Bahnärger und Kompetenzgerangel im Lahntal

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jojo54
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Bahnärger und Kompetenzgerangel im Lahntal

Beitragvon jojo54 » Do 2. Aug 2018, 13:00

Hier ein Beitrag aus der Nassauischen Neuen Presse vom 02.08.2018 zum Thema "Kein Fahrkartenverkauf" in einem Zug von DB Regio auf der Lahntalbahn.

http://www.nnp.de/lokales/limburg_und_u ... 80,3063234

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Dieselpower
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Re: Bahnärger und Kompetenzgerangel im Lahntal

Beitragvon Dieselpower » Do 2. Aug 2018, 20:12

Ich verstehe diese ewig gleiche Diskussion nicht - es ist schon immer so gewesen, ein Blick in die EVO, die Eisenbahnverkehrsordnung, eine Rechtsverordnung, die in diesem Jahr 80 Jahre alt wird, genügt. Sofern nicht anders möglich hat der Reisende seine Fahrkarte VOR BEGINN DER FAHRT zu lösen. In den Ausnahmefällen (Kein Verkauf vor Ort, auch bei nachweislich defektem Automat) hat man sich unverzüglich beim Personal zu melden - was die Herren wohl offenbar gemacht haben, aber eben ohne die vorherige Möglichkeit des Ticketkaufs zu nutzen.

Jedes mal dieser Ruf nach Fahrkartenautomaten im Zug, die - wie seinerzeit bei vectus - zum "Graufahren" einluden: Entweder man setzt sich neben den Automaten, und wartet, bis der Zugbegleiter kommt, um sich dann schnell eine Karte zu ziehen, oder (Beispiel: 100 Radler zwischen Balduinstein und Laurenburg) der Andrang ist so groß, daß man gar nicht an die Reihe kommt, bevor man sein Ziel erreicht.

Automaten im Zug müßten an allen Stationen, die über Verkauf verfügen, deaktiviert sein, dann würde ich sie begrüßen, alles andere ist Einladung zum Betrug zu Lasten ehrlicher Kunden! Verkauf durch Zugbegleiter sollte analog geregelt sein. Aus, fertig! Kein Ermessensspielraum, gar nix - wo will man denn da die Grenzen zwischen mutwillig und unwissentlich und situationsbedingt ziehen, zumal die Ehrlichkeit dem Personal gegenüber nicht selten gegen Null tendiert?

Im Falle der beiden Herren ist die Lage eindeutig. Zum Bahnfahren ist der vorherige Fahrkartenkauf zeitlich einzuplanen. Ende! Erschöpfung oder Extremsport hin oder her...und im Text wird von nächtlicher Kälte gesprochen - seit Wochen wird es nachts nicht mehr kühl genug, um Abends einschlafen zu können, und die drücken auf die Tränendrüse??? Wer verarscht denn hier wen?
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Re: Bahnärger und Kompetenzgerangel im Lahntal

Beitragvon TroubadixRhenus » Fr 3. Aug 2018, 11:41

Mitunter ist der Kauf eines Fahrscheins allerdings auch schonmal ein Spiessrutenlauf:

Vorgestern in Kaub: Wir kommen aus Richtung Ortsmitte und betreten den Bahnhof über den alten Hausbahnsteig und suchen den Automaten. Wir finden nur den Hinweis, dass das örtliche Klo im Bahnhofgebäude privatisiert wäre und man deshalb bezahlen müsse. Na meinetwegen. Mein Neffe wollte einhalten bis wir im Zug sind, aber wo ist der Fahrkartenautomat? Ein anderer Reisender zeigte ihn uns, bzw. erklärte den Weg dahin: Einmal durch den Fußgängertunnel auf die andere Seite des Bahnhofs, und dann ganz durch zur ortsabgewandten Seite.

Na gut: Wir hatten Zeit genug für diese zusätzliche Besichtigung der Kauber Bahnanlagen.

Im Zug musste sich mein Neffe dann den Toilettengang weiter verkneifen, weil Klo kaputt. Nu ja - hat ein Kollege von mir jetzt in Neuwied tatächlich mal den Klo-Absaugschlauch der Vias gedreiteilt, der da immer abends ohne Sh2-Scheibe vor unserem Lokabstellplatz liegt, und das Klo läuft nun über? :D

Wenn einer eine Reise tut! :shock: :D

Mit den Wanderern: Dumm gelaufen, in jeder Beziehung... :D
Meiner Meinung nach sollte es hier allerdings durchaus einen Ermessungsspielraum geben. Zugbegleiter kennen ihre "Pappenheimer" sicherlich meist, und können durchaus beurteilen, ob tatsächlich eine Art "Notfall" vorlag - gerade beim letzten Zug des Tages - oder ob da jemand schlicht keine Lust hatte sich die Fahrkarte zu kaufen. Jemanden aus dem letzten Zug zu werfen, sollte immer die Ultima ratio sein. Die Wanderer werden möglicherweise die Bahn auf Lebenszeit verfluchen, und die Geschichte, die nun durch die Presse geht, dürfte auch wenig zum "guten Image" der Bahn beitragen. Da sollte man auch dran denken. :wink:

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Re: Bahnärger und Kompetenzgerangel im Lahntal

Beitragvon Dieselpower » Fr 3. Aug 2018, 16:24

Nun, das mit dem Trauerspiel deutscher Bahninfrastruktur (Aufstellung der Automaten, WCs etc.) ist natürlich auch richtig.
Ermessensspielraum ja, aber nur unter bestimmten Restriktionen. In UK gibt es z.B. eine "Penalty fare" - steigt man ohne Ticket irgendwo ein, wo nix ist, bekommt man sämtliche Fahrscheinarten mit oder ohhne Ermäßigung beim Zugbegleiter - vorausgesetzt, man meldet sich sofort. Gibt es am Einstiegsbahnhof jedoch Automaten oder (noch häufiger) einen besetzten Schalter, gibt es beim "train guard" lediglich Normalpreistickets mit Nachlösezuschlag, also keine Ermäßigung zzgl. einer Gebühr. Die ist nicht so saftig wie bei uns, aber man spürt den Unterschied deutlich, besonders, wenn man eine Ermäßigungskarte hat...

Die belgische "De Lijn" kennt nur "Ticket oder kein Ticket", und hat drei Stufen der Pönalisierung:
1. Fahrt ohne Ticket: 50 €
2. Fahrt ohne Ticket: 200 €
3. Fahrt ohne Ticket: 500 € Plus halbjähriges Hausverbot in allen De Lijn-Verkehrsmitteln
Wobei sich die Zählung der Schwarzfahrten immer auf den Zeitraum eines Jahres bezieht. Also nach einem Jahr ist man wieder "unbescholten".

Möglichkeiten gibt es viele! Man muß sie nur umsetzen - nichts anderes hat die Kollegin gemacht, und die "bösen" Kollegen, von denen man so oft liest, auch. Da sind die Verantwortlichen gefragt, nicht die letzten verstreuten Mohikaner vor Ort, die sich immer vor allen und jedem rechtfertigen müssen, egal ob "Fahrgast" oder Chef!

Tante Edit hat nen Flüchtigkeitsfehler beseitigt...
Zuletzt geändert von Dieselpower am Fr 3. Aug 2018, 16:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bahnärger und Kompetenzgerangel im Lahntal

Beitragvon Dieselpower » Fr 3. Aug 2018, 16:31

Ach und noch etwas....

Der gewählte Titel des Artikels trifft den Nagel zu 100% auf den Kopf, heute steigt doch niemand mehr durch, wer hier eigentlich noch für was wirklich zuständig ist:

Land, Aufgabenträger, Verkehrsunternehmen....? Und bei Strecken, die mehrmals Verbund- bzw. Landesgrenzen queren, wird es ganz schrecklich, trotz zaghafter, hilfloser Versuche der kundenfreundlichen Behandlung von Tarifwirrwarr wie "Übergangstarife" o.ä.!

Übergangstarif....und da kommen dann so Mißgeburten raus, wie: Ticket A>B kostet € 3,05 und BahnCard wird akzeptiert, Ticket B>A kostet € 2,60 aber ohne BC-Akzeptanz! :roll:

Ach Gott, was war das früher einfach...von A nach B sind es x km, und x km kosten y DM! Für Paßinhaber die Hälfte! Wer schneller ans Ziel will, kauft für 3 DM einen D- oder für 5 DM einen IC-Zuschlag. Zu einfach für die heutige Heerschar der Schlauscheißer in den oberen Etagen, wie? :lol:


Ach so, und Thema "Presse" und Bahn-Image...:
a) Glaubwürdigkeit...ich sage nur "eine Stunde in nächtlicher Kälte...." - 24 oder 26°? :lol:
b) Presseregel Nr.2: Die Bahn kommt fast immer schlecht weg (Nr.1 nenne ich nicht - sollte bekannt sein!)
c) Das Image der Bahn kann auch die Presse selten noch drücken - und sie ist es selber schuld, schaut Euch nur sogenannte Dialogplattformen wie "inside.bahn" an!
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