Cramberger Tunnel: Umgestürzter Baum behindert Zugverkehr

eta176
Präsident der Deutschen Bundesbahn B11
Beiträge: 6753
Registriert: Do 21. Jun 2007, 19:52

Cramberger Tunnel: Umgestürzter Baum behindert Zugverkehr

Beitragvon eta176 » Mi 30. Mai 2018, 10:30

Ein umgestürzter Baum vor dem Ostportal des Cramberger Tunnel sorgte am Abend des 29. Mai für
zahlreiche Verspätungen und wohl auch Zugausfälle. RB 12628 (ab Balduinstein 18:56 Uhr) konnte
aufgrund der langen Gerade noch rechtzeitig vor dem Hindernis bremsen und wahrscheinlich über
GSM-R einen Nothalt-Auftrag an die entgegenkommende RB 12627 von MY Ost (ab Laurenburg um
18:55 Uhr) absenden. Wäre der Zug ungewarnt aus dem Tunnel gekommen, hätte er nicht nur den
Baum, sondern auch den unmittelbar dahinter stehenden Triebwagen erwischt.

Nach kurzer Zeit wurde entschieden, den Triebwagen in den Bahnhof Balduinstein zurückzusetzen,
damit die Reisenden aussteigen konnten. Der Triebwagen traf dann gegen 19.15 Uhr am Bahnsteig
ein. Dann dauerte es recht lange, bis eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen getroffen war.
(Es reichte einem Ehepaar für ein Abendessen im Gasthaus Hergenhahn :P ). Gegen 20:50 Uhr
hatte der Triebwagen umgesetzt auf Gleis 2 und sollte dann - trotz mitfahrender Zugbegleiterin -
als (unbesetzte) Leerfahrt zurück nach Limburg geschickt werden. Nachdem dann offenbar doch
eine "besetzte Leerfahrt" genehmigt war, sollte diese ohne Fahrgastwechsel in Fachingen und Diez
erfolgen, obwohl der Zug in der Fahrplanlage einer ausfallenden RB unterwegs war.
Gegen 20:50 Uhr begann dann die Fahrt nach Limburg. Ob es in Fachingen und in Diez zu einem
Halt mit Fahrgastwechsel gekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Die Strecke war laut DB Regio Südwest erst um 21.45 Uhr wieder frei gegeben worden. Aus welchem
Grund der nach rund einer Stunde vor Ort eingetroffene Notfallmanager von DB Netz nicht die (kosten-
pflichtige) Hilfeleistung der FFW Balduinstein angefordert, sondern die Störung zeitaufwendig mit eigenen
Mitteln beseitigt hat, bleibt offen. DB Regio hatte nur für Reisende der RB12628 schon Taxi-Gutscheine bis
hin nach Ahrweiler ausgestellt, da es gegen 21 Uhr noch hieß, die Strecke könne bis zum Betriebsschluss
nicht freigegeben werden.
Hätten Reisende zufällig eine Kettensäge dabei gehabt (und aussteigen dürfen) wäre der Spuk nach etwa
30 Minuten und nicht erst nach 2 Std 45 Min vorbei gewesen ...


Spätestens ab 2021 - mit Erneuerung des Cramberger Tunnels - wird ein Notfalleinsatz vielleicht einfacher,
weil dann die bisherige Fußgänger-Querung ausgebaut wird, um den neu anzulegenden Rettungsplatz vor
dem (in alter "Anmutung" erneuerten) Ostportal zu erreichen. (Mehr zu diesem Thema in Kürze).

Gruß
HaPe

Edit: Angaben nach weiteren Informationen aktualisiert am 31.05.2018, 13:45 Uhr

Notfallmanager
Schaffner A2
Beiträge: 34
Registriert: So 17. Jul 2016, 14:29

Re: Cramberger Tunnel: Umgestürzter Baum behindert Zugverkehr

Beitragvon Notfallmanager » So 3. Jun 2018, 14:34

Werte Leser dieses grottenschlecht recherchierten Geschripsels von eta176!

Als Betroffener, der vor Ort den Einsatz der Bahn leitete, möchte ich mich nun einmal zu den Fakten äußern, die am Abend des 29.05.18 zur Sperrung der unteren Lahntalbahn vor dem Nordportal des Cramberger Tunnels geführt haben. Um 19.10 Uhr wurde nach einem heftigen Gewitter lediglich eine Baumkrone gemeldet, die aus einem Steilhang vor dem Tunnelportal des Cramberger Tunnels herunterragte. Da die Strecke in diesem Bereich beidgleisig nicht mehr profilfrei befahren werden konnte, wurde, wie in solchen Fällen üblich, eine betriebliche Sperrung wg. Unbefahrbarkeit ausgesprochen und es wurden zwei Mann der Fahrbahn mit Kettensägen zur Einsatzstelle beordert. Man muss dazu sagen, dass diese Stelle von Balduinstein aus nur über einen engen und sehr steilen Feldweg zu einem Drehkreuzübergang möglich ist, den die FF Balduinstein mit den entsprechenden Gerätewagen ohne Allradantrieb überhaupt nicht hätte anfahren können. Alle Fahrzeuge der Fahrbahn und auch des Notfallmanagers verfügen über Allradantrieb und konnten daher bis zum Bahnkörper vorrücken. Von dem Bahnübergang aus mussten dann noch einmal 300 Meter zu Fuß zur Einsatzstelle zurückgelegt werden; d. h. auch die Gerätschaften mussten über diese Distanz am Mann getragen werden. Nach dem Eintreffen vor Ort gegen 19.30 Uhr begann man damit, die Baumkrone über dem Gleis mit einem Hochentaster zu beseitigen. Während den Arbeiten stürzten zwei weitere schwere Buchen mit einem Stammdurchmesser von jeweils über einem Meter um und blieben unter Spannung stehend über dem Gleisbett hängen und zwar so, dass sie jederzeit hätten weiter abstürzen können. Um kurz nach 20.00 Uhr traf dann auch der Notfallmanager vor Ort mit einer Kettensäge ein. Die Eintreffzeit lag völlig im Rahmen der üblichen Eingriffszeiten, die so in den Alarmplänen der Bundesinnenministerkonferenz festgelegt sind. Sebstverständlich wurde in Erwägung gezogen, die FF Balduinstein zur technischen Hilfeleistung hinzuzuziehen und das wird in solchen Fällen, entgegen der Falschmeldung, niemals von den Kosten solcher Einsätze abhängig gemacht. Wegen einer anfänglichen Baumkrone ist dies jedoch völlig unüblich und hätte den Einsatz wegen der schwierigen Zuwegung unnötig verzögert. Erfahrungsgemäß wäre es dann nämlich zu einem sehr zeitaufwändigen Fremdrettungseinsatz im Bereich der Bahnstrecke gekommen und die FF hätte spätestens nach dem Absturz der beiden Buchen weitere Kräfte des THW mit schwerem Gerät nachgefordert. Im Gegensatz zur FF hat das THW bei technischen Hilfeleistungen dieser Art eine Rüst- und Ausrückezeit von 2 Stunden. Anschließend wäre man mit schwerem Gerät und entsprechender Absturzsicherung in den Steilhang geklettert, um die Buchen fachgerecht zu beseitigen. Da es mittlerweile dunkel geworden wäre, hätte man eine künstliche Beleuchtung zu Fuß zur Einsatzstelle verbringen und auf- und anschließend auch wieder abbauen und abtransportieren müssen (inkl. Stromgenerator). Dieser Einsatz hätte bis weit nach Mitternacht gedauert und so entschloss man sich, die Baumfällaktion pragmatisch mit den vorhandenen Kräften der Bahn durchzuführen. Dabei kletterte ein Mitarbeiter samt Kettensäge in den Steilhang und durchtrennte die Stämme der Buchen so, dass sie komplett umstürzten und bis zur Bahnstrecke hinunterrutschen konnten. Wer so etwas schon einmal getan hat, der weiß, welcher Gefahr man sich dabei aussetzt, da man nie weiß, in welche Richtung ein unter Spannung stehender Stamm nach dem Durchtrennen ausschlagen kann. Anschließend wurden die Stämme profilfrei durch den Einsatz von 3 Kettensägen und 3 Mitarbeitern der DB Netz AG zerlegt, so dass die Strecke vor Einbruch der Dunkelheit bereits um 21.45 Uhr wieder freigegeben werden konnte. Man darf nicht verschweigen, dass diese Mitarbeiter durchaus ihre Gesundheit riskierten, um in einem sehr engagierten Einsatz die Strecke zeitnah wieder frei zu bekommen. Schneller hätte es unter keinen anderen Umständen gehen können.

Nun noch einmal zu den laienhaften Falschmeldungen und der Polemik des Wortschöpfers eta176: Es ist schon schlimm genug, dass sich dieser Schreiber nicht einmal mit den Verantwortlichen der DB Netz AG direkt in Verbindung gesetzt hat, die er im Übrigen persönlich sehr gut kennt. Er hätte sich ja auch einmal direkt vor Ort ein Bild von der Lage machen können. Aber vom Sofa aus derartige Fake News in die Welt zu setzen und das auch noch in der Samstagsausgabe der Nassauischen Neuen Presse vom 02.06.18 zu veröffentlichen, zeugt von einer unglaublich stümperhaften Pressearbeit und bringt neben der Bahn auch die Reputation einer seriösen Presse in Verruf, die offenbar ungeprüft jeden Mist veröffentlicht.

Der Gipfel dieser Wortkreationen ist der Kommentar, wonach Reisende, wenn sie zufällig eine Kettensäge dabei gehabt hätten, mal eben so die Bäume beseitigt hätten. Wer so etwas ohne Kenntnis der Örtlichkeiten schreibt, dem darf man schon einmal die Frage stellen, ob er beim Abfassen dieser Zeilen unter Drogen stand oder anderweitig den Verstand verloren hat.

So viel sei gesagt: Diese Falschmeldung wird für den Verfasser ein Nachspiel haben.

eta176
Präsident der Deutschen Bundesbahn B11
Beiträge: 6753
Registriert: Do 21. Jun 2007, 19:52

Umgestürzte Bäume behinderten Zugverkehr

Beitragvon eta176 » Mo 4. Jun 2018, 17:17

Sehr geehrter Herr Notfallmanager,
aufgrund der sehr sachlichen Darstellung des tatsächlichen Sachverhaltes - der so von den im Zug bzw. in den Stationen wartenden
Passagieren nicht wahrgenommen werden konnte - ergeben sich neue Fakten, die in einer ergänzenden Berichterstattung der in Diez
erscheinenden Rhein-Lahn-Zeitung am Mittwoch und ggf. auch der Limburger NNP veröffentlicht werden.

Wenn man den Unfallort sieht, stellt sich allerdings die Frage, ob Pragmatismus und schnelles Handeln einer guten Eigensicherung
vorzuziehen sind. Ich hätte an dem Abend nicht "Schutzengel" sein wollen, denn das hätte fürchterlich ins Auge gehen können :o

Den Schadensort mit den insgesamt drei im Hang liegenden Bäumen habe ich mir heute Mittag angesehen. Übrigens konnte ich dazu
mit meinem - nicht über Allrad verfügenden - Pkw über die Zufahrt bis zum Drehkreuz fahren. Auch aus der Gegenrichtung - über den
Betriebsweg zur Schleuse bzw. dem Einlaufstollen des Lahnkraftwerkes - wäre eine Anfahrt bis zum Fuß des GSM-R-Sendemastes un-
mittelbar neben dem Tunnelportal möglich gewesen, wenn nicht 150m vorher ein dort schon länger liegender Baum im Wege gewesen
wäre.
Die Feuerwehr der VG Diez verfügt im übrigen über einen Bahn-Rettungssatz mit Schiebeloren, mit denen sich die gut 400m vom Dreh-
kreuz-Überweg bis zur Schadensstelle auch mit schwerem Gerät leicht zu bewältigen gewesen wäre.

Das Wichtigste - für die Triebfahrzeugführer, die Reisenden und DB Regio Südwest - ist dennoch, dass mit dem GSM-R-Nothaltsignal
der sonst unvermeidliche Zusammenstoß der aus dem Tunnel kommenden Regionalbahn mit der Baumkrone und der unmittelbar vor
dem Hindernis aus Richtung Balduinstein stehenden Regionalbahn verhindert werden konnte! Dies wäre ohne diese Technik nicht mög-
lich gewesen und ein Zusammenprall - mit erheblich höheren Schäden an Material und ggf. Menschen - unvermeidbar geworden!

In diesem Sinne hoffe ich, die Wogen etwas glätten zu können und bitte - bei allem verständlichen Ärger - um Mäßigung!
Beste Grüße eta176 / hpg

Rolf
Amtsrat A12
Beiträge: 1117
Registriert: Do 1. Feb 2007, 21:39
Kontaktdaten:

Re: Cramberger Tunnel: Umgestürzter Baum behindert Zugverkehr

Beitragvon Rolf » Mo 4. Jun 2018, 22:42

Danke für die aufschlussreichen Darlegungen.

eta176
Präsident der Deutschen Bundesbahn B11
Beiträge: 6753
Registriert: Do 21. Jun 2007, 19:52

Re: Cramberger Tunnel: Umgestürzte Bäume behinderten Zugverkehr

Beitragvon eta176 » Mi 6. Jun 2018, 13:07

Der Redaktionsleiter der Diezer Rhein-Lahn-Zeitung hat sich eigens noch mal zum
Cramberger Tunnel auf den Weg gemacht, um die Schadensstelle - gemeinsam mit
einem aus dem Tunnel kommenden Zug - zu fotografieren.

Auf der ersten Seite für den Rhein-Lahn-Kreis (auch Ausgabe Bad Ems) wurde der
ergänzende und korrigierende Artikel am 6.6.2018 veröffentlicht. Auch online sind
Text und Foto verfügbar (wenn auch hinter Bezahlschranke):

Lahntalstrecke vor Portal des Cramberger Tunnels blockiert:
Weitere Bäume drohten aufs Gleis zu stürzen

https://www.rhein-zeitung.de/region/lok ... 24351.html


Zurück zu „Lahntal“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast