Gleisreste vor Groß Gerau

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exil-kirner
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Gleisreste vor Groß Gerau

Beitrag von exil-kirner »

Hallo zusammen,

mal eine Frage an die Experten: wenn man aus Bischofsheim Richtung Darmstadt fährt, kommt man kurz vor Groß Gerau an einem Feld vorbei, auf dem deutlich erkennbare Reste von Gleisen liegen. Was befand sich früher einmal auf dieser Fläche?

hier mal der Google Maps Link
https://www.google.de/maps/place/Gro%C3 ... f0!6m1!1e1

Viele Grüße

Sascha

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KPO9
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Re: Gleisreste vor Groß Gerau

Beitrag von KPO9 »

Laut Google Earth war dort füher einmal eine Zuckerfabrik..

Gruß
KPO9
Bild

Lw
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Re: Gleisreste vor Groß Gerau

Beitrag von Lw »

In der Tat gab es dort bis 2007 eine große Zuckerfabrik. Das Ende der Zuckerfabrik ist z. B. hier dokumentiert:
http://www.fr-online.de/kreis-gross-ger ... 94514.html

Die Gleise dienten vor allem der Anlieferung der Zuckerrüben per Bahn. Mit der Umstellung auf "Feld-Rand-Abholung" Anfang der 90er Jahre standen sie meistens leer.

Kramer/ Schötz schreiben in ihrem Buch "Rübenzüge" (1. Auflage, 2001): "...1988 immerhin noch mit 290.210 Tonnen von insgesamt 29 Verladebahnhöfen bei einer durchschnittlichen Entfernung von 55 km zur Zuckerfabrik per Güterzug beliefert."

Kai
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Re: Gleisreste vor Groß Gerau

Beitrag von Kai »

Im März 2006 konnte ich dort einmal Werklok Nr. 4 beobachten:

Bild

Das war aber leider auch das erste und einzige Mal :( .
Bild

exil-kirner
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Re: Gleisreste vor Groß Gerau

Beitrag von exil-kirner »

Hi,

danke euch für die vielen Infos :-)

Gruß

Horst Heinrich
Oberrat A14
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Registriert: Sa 18. Okt 2008, 23:07

Re: Gleisreste vor Groß Gerau

Beitrag von Horst Heinrich »

Der faule Zauber um die Feldrandabholung der Rüben per Lkw -eine gigantische Steuerverschwendungs- und Subventionsmaschinerie, initiiert von der Landwirtschaftspolitik in Bund, in Hessen und Rheinland-Pfalz in den 1980er und 1990er Jahren, die dafür verantwortlich war, daß hunderte Kilometer Nebenbahnstrecken endgültig stillgelegt und abgebaut werden konnten- wäre wert, daß man ihm ein eigenes Buch widmet.

Dieses hier,
Lw hat geschrieben: Kramer/ Schötz schreiben in ihrem Buch "Rübenzüge" (1. Auflage, 2001): "...1988 immerhin noch mit 290.210 Tonnen von insgesamt 29 Verladebahnhöfen bei einer durchschnittlichen Entfernung von 55 km zur Zuckerfabrik per Güterzug beliefert."
sehr lesenswert, gibt es aktuell bei booklooker recht günstig.

http://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Kr ... 11Ny701ZZV

Hier die -für einen, der die wirklichen Hintergründe kennt- eine nur noch peinliche Selbstdarstellung zum Einlesen.

http://www.rheinhessen-gbr.de/

Ich habe damals meinen Omnibus- und Klasse-2-Führerschein selbst bezahlt (671 DM), und habe dafür "richtig fett" arbeiten müssen, den rheinhessischen Bauern hingegen, die angeblich für die GbR fuhren (50 mal mehr als es Lkw gab) wurde er von Staats wegen bezahlt... :(

Für unverbesserliche Nostalgiker hingegen:

http://www.drehscheibe-online.de/foren/ ... 17,1167361

oder von den forumseigenen "Machern":

http://www.nahebahn.de/ (siehe unter Gau-Algesheim-Bad Kreuznach < Rheinhessenbahn)
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

jojo54
Präsident der Deutschen Bundesbahn B11
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Re: Gleisreste vor Groß Gerau

Beitrag von jojo54 »

Fakt ist, dass zuletzt weder Landwirte, noch Bahn, noch Zuckerfabrik an Rübentransporte auf der Schiene Interesse hatten.

Oft genug habe ich fluchende Landwirte erlebt, die an den Bahnhöfen vergeblich auf die georderten Leerwagen gewartete haben und die ihre dringend benötigten landwirtschaftlichen Hänger bis zum nächsten Tag dort stehen lassen mussten.

Auch durften ab Anfang der achtziger Jahre ungereinigte Rüben mit Erdbehaftung wegen der Düngemittelrückständen nicht mehr angeliefert werden, so dass Verladungen über Hochrampen und ältere Verladeanlagen unmöglich wurden. Gleichzeitig waren weder Landwirte, noch Zuckerfabrik bereit, in neue Verladeanlagen mit Vorreinigungsbändern an den Bahnhöfen zu investieren.

Da war es einfacher, mit neuen Rübenmäusen (so nannte man die neuen Verlademaschinen) direkt am Feldrand auf den Lkw zu verladen und sich die Fahrt zum Bahnhof und den Ärger mit der Bahn zu ersparen.

Von den damals angekündigten Protesten (u.va. VCD) gegen die neue Feldrandabholung haben viele nie stattgefunden, weil man schnell die Vorteile der neuen Transportmöglichkeiten erkannte.

Tut mir leid, dass ich das als Bahn-Fan so schreiben muss, aber als gelegentlicher Helfer in der Landwirtschaft ist für mich das neue Abholsystem nur von Vorteilen.

MfG
jojo54

Horst Heinrich
Oberrat A14
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Re: Gleisreste vor Groß Gerau

Beitrag von Horst Heinrich »

Alles richtig, was Du schreibst, Joachim, aber man darf Ursache und Wirkung nicht verwechseln:
Die Politik wollte die Bahn raushaben und hat die Weichen entsprechend gestellt, alle anderen Beteiligten sich dann nur "aufgesprungen", oft, weil Ihnen nichts anderes übrig blieb.

Am Drolligsten finde ich übrigens das Argument mit den Düngemittelrückständen - die eine EU-Kommission möchte die Rückstände nicht haben, die andere genehmigt ihren Einsatz. Aber so war es ja schon immer, nicht nur in der Landwirtschaft. :?
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