Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Kubuku
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Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Kubuku » Sa 12. Mär 2016, 20:47

Hallo

habe mal eine Frage. Auf der Strasse nach Bockenheim liegt auf der linken Seite der Strasse ein Gleis im Teer. Dahinter ein Miniwaldstück. Wo kommt es her und wohin führte es ? Auf google earth ist dies auch zu erkennen. Könnte dies von Albsheim nach links abgegangen sein ? Ladegleis ? Über Antworten Ortskundiger würde ich mich freuen. Danke im Voraus

Kurt

Horst Heinrich
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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 12. Mär 2016, 23:39

Kubuku hat geschrieben:Hallo

habe mal eine Frage. Auf der Strasse nach Bockenheim liegt auf der linken Seite der Strasse ein Gleis im Teer. Dahinter ein Miniwaldstück. Wo kommt es her und wohin führte es ? Auf google earth ist dies auch zu erkennen. Könnte dies von Albsheim nach links abgegangen sein ? Ladegleis ? Über Antworten Ortskundiger würde ich mich freuen. Danke im Voraus

Kurt


Kannst Du mal näher beschreiben, wo das Gleisstück liegt?
Die Pfälzer Strecken waren in den 1970er und 1980er Jahren mein "Beritt" und ich kenne noch manchen Meter Schiene, den es heute nicht mehr gibt.
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Kubuku
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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Kubuku » So 13. Mär 2016, 10:44

Hallo Horst

Relativ einfach zu beschreiben. Wenn man von Grünstadt kommend die Strasse nach Bockenheim fährt kommt kurz vor Bockenheim auf der linken Seite eine winzige Grün/Waldfläche inmitten der Äcker. Genau dahinein führen die Gleise. Auf google earth bestens zu erkennen.

49°35`43,74 N

Danke für Info

Kurt

Horst Heinrich
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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Horst Heinrich » So 13. Mär 2016, 12:30

Hallo Kurt, in der Pfalz gab es unzählige kleinere Gruben, aufgelassene Betriebsstätten (z.B. Ziegeleien etc.) und ex-Sand- und Steinbrüche, die man in den 1940, 1950er, 1960er und sogar noch bis in die 1970er Jahre -oft illegal oder bei Desinteresse der zuständigen Behörden- als Deponien zur Entsorgung teils giftigsten Sondermülles nutzte. Hier waren auch Großbetriebe wie Hoechst/Frankfurt oder die BASF involviert, die hier über windige "Entsorger" mitmischten.

Gerne wurden hier Gewerbe- und Industriebrachen an überregionalen Straßen (z.B. B 271) oder Bahnstrecken herangezogen.

Von diesen Lagerstätten sind etwa 5% saniert, 30% sind bekannt, aber eine Sanierung scheitert meist an den Kosten, 65% sind weitgehend unerforscht oder unentdeckt.
Oft weiß man, daß "hier mal was war", aber man läßt Gras, Sträucher und Bäume drüber wachsen.

Ob es sich bei der von Dir zitierten Örtlichkeit bei Bockenheim um eine solche Fläche handelt, weiß ich nicht, es ist aber zu vermuten.
Hier füge Dir und anderen Interessierten mal einen Link zum Einlesen in die Thematik bei.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41708404.html

Speziell zu Deinem Gleisrest habe ich im Moment noch keine genaueren Anhaltspunkte. Es müßte sich um einen Anschluß gehandelt haben, der entweder zwischen Grünstadt und Bockenheim von der Strecke Grünstadt-Monsheim abgegangen ist, oder schon im Bf Grünstadt bekann und dessen Trasse später zum Bau der B 271-Umgehung genutzt wurde.

Ich schaue mal, was ich noch in Erfahrung bringen kann.

Einstweilen herzliche Grüße,

Horst.
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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Kubuku » So 13. Mär 2016, 18:54

Hallo Horst

Danke für die hochinteressante Info!!

liebe Grüße

Kurt

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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Kai » So 13. Mär 2016, 20:13

Hallo Kurt,

ich komme zwar nicht aus der Gegend, aber solche Sachen interessieren mich immer. Leider habe ich auf Googlemaps trotz deiner Beschreibung nichts finden können. Kannst Du nochmal einen Link zu der Stelle setzen? Ich habe auch mal ein wenig durch die Gegend gegoogelt, konnte aber nichts dazu finden. Mit der Verbindungskurve Asselheim-Albsheim kann es ja eigentlich nichts zu tun haben.

Gruß,
Kai
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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Lochris » So 13. Mär 2016, 20:34

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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Horst Heinrich » So 13. Mär 2016, 22:06



Genau hierauf bin ich auch gestoßen, es handelt sich um eine, offiziell im aktuellen Flächennutzungskataster als "Regenrückhaltebecken" ausgewiesene Fläche. Andererseits: Bis an genau diese Stelle hat die B 271-Umgehung von Grünstadt aus westlich noch einen recht breiten Grünstreifen, er könnte noch von einer alten Bahntrasse stammen. Danach (bis Bockenheim) gibt es diesen Grünstreifen dann nicht mehr.

Die B-271-Umgehung um Grünstadt herum wurde in den frühen 1980er Jahren gebaut.
Das hat man von den Zügen aus zwar noch gesehen, aber wenn man von Grünstadt aus Bockenheim-Kindenheim mit dem ETA 150 angefahren ist, lag der Focus natürlich auf der Beobachtung der Strecke, zumal es hier einige BÜ gab. 8)

Ab Juni 1984 war die Strecke dann aber für den Pv stillgelegt und ich kam so gut wie gar nicht mehr auf diesen Abschnitt, es sei denn zur Zuckerrübenzeit

Der Ursprung dieser Grünfläche freilich läßt sich klären. Ich bleibe am Ball und werde berichten, meine Neugier ist geweckt.

Kai hat geschrieben: Mit der Verbindungskurve Asselheim-Albsheim kann es ja eigentlich nichts zu tun haben.

Gruß,
Kai

Asselheim lag an der Strecke Grünstadt-Enkenbach und Albsheim an der Strecke Grünstadt-Worms, letztere wurde bis Offstein noch als Zubringer zum Zuckerwerk der Südzucker genutzt, von Worms bis Offstein -1988 stillgelegt- ist sie bereits abgebaut.

Übrigens ein eisenbahnfachlicher Anachronismus erster Ordnung, typisch für die 1960er, 1970er und 1980er Jahre, als es galt, die Bahn kaputtzumachen, denn die Zuckerrüben aus dem Ried, dem Altrhein und der Region Worms mußten nun erst über Monsheim oder Frankenthal umständlich nach Offstein herumrangiert werden.

Andererseits war dieser Streckenkonstellation auch noch der Vorhalt größerer Gütergleisreserven in Monsheim und Grünstadt zu verdanken und nicht zuletzt der Einsatz der V 160, die die, von der V 60 und der V 100 "vorgelieferten" und dann zu überlangen Gz nach Offstein zusammengestellten Züge brachten.

V 160 + V 100 Nachschub (oder V 100 + V 160 Nachschub) . Solche Zuckerrübenzüge wurden noch 1989 über Grünstadt nach Offstein gefahren!

Bild


Kleine Ergänzung zum Bahnbetrieb rund um Grünstadt.

Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein gab es eine Verbindungskurve, über die man direkt von der Bahnstrecke Enkenbach-Grünstadt auf die Bahnstrecke Grünstadt-Worms und umgekehrt, aber auch Richtung Monsheim gelangen konnte, also eine Direktverbindung von Asselheim nach Albsheim gewissermaßen um den Bf Grünstadt herum.
Das ersparte das Kopfmachen.
Auf weiten Teilen dieser Trasse befindet sich heute das Rudolf-Harbig-Stadion am Hp Grünstadt-Nord.
Möglicherweise ging von dieser Kurve ein Gleisanschluß zu besagter Fläche an der B 271 vor Bockenheim.

Andere Variante:
Bockenheim bestand ja einmal aus zwei Ortsteilen: Groß-Bockenheim und Klein-Bockenheim und es gab hier einen vollwertigen Bf mit umfangreichen Gleisanlagen.
Wenn man die heutige K 27 zwischen (Groß-)Bockenheim und Obrigheim befährt, stand in Fahrtrichtung Obrigheim rechts vor dem BÜ ein recht großes Dienstgebäude, fast schon vom Charakter einer Blockstelle.
Auch hier hätte ein "Stichgleis" zu besagter Strecke von Bockenheim aus abgehen können.
Das sind ja Luftlinie nicht einmal 600 Meter.
Und Bockenheim war -was man noch in den 1970er Jahren sehen konnte- einmal ein recht stattlicher Betriebsbahnhof.
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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Steffen » Mo 14. Mär 2016, 21:34

Interessante Diskussion!

Ich hatte zuerst auch an die verbindungskurve oder an Reste der Bahn Frankenthal-Großkarlbach gedacht, aber beides liegt zu weit entfernt von diesem Punkt.

Auf der ältesten mir vorliegenden Karte ist an besagter Stelle nichts zu finden (frühe Nachkriegsjahre):
http://contentdm.lib.byu.edu/cdm/singleitem/collection/GermanyMaps/id/3371/rec/2

und hier:
http://contentdm.lib.byu.edu/cdm/singleitem/collection/GermanyMaps/id/3331/rec/2

Auf dem oberen Ausschnitt ist der Damm der Kurve sehr gut zu erkennen. Weitere Anschlussgleise dorthin kann man für diese Zeit ausschließen.
Entweder es kam später etwas oder es gibt eine andere Erklärung für die "Gleisreste".
Vielleicht kann jemand mal Bilder davon einstellen.
Viele Grüße
Steffen

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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Horst Heinrich » Mo 14. Mär 2016, 23:32

Steffen hat geschrieben:Interessante Diskussion!

Ich hatte zuerst auch an die verbindungskurve oder an Reste der Bahn Frankenthal-Großkarlbach gedacht, aber beides liegt zu weit entfernt von diesem Punkt.

Auf der ältesten mir vorliegenden Karte ist an besagter Stelle nichts zu finden (frühe Nachkriegsjahre):
http://contentdm.lib.byu.edu/cdm/singleitem/collection/GermanyMaps/id/3371/rec/2

und hier:
http://contentdm.lib.byu.edu/cdm/singleitem/collection/GermanyMaps/id/3331/rec/2

Auf dem oberen Ausschnitt ist der Damm der Kurve sehr gut zu erkennen. Weitere Anschlussgleise dorthin kann man für diese Zeit ausschließen.
Entweder es kam später etwas oder es gibt eine andere Erklärung für die "Gleisreste".
Vielleicht kann jemand mal Bilder davon einstellen.


Dank Deiner Karten, Steffen, können wir nun die Zeit ab 1945 ziemlich lückenlos abklären. Ich habe noch ein Karte von 1893, auch hier ist an besagter Stelle außer -wie auf Steffens Karte- dem kurzen Wegstück mit zwei Häusern nichts zu sehen, keine Spur etwa von einer "Stichstrecke".

Jetzt kann es natürlich sein, daß hier im Zuge des Ersten Weltkrieges noch etwas entstanden ist, ähnlich der Firma Espagit in Hallschlag und zwischen den Kriegen wieder verschwunden ist. Mal sehen, was wir noch ermittelt bekommen.

Nachtrag:
Auch auf dem mir vorliegenden Meßtischblatt des Staates Bayern von 1938 (die Pfalz war ja bis 1945 weitgehend bayerisch) ist die Parzelle nicht mit einem Gleisanschluß versehen.

Damit schwinden m.E. die Chancen, daß der Gleisanschluß vor 1945 bestanden hat, denn dann müßte auf der Karte von 1938 noch etwas zu sehen sein, z.B. Reste der Trasse.

Die Topographische Karte 1:25000 liegt beim Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation als CD-Rom-Version in der Version "Landschaft im Wandel" vor (Preis: 19,90 € zzgl. Versand).
Diese Karte, im Fachjargon LaWa genannt, enthält ca. 8-10 Meßtischblätter der Jahre etwa 1850 bis ca. 1995, jahreszahlenmäßig unregelmäßig gestaffelt, mit ihr ließe sich die Zeit ab 1945 bis heute klären.
Ich besitze noch ein entsprechendes Meßtischblatt von Grünstadt(West) aus dem Jahre 1988, auch hier ist kein Gleisanschluß verzeichnet. Ab den 1970er Jahren bin ich die Strecke Monsheim-Grünstadt selbst regelmäßig befahren, auch für diese Zeit kann ich einen Gleisanschuß hier ausschließen.

In Asselheim gab es eine Ziegelhütte unweit der Reinhardsmühle. Ob die auf der besagten Parzelle gegraben hat, ist mir nicht bekannt, aber es ist möglich, denn sie hatte in der Gegend um Grünstadt etliche Gruben, später wurden diese Gruben gerne verfüllt, nicht immer mit legalem (siehe oben) Füllgut. :?

Bleibt also eigentlich nur die Zeit von 1945 bis etwa 1975, die man noch einmal genauer untersuchen müßte.
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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Steffen » Di 15. Mär 2016, 18:39

Diese angesprochene Kartenzusammenstellung vom Vermessungsamt klingt interessant.
Vielleicht ließen sich mit ihr auch meine offenen Fragen zur Eistalbahn und Enkenbach-KL klären.

Muss ich mir mal bestellen.

Nachtrag: die verlangen ja pro Ort / pro CD 19,90 Euro.

Das ist für die Vielzahl meiner offenen Recherche-Baustellen in ganz RLP doch etwas zu viel.
Viele Grüße
Steffen

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Re: Frage Anschluss bei Bockenheim ?

Beitragvon Lochris » Di 15. Mär 2016, 22:28

Ich hab die Stelle mal in NETGIS gesucht. Dort ist sie im Liegenschaftskataster als "Rückhaltebecken (470)" bezeichnet, wie schon von Horst angemerkt.
Auf den ziemlich hochauflösenden Luftbildern sieht man allerdings keine Schiene. Vielleicht handelt es sich auch nur um eine Markierung für Rohre unter der Straße o. Ä.
Fotos der Situation vor Ort würden vermutlich Aufklärung bringen.

NETGIS:
http://map1.naturschutz.rlp.de/mapserver_lanis/
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