Ältere Bilder Bf Wörrstadt

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stellwerk
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Ältere Bilder Bf Wörrstadt

Beitragvon stellwerk » Do 26. Jun 2014, 12:06

Angeregt durch das Thema "Wörrstadt" zeige ich hier http://rgebhard.de/seite974.htm mal
ein paar ältere Bilder des damaligen Bf Wörrstadt.
Viel Spass!

Rodrigo

Horst Heinrich
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Re: Ältere Bilder Bf Wörrstadt

Beitragvon Horst Heinrich » Do 26. Jun 2014, 16:28

Danke, Rodrigo für diesen Rückblick.
Leider war der Bf 2006 schon einige Jahre außer Betrieb, wenn auch das Stellwerk noch fast vollständig erhalten war, lediglich das Gütergleis zum Raiffeisen-Silo war bereits abgebaut.
Wörrstadt war -wie Saulheim, Mainz-Marienborn und Klein-Winternheim/Ober Olm- ein typischer rheinhessischer Bahnhof mit für die klassische Bundesbahn One-Man-Show (mittlere nichttechnische Laufbahn -allgemeiner Dienst) geradezu prädestinierter Aufgabenstellung:
Fahrkartenverkauf, Güter- und Expreßgutabfertigung, Reiseauskunft, Stellwerksbedienung einschließlich mehrerer Zugkreuzungen, regelmäßige Anschlußbedienung, daneben noch ein Postfernsprechanschluß (06732 - 2508 - Wallertheim hatte 2507 usw.) für fernmündliche Auskünfte und Beratungen.
Das Personal versah trotz der vielen Kompetenzen, die hier verlangt wurden, ausgeglichen und bestens motiviert seinen Dienst - nicht selten wurde in den Zugpausen noch das Umfeld gepflegt, Blumen gegossen, Fenster geputzt.
Zur Stammkundschaft bestand ein freundschaftliches Verhältnis, die meisten Eisenbahner kannten die Leute auch persönlich, denn wer einem Bahnhof fest zugeteilt war, hatte "Residenzpflicht", das heißt er mußte am Dienstort oder (-mit Ausnahmegenehmigung-) maximal 5 km entfernt wohnen.
In Wörrstadt und den anderen Bahnhöfen der Strecke konnte man Leute treffen, die seit 25, 30, ja gelegentlich 40 Jahre Dienst am selben Ort getan haben, allenfalls mal kurze Zeit abgeordnet an den Nachbarbahnhof.
All das, was in einen hervorragenden Dienst am Kunden mündete, war ja irgendwann nicht mehr gewünscht.
Angeblich aus Ersparnisgründen.
Aber - hat man nicht viel mehr verloren als gewonnen?

Jetzt kommt das zweite Wörrstädter Gleis wieder zurück, vielleicht auch bald ein Mitarbeiter am Kundenschalter.
Mal sehen.
Und vielleicht will auch Raiffeisen auch mal wieder zwei Wagen Getreide wegschicken, wer weiß.

Man muß sich überraschen lassen.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

jojo54
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Re: Ältere Bilder Bf Wörrstadt

Beitragvon jojo54 » Fr 27. Jun 2014, 10:54

Leider wird das Wörrstädter Bahnhofsgebäude mittlerweile anderweitig genutzt, so dass man dort keinen Schalter einrichten kann.

Ferner haben die örtlichen Raiffeisenkassen in RLP, wie auch in Hessen schon seit den neunziger Jahren keinerlei Interesse an eine Bedienung mit der Deutsche Bahn. Es wurden praktisch fast alle Gleisanschlüsse gekündigt und gleichzeitig der Straßenfuhrpark aufgerüstet.

Als Hauptgrund werden Unflexibilität bei der Wagengestellung und Abholung sowie lange Laufzeiten der Produkte genannt.

MfG
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Re: Ältere Bilder Bf Wörrstadt

Beitragvon Dieselpower » Fr 27. Jun 2014, 11:43

Ist ja auch kein Wunder...

Ein E-Wagen mit Blechabfällen soll von Puderbach nach Altenkirchen (15 km) gefahren werden. Was passiert? (Originalvorgang, selbst 2006 erlebt!)
Der Wagen wird in Puderbach abgezogen, mangels Umsetzmöglichkeit auf dem Hinweg, rollt erst mal nach Selters, entgegen der Zielrichtung, wird dann in Altenkirchen verwogen (Zehn Meter vom Empfänger entfernt!!!), läuft dann mit nach Scheuerfeld, wird dort von der Siegener Kreisbahn abgeholt, und nach Kreuztal gebracht, wo er über den Ablaufberg in die Fuhre der Gegenrichtung des Folgetages eingereiht wird. Am nächsten Morgen muß er in Betzdorf mühsam wieder ausrangiert werden, weil wieder mal mittendrin, statt nur dabei. Die Übergabe bringt ihn dann schließlich nach Altenkirchen zurück, wo er 18 Stunden vorher bereits einmal zum Verwiegen war....nur ein Gleis weiter.... :roll:

Ich könnte mir vorstellen, daß es solche Beispiele zu Hauf gab, und um zu wissen, daß da zwei LKW-Ladungen billiger und schneller wären, braucht man sicher nicht studiert zu haben...
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
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Re: Ältere Bilder Bf Wörrstadt

Beitragvon Horst Heinrich » Fr 27. Jun 2014, 16:05

Marko hat ein passendes Beispiel aus dem Westerwald von 2006 parat - ich eines aus den fast noch "golden" zu bezeichnenden Bundesbahnjahren, 1976, Strecke Gau-Odernheim - Osthofen (ex KBS 662), Einstellung des Pv 1974.
Landhandlung Ernst Kammerschmitt, Hillesheim/Dorn-Dürkheim, ein treuer Bahnkunde mit recht viel Güteraufkommen:
Düngemittel, Saatgut, Kartoffeln, Weinbergspfähle, Baustoffe, Brennstoffe usw. Oftmals drei Übergaben pro Woche.
Alles wird verkehrsgünstig vom Rhein (Worms) über Osthofen zum Bestimmungsbahnhof gefahren.
Dann nimmt die DB zwischen Monzernheim und Dittelsheim-Heßloch 1500 Meter Gleise heraus und teilt die Strecke in zwei Teile.
Jetzt wird die Firma Kammerschmitt über Worms-Monsheim-Alzey-Gau-Odernheim beliefert, der Laufweg verlängert sich um das Vierfache, die Kosten schnellen nach oben, die Bahn fährt ihn statt dreimal in der Woche jetzt nur noch einmal an.
Die Mehrkosten kann und will er nicht an die Kunden weitergeben, er bezahlt sie von seinem ohnehin knappen Gewinn (der Monopolist Raiffeisen macht ihm schwer zu schaffen).
Trotzdem hält er durch und bleibt ein überzeugter Kunde der Bahn.
1994 mach die Bahn mit Mora C dem ganzen ein Ende.
Inzwischen ist die Strecke abgebaut.

Hier ein schönes Foto von einer typischen rheinhessischen Übergabe von der Landhandlung Kammerschmidt 1984.
Bild: Andreas Tscharn
Bild
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Re: Ältere Bilder Bf Wörrstadt

Beitragvon jojo54 » Fr 27. Jun 2014, 19:18

Alles Vergangenheit - leider !!!

Man muss an die Zukunft denken.

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Re: Ältere Bilder Bf Wörrstadt

Beitragvon Dieselpower » Sa 28. Jun 2014, 10:15

Wenn ich an die Zukunft denke, und das "Heute" (2014) als Zukunft von gestern (1984) betrachte, wird mir ganz schlecht, und die Suche nach einem neuen Hobby beginnt. :roll:
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Re: Ältere Bilder Bf Wörrstadt

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 28. Jun 2014, 11:38

Ich möchte noch eine Ergänzung zu Rheinhessen und insbesondere Hillesheim - Dorn-Dürkheim nachtragen, da die Bahn immer auch von Menschen geprägt wurde.
In dem -mittlerweile auch abgerissenen- Empfangsgebäude wohnte eine der letzten Bahnagentinnen der DB, Frau Alma Fries.
Sie besorgte bis zum September 1974 den Fahrkartenverkauf und anschließend noch ein paar Jahre die Güterabfertigung.
So lange sie hier lebte, hielt sie das Bahngebäude mit besonderer Pflichttreue und Akribie in Schuß und konnte mit einer Fülle von Geschichten aufwarten, z.B. von armen Hillesheimer Familien, die sich nach dem Krieg den Kohlenstaub aus dem Ladegleis aufkehrten, um ihn mit Hobelspänen aus der örtlichen Schreinerei mischten und als Brennstoff benutzten.
Denn Rheinhessen war längst nicht so wohlhabend, wie es heute "rüberkommt" angesichts des massenhaften Zuzugs wohlhabenden Menschen aus den Mainzer Umland.
Als die DB in den 1980er Jahren daran ging, die Bahnhöfe entlang der Strecke zu verkaufen, mußte Alma Fries auf ihre alten Tage noch ihre Wohnung im ersten Stock des Bahnhofs aufgeben, was sie nie so richtig verkraften konnte.
Ich war zum ersten Mal kurz vor Einstellung des Personenverkehrs in dem Bahnhof, damals meinte man, die Zeit sei 60 Jahre stehen geblieben - er wäre im besten Sinne denkmalwürdig gewesen.
Damals wurde die Strecke mit den letzten VT 95 des Bw Mainz befahren, auf den übrigen rheinhessischen Strecken dominierten bereits die ETA 150.
Gekauft wurde Bahnhof nebst Garten später von der ortsansässigen Maschinenbaufirma Rationator.
Sie ließ den Bahnhof abreißen und auf dem Gelände einen Parkplatz errichten.
Das freilich hat Alma Fries aber nicht mehr erlebt.
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Re: Ältere Bilder Bf Wörrstadt

Beitragvon jojo54 » Sa 22. Nov 2014, 20:30

Horst Heinrich hat geschrieben:
Und vielleicht will auch Raiffeisen auch mal wieder zwei Wagen Getreide wegschicken, wer weiß.

Man muß sich überraschen lassen.


Das mit den Getreidewagen kann man endgültig vergessen, weil man im Rahmen der Umbauarbeiten die Gleise (oder was davon übrig war) zum Raiffeisenlager abgebaut hat.

Sachstand vom 22.11.2014, 14:30 Uhr

MfG
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