerhalb von hundert Jahren verh?ltnism?ssig geringen Rostfra? anzeigen. Ich kenne Stahlschwellen Bj. 1898, die noch gut und im Einsatz sind. (Ich weiss, es ist ne andere Stahlsorte)

Sehr alte Stahlsorten, die ?ber sehr lange Zeitr?ume Wind und Wetter ausgesetzt sind und bei den Konstruktionen sogar auf Menschenleben geachtet werden muss, findet sich auf.......Kircht?rmen.
ich wollt, es wäre Abend und die Preußen kämen

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Beitragvon eta176 » Mi 15. Okt 2008, 13:34

Eine Baustelle mit Ampelregelung ermöglichte den sonst nur schwer
erreichbaren Fotopunkt mit Blick auf die SKR-Brücke Hohenrhein:

Bild

Das Kürzel SKR steht ja für "Schaper-Krupp-Reichsbahn". Der namensgebende Prof. Dr. Gottwald Schaper war
Brückenbaudezernent in Preußen und bei der Reichsbahn. Er machte sich u.a. bei der Entwicklung hochfester
Baustähle einen Namen und ist 1942 verstorben.

Nach dem Ersatz der fast 50 Jahre tlw. aus einem SKR-Brückenteil bestehenden Elbebrücke bei Hämerten im
Zuge der Strecke Hannover-Berlin könnte Hohenrhein die älteste / letzte Brücke dieser Art sein? Sie wurde am
1. August 1949 als Ersatz für die gesprengte zweigleisige Brücke in Betrieb genommen.

Bild

Die Aufnahme des Niederlahnsteiner Brückenkopfes zeigt gut die ursprünglichen Widerlager der zweigleisigen
Brücke, die mittig von der SKR-Brücke überlagert wurden.

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Re: Lahntalbahn: Instandhaltungsmaßnahmen ?

Beitragvon eta176 » Mi 6. Feb 2013, 13:33

.
... aus aktuellem Anlass hol ich den Thread mal von ganz weit unten wieder hervor ...
In der ersten Meldung ging es (im jetzt farbig hervorgehobenen Abschnitt) schon um
eine zusätzliche Rad- und Fußwegbrücke. [Das zugehörige Foto ist allerdings nicht mehr
verfügbar - der Link wurde von mir gelöscht]
.


NNP, 06.02.2013

Aus für die Brücke
Enttäuschung in Fachingen und Altendiez – Bauwerk ist zu teuer

Die Lahn-Brücke zwischen Altendiez und Fachingen, seit mehr als einem Jahrzehnt konkret auf
dem Wunschzettel der Ortschaften und Finanzierungsziel diverser Feste, ist – Geschichte.

http://www.fnp.de/nnp/region/lokales/li ... 92.de.html


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