Sinn und Folgen eines ESTW an der Lahn

TroubadixRhenus
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Re: Sinn und Folgen eines ESTW an der Lahn

Beitragvon TroubadixRhenus » So 5. Apr 2015, 22:05


Nein, ich mag keine EStw - und meine Erfahrungen sind alles andere als "schnell arbeitend" - schon mal drei Wagen in einem ferngestellten Bahnhof ausrangiert...?


...oder mal ne Az im ESTW-Bereich gefahren? Wie ein Schuss von hinten durchs Auge ins Knie... :roll:

Jürgen Lerch
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Re: Sinn und Folgen eines ESTW an der Lahn

Beitragvon Jürgen Lerch » So 5. Apr 2015, 22:20

Hallo,

die Langlebigkeit von mechanischen Stellwerken werden ESTW wahrscheinlich nie erreichen. Aber bei den mechanischen Stellwerken hast Du teilweise die gleichen Probleme: Man bekommt bestimmte Ersatzteile nicht mehr. So wird Friedberg gerade auf ESTW umgebaut und die alten Stellwerksteile werden anschließend für Reparaturzwecke in Hanau verwendet.

Es gibt in Deutschland schon ein ESTW (Murnau), dass durch ein neues ESTW ersetzt wurde. Murnau war 1985 das erste, was in Betrieb genommen wurde. Und es gibt "Plastikbahnen", wo man auch nach ein paar Jahren neue Triebwagen mit alten kuppeln kann (Flirt der HLB, welche dieses Jahr neu kommen). Die ESTW-Technik ist ja noch ziemlich neu. Da bleibt es nicht aus, dass die ersten Anlagen (quasi Prototypen) nicht so lange halten wie bei einem ausgereiften Produkt. Aber irgendwie muss man Erfahrungen sammeln und dies geht nur über die Praxis.

Soweit ich weiß, wird an der Lahn ein ESTW von Scheidt & Bachmann gebaut. Die sind klein, benötigen wenig Strom und sind kostengünstig. Ich konnte letztes Jahr auf der Innotrans mit einem Vertreter von Scheidt & Bachmann sprechen. Die ESTW verkaufen sich wie geschnitten Brot, weil die Anlagen der Konkurrenz größer und teurer sind. Und wenn man heute auf der Kurhessenbahn von Korbach nach Kassel fährt, dann bin ich über die Geschwindigkeitsunterschiede gegenüber früher schon erfreut. Das ganze Nordnetz der Kurhessenbahn wird ja von Kassel aus gesteuert.

Man kann ESTW auch lokal besetzen, wie in Bad Vilbel oder Altenstadt. Selbst in Bayern hat man jetzt ESTW wieder vor Ort besetzt, weil die Fahrdienstleiter nicht jeden Tag ins teure München fahren wollten. Dies wäre ein Betätigungsfeld für den Betriebsrat! ;-)

Viele Grüße

Jürgen

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Re: Sinn und Folgen eines ESTW an der Lahn

Beitragvon Dieselpower » So 5. Apr 2015, 22:42

Jürgen Lerch hat geschrieben:Und es gibt "Plastikbahnen", wo man auch nach ein paar Jahren neue Triebwagen mit alten kuppeln kann (Flirt der HLB, welche dieses Jahr neu kommen).


...was beim "Qualitätsprodukt aus Salzgitter" des gleichen EVUs schon wieder ganz anders aussieht - Die "grünen" haben ne gänzlich andere Software als die "gelben" und die "neuen", die jetzt bald kommen sollen, funktionieren mit keinen von beiden...

Jürgen Lerch hat geschrieben:Man kann ESTW auch lokal besetzen, wie in Bad Vilbel oder Altenstadt. Selbst in Bayern hat man jetzt ESTW wieder vor Ort besetzt, weil die Fahrdienstleiter nicht jeden Tag ins teure München fahren wollten. Dies wäre ein Betätigungsfeld für den Betriebsrat! ;-)


Ja, und die Fdl der HGK haben sich damals auch sehr gefreut, nicht mehr auf dem wohnortnahen Stellwerk zu arbeiten, sondern alle EStw-mäßig nach Hürth-Kendenich versetzt zu werden, wo die gleiche Anzahl Fdl nun wie die Hühner auf der Stange sitzen...besonders schön für die, die im Norden von Köln wohnten.
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Re: Sinn und Folgen eines ESTW an der Lahn

Beitragvon Dieselpower » So 5. Apr 2015, 22:52

Ist mir ja völlig klar, daß die Bahn nicht 300 Jahre lang mit Form(schönen) Signalen und Einheitselloks aus den 50ern fahren kann, die Frage war ja auch vielmehr, ob es immer diese schnellebige Computersch...e sein muß, bei der schon nach zwei Versionen nichts mehr kompatibel ist, und man monatelang immer neue Kinderkrankheiten ausmerzen muß.
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Re: ESTW Untere Lahn [Sammel]

Beitragvon Dieselpower » Mo 13. Apr 2015, 18:31

jojo54 hat geschrieben:Ein neuer Beitrag aus der Nassauischen Neuen Presse (Limburg) vom 13.04.2015.

http://www.nnp.de/lokales/limburg_und_u ... 80,1351452

MfG
jojo54



Bin ich froh, daß mir dieser Anblick nun nicht mehr regelmäßig zugemutet wird....
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Re: ESTW Untere Lahn [Sammel]

Beitragvon tobias_rath » Di 14. Apr 2015, 07:16

Dieselpower hat geschrieben:Bin ich froh, daß mir dieser Anblick nun nicht mehr regelmäßig zugemutet wird....


Man kann's natürlich auch übertreiben... Aber ist alles Geschmackssache ;)
Viele Grüße
Tobias

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Re: ESTW Untere Lahn [Sammel]

Beitragvon Dieselpower » Di 14. Apr 2015, 09:47

Was heißt denn "übertreiben"? Wenn Du die Lahntalbahn nur mit klassischen Bahnsteigen, Telegrafenleitungen, Formsignalen und Fahrdienstleitern kennst, und jetzt von "neuen Bahnsteigen, Ks-Signalen & Co." liest, und das Bild von dem Betonklotz in Nassau dazulegst, an die widerlichen aufgeständerten Kabelkanäle denkst, und rekapitulierst, welch optische Einbuße die (betrieblich ja durchaus positive) Einführung von GSM-R mit seinen "attraktiven" Schalthäuschen und "dezenten" Masten schon gebracht hat, freue ich mich, die Strecke nun wenigstens noch in halbwegs guter Erinnerung zu behalten. Irgendwie ist für "Ästhetik" halt kein Geld da - obwohl ein wenig Ästhetik mit Sicherheit auch nicht soooo viel teurer wäre. Schau nur mal über die Grenzen, und damit es nicht heißt "Der immer mit seiner Insel" - schau dir halt mal z.B. Pepinster an, einen Keilbahnhof in Belgien zwischen Verviers und Liège...wo anders geht es auch in "nett anzusehen" - warum wird bei uns alles so steril und potthäßlich modernisiert???
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Re: ESTW Untere Lahn [Sammel]

Beitragvon TroubadixRhenus » Di 14. Apr 2015, 10:40

Fällt mir wieder ein älterer Song von Wolfgang Niedeckens "BAP" ein:

"Saison der Container"

https://www.youtube.com/watch?v=-D4TPx6Wyy4

Und weil den Text vermutlich nicht jeder versteht:

http://www.bap.de/start/musik/songtexte/titel/saison-der-container

Handelt von der bereits vollzogenen und drohenden Entmenschlichung, sowie dem "plattmachen" gewachsener Strukturen, hier im Falle der Kölner Südstadt, die in vielen Bereichen progressiv und schleichend weiter betrieben wird. Unter dem Deckmantel von Rationalisierung, Fortschritt, Wirtschaftlichkeit und ein paar oberflächlichen "Annehmlichkeiten" versucht man dem gemeinen Volk dies alles schmackhaft zu machen - oft mit Erfolg.

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Re: ESTW Untere Lahn [Sammel]

Beitragvon Horst Heinrich » Di 14. Apr 2015, 11:02

Dieselpower hat geschrieben: Irgendwie ist für "Ästhetik" halt kein Geld da ..

Einspruch des Nationalökonomen, es geht hier nicht um Ästhetik, wir können ruhig ganz streng die Kostenseite betrachten, dann aber -wie ich schon öfters andeutete- bitte die makroökonomischen Kosten und nicht rein betriebswirtschaftlichen.

Ein EStw macht die ganze Strecke und den Betrieb um keinen Cent günstiger, im Gegenteil, für die Gesellschaft wird das ganze ein teurer Spaß, denn es bricht allein an der Lahn eine Wertschöpfung im sechsstelligen Bereich jährlich weg.
Eigentlich müßte man das ganze den Fans der Bahnrationalisierung einmal explizit vorrechnen, damit ein für alle mal mit dem gebetsmühlenhaften Schwachsinn von der besseren, weil effektiveren modernen Bahn aufgeräumt wäre, aber die Gefahr ist zu groß, daß so eine wissenschaftlich korrekte Ausarbeitung dann als Plagiat in irgendeiner modernen Masterarbeit landet (was mir schon zwei Mal passiert ist - aber sei's drum).
Hier praktisch das Vorwort zu einer früheren makroskopischen Berechnung über die Wertschöpfung eines Bahnhofes mittlerer Größe für den, den es interessiert).
http://www.das-rad-und-schiene-forum.de ... ung#p16249

Die Gesellschaft wird sich noch einmal nach dem seit 100 Jahren bewährten Betriebsverfahren, sich multifunktional verantwortlich fühlendem Vor-Ort-Personal (Fahrdienstleiter wie Udo Meister in Balduinstein haben die Aufgaben von gleich vier Mitarbeitern übernommen: Betrieb, Gebäudemanagement, Räum- und Streudienst, Kundenberatung) und vor allem nach deren konstanter Wertschöpfung zurücksehnen.
Nur ein Beispiel.

Ein A-8-Fahrdienstleiter hat im Laufe seines Lebens neben seinen originären Aufgaben in der Betriebsabwicklung und im Erhalt von Vermögenswerten (z.B. indem ein klassizistischer Bahnhof eben nicht von Vandalen heimgesucht [siehe Simmern], sondern durch liebevolle Pflege erhalten wurde) nicht nur seinem Unternehmen nachweisbar Nutzen gebracht, der mit dem Gehalt kaum abgegolten wurde, auch die Gesellschaft hat langfristig profitiert:
Das Einfamilienhaus wurde abgezahlt, die Kinder haben in einem sozial gefestigten Milieu -und das in einer strukturschwachen Region- ihren Weg gemacht, nebenbei wurden -und das unentgeltlich- viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit rund um Wohn- und Dienstort geleistet (Feuerwehr, Gemeinderat, Ortsbürgermeister, Vereinswesen etc.) und selbst
im Alter profitieren alle noch von dem pensionierten "anachronistischen" und "uneffektiven" Bundesbahnbeamten:
Die Enkelkinder bekommen noch Zuschüsse zu Führerschein, Auto oder zur Miete für die Studentenbude bzw. der ersten eigenen Wohnung als junger Arbeitnehmer. Umverteilung einmal anders.
Die bundesweit paar hundert angestellten EStw-Bediener in den Betriebszentralen fernab ihres sozialen Umfeldes können das alles gar nicht auffangen und nach 30 Jahren Dauerberieselung mit elektronischen Impulsen sowie optischer und akustischer Reizüberflutung wird für sie allenfalls eine Rente knapp über der Sozialhilfe herausspringen.
Aber Hauptsache die Regionalbahn zwischen Koblenz und Gießen kann nun für 30 Cent pro Zugkilometer günstiger betrieben werden, wobei die eingesparten 30 Cent mitnichten dem Finanzier des ganzen, dem Steuerzahler, zurückerstattet werden, sondern in den unendlichen Weiten der Zweckverbände, Aufgabenträger, Aufsichtsgremien und EVU's versumpfen.
Lahntalbahn 2015 - schöner, moderner, effektiver... wer's glaubt...
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

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Re: Sinn und Folgen eines ESTW an der Lahn

Beitragvon jojo54 » Di 14. Apr 2015, 16:10

Die Dinge, bzw. die jetzt anstehenden Ereignisse wie im unteren Lahntal wird man nie und nimmer aufhalten können. Da helfen auch wortreiche Textbeiträge hier im Forum nicht weiter.

Für mich sind die ganzen Diskussionen mittlerweile nicht mehr nachvollziehbar. Es ist doch schon alles gesagt und immer wird noch auf die Tränendrüse gedrückt. Die Zeiten ändern sich. Das habe auch ich oft genung einsehen müssen.

Wer dennoch glaubt, dass er eine Chance hat, dem empfehle ich die beginnenden Planungen für Zentralstellwerke an der Oberwesterwaldbahn oder dem Abschnitt Limburg - Wetzlar auszubremsen und hierfür sein ganzes Engagement einzusetzen.

Vielleicht können dann noch Arbeitsplätze gerettet werden.

Nachdenklich
jojo54

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Re: ESTW Untere Lahn [Sammel]

Beitragvon Knipser1 » Di 14. Apr 2015, 16:38

Dieselpower hat geschrieben:Was heißt denn "übertreiben"? Wenn Du die Lahntalbahn nur mit klassischen Bahnsteigen, Telegrafenleitungen, Formsignalen und Fahrdienstleitern kennst, und jetzt von "neuen Bahnsteigen, Ks-Signalen & Co." liest, und das Bild von dem Betonklotz in Nassau dazulegst, an die widerlichen aufgeständerten Kabelkanäle denkst, und rekapitulierst, welch optische Einbuße die (betrieblich ja durchaus positive) Einführung von GSM-R mit seinen "attraktiven" Schalthäuschen und "dezenten" Masten schon gebracht hat, freue ich mich, die Strecke nun wenigstens noch in halbwegs guter Erinnerung zu behalten. Irgendwie ist für "Ästhetik" halt kein Geld da - obwohl ein wenig Ästhetik mit Sicherheit auch nicht soooo viel teurer wäre. Schau nur mal über die Grenzen, und damit es nicht heißt "Der immer mit seiner Insel" - schau dir halt mal z.B. Pepinster an, einen Keilbahnhof in Belgien zwischen Verviers und Liège...wo anders geht es auch in "nett anzusehen" - warum wird bei uns alles so steril und potthäßlich modernisiert???




Mit etwas guten Willen und vermutlich nur geringen Mehrkosten ginge es durchaus auch anders.
Die Kabelkanäle in grau, grün oder braun anstatt weiß wären deutlich weniger auffällig, und das es auch die GSM-R -Masten in Braun statt in dem hellen grau gibt kann man sich in und um Monreal anschauen - da stehen die nämlich....
Aber wenn dem zuständigen Sachbearbeiter der sich um die Ausschreibungen kümmert ein gewisses Maß an Sinn für Ästhetik in der Landschaft fehlt, er vermutlich auch noch nie im Lahntal war und die "farbgedeckte" Ausführung auch von keiner Kommune etc. gefordert wird - dann wird halt der Standard geliefert und verbaut.
Die Lahntalbahn soll zukunftsfähig und keine Museumsbahn werden, ok. Da bin ich mir dabei.
Mir ist auch lieber, da fahren in 20 Jahren noch Züge an GSM-R Masten vorbei als das an der Lahn nur ein Radweg entlang (dann ohnehin durch entsprechendes "Fachpersonal") geplünderten Telegraphenleitungen führt.
Aber es geht auch -bei gutem Willen- mit etwas mehr Sinn und Verstand..

meint

Guido
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