Lahntalbahn: Macht eine Elektrifizierung Sinn?

eta176
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Lahntalbahn: Macht eine Elektrifizierung Sinn?

Beitragvon eta176 » Mo 11. Jun 2018, 11:58

Über dpa kam am Samstagabend eine Meldung zu "Elektrifizierungen" von Strecken in Rheinland-Pfalz:

Wer in Rheinland-Pfalz Bahn fährt, ist noch überwiegend auf Strecken mit Diesel-Loks :roll: unterwegs.
Rund 42 Prozent des Netzes sind nach Angaben des Bündnisses "Allianz pro Schiene" elektrifiziert - das
sind nach (jüngsten Zahlen) 841 von 1982 Kilometern. Die Große Koalition will mit einer Förderinitiative
70 Prozent des Schienennetzes in Deutschland bis 2025 :shock: elektrifizieren - das wären etwa 3000 Kilometer
mehr als heute. Bisher sind rund 60 Prozent ausgebaut. Die rheinland-pfälzische Landesregierung will sich
für eine Elektrifizierung einsetzen, sobald der Bund sein Förderprogramm umsetzt.
https://www.welt.de/regionales/rheinlan ... achen.html

Merkwürdigerweise taucht dort und auch in einer - bereits vor einiger Zeit herausgegebenen - Broschüre des VDV
"Voll elektrisch" https://www.vdv.de/voll-elektrisch.pdfx?forced=true (pdf, 3,22 MB) die Lahntalbahn als poten-
tiell geeignet auf (beim VDV begründet mit Verlagerung von Güterverkehren und Durchbindungen im SPNV),
in der eigentlich sinnvolleren Rubrik für den Einsatz von Hybrid-Technik (ETLO / Brennstoffzelle) fehlt sie.

Auf die Schnelle ist am Sonntag der heute in den beiden Ausgaben der Rhein-Lahn-Zeitung erschienene Artikel
entstanden. Die Bildunterschrift mit der "Diesel-Elektro-Lok" ist allerdings dem bearbeitenden Redakteur zu
verdanken :wink: (Der Bildausschnitt in der online-Ausgabe ist "abenteuerlich" :lol: )
https://www.rhein-zeitung.de/region/lok ... 26621.html

Gruß HaPe

Carsten Frank
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Re: Lahntalbahn: Macht eine Elektrifizierung Sinn?

Beitragvon Carsten Frank » Di 12. Jun 2018, 20:41

Der politische Wunsch bis 2025 ist sicher für alle noch nicht geplanten (geschweige denn genehmigten) Projekte utopisch.
Dazu kommt dass die Lahntalbahn nun mal lange Abschnitte mit zahlreichen alten (engen) Tunnelabschnitten hat.
Ich könnte mir aber gerade diese Strecke als ein gutes Projekt für allmählich interessanter werdende Hybridlösungen vorstellen.
Diese machen aus meiner Sicht wegen dem Wirkungsgrad der Batteriespeicherung, vor allem aber auch wegen deren Gewicht nur Sinn wenn der Mix stimmt und nicht zu grosse Speicherkapazität gebraucht wird.

Hier sind beide Streckenenden und Wendebahnhöfe elektrifiziert. Das könnte kostengünstig von Gießen über Wetzlar bis Weilburg ausgedehnt werden.
In der Mitte hat man ein paar Minuten zum nachladen von Eschhofen bis Limburg (bzw. optional Diez).
Am anderen Ende hat man Koblenz - Niederlahnstein - evtl auch bis max. Bad Ems ausdehnbar auch wenn man evtl die erste Lahnbrücke ausklammern müsste.

Gruß
Carsten

hochwald
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Re: Lahntalbahn: Macht eine Elektrifizierung Sinn?

Beitragvon hochwald » Mo 30. Jul 2018, 14:40

So ein bischen Neuer Wein in alten Schäuchen ... da stehen ja auch Nahe- und Eifelstrecke drin die leider genausownig an der Rentabilität kratzen wie die Lahntalbahn. Die DBahn selber hat sicher kein Interesse daran, die kämpfen weiter mit Rückläufigem GV Aufkommen, wozu auch noch Strecken aufwerten um womöglich die Konkurrenz zu begünstigen.

Ja vielleicht träumen alle davon, die großen GZ Rheinschiene-Umleiter über die man seit Jahrzehnten spricht (für den migrigen PV auf den Strecken würden sicher Hybrid/Batteriefahrzeuge völlig ausreichen). Was auf der Eifelstrecke der Schmiedheimer Berg für GZ ein Nadelöhr darstellen könnte sind bei der Lahn eben die zahlreichen Tunnel und engen Radien. Dazu kommen jeweils satte 100 km und das kostet natürlich doch ordentlich (wenns 20-30 km wären ...). Bei längeren Überlandstrecken sieht man auch wie ewig lange die Genehmigungsverfahren laufen etwa für die Allgäubahn.

Ich denke wir werden es nicht mehr erleben, dann eher noch die Stillegung der Zweigleisigkeit, (vergl. Nitteler Tunnel Obermosel, so könnte man auch an Lahn und in der Eifel weiter auf ein Gleis zurückbauen, ist traurig aber wahr).

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Re: Lahntalbahn: Macht eine Elektrifizierung Sinn?

Beitragvon Steffen » Di 31. Jul 2018, 07:30

Moin,

wenn man sich ansieht, dass RLP beim Elektrifizierungsgrad auf dem viertletzten Platz liegt, kann man das Potential schon erkennen.
Mit Nahe-, Lahn- und Eifelbahn sind drei wirklich lange Hauptbahnen nicht elektrifiziert. Leider muss man hier ebenso einräumen, dass die millionenschweren Investitionen in die Neigetechnik im Nachhinein kompletter Unsinn waren und die Elektrifizierung zu einem Großteil abgedeckt hätten. Heute fahren z.B. an der Nahe überhaupt keine Neigezüge mehr und davor war oftmals jahrelang Stillstand beim Wackeln der 611 un 612.

Die Tunnel im Nahetal sind bereits vorbereitet oder werden in Kürze saniert werden. Hier müsste man genau prüfen wie die Lage an der Lahn ist.

Interessant finde ich, dass in dem genannten Bericht die Strecke Rohrbach-Zweibrücken-Landau nicht genannt wird, obwohl diese im Bedarf zum zweigleisigen (Wieder-)Aufbau und Elektrifizierungsprogramm (Bundesverkehrswegeplan?) stand.
Neustadt - Wörth würde als relativ kurze Verbindungsstrecke sicherlich einen guten Lückenschluss bringen und Zweibrücken - Homburg ist ja bereits in der Umsetzung.
Viele Grüße
Steffen

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Re: Lahntalbahn: Macht eine Elektrifizierung Sinn?

Beitragvon Dieselpower » Di 31. Jul 2018, 13:00

Mal abgesehen davon, daß auch der Strom irgendwo erzeugt werden muß (Und wenn man überlegt, wo einen inzwischen überall ein "Grünstromlogo" angrinst, kann ich nur von gewaltigem Schwindel ausgehen!) - wir liegen doch schon mit 60% recht günstig. Dieselmotoren kann man inzwischen so konstruieren, daß sie sauber verbrennen, und mit effektiver Abgasreinigung versehen sind.
Aber in meinen Augen ist jedwede Diskussion über neue Elektrifizierungen aus Umweltgründen Blödsinn, solange Dieseltriebwagen hunderte km bis hin zur gesamten Fahrleistung unter Fahrdraht her eiern - wegen seltsamer Ausschreibungskriterien. Am besten dann noch solche Mehrmotorengerümpel...effektiv, wenn dann (übertrieben) auch noch 18 Motoren Abgase und Lärm produzieren, um 6 Wagen zu bewegen...Triebwagen sind ja ach so wirtschaftlich. Im Ausland hat man erkannt, daß Triebwagen nur im urbanen Raum und bis zu einer gewissen Zuglänge Sinn machen. Diese Erkenntnis wird hier wohl nicht mehr heranreifen....

Ach ja, und zum Thema "Neue Nord-Süd-Trasse" durch Westerwald und Taunus:
Wem nützt eine neue Belastung der beiden ohnehin schon durch LKW-Massen geplagten Regionen - außer ein paar Spinnern im Rheintal mit einer verbohrten, plötzlich aufgekeimten "Anti-Bahn-Ideologie"? Mal abgesehen davon, daß im Rheintal die Bahn laaaaange vor den heutigen Beschwerdeführern da war - und lauter und dichter befahren obendrein, und in die Mittelgebirge eine weitere Narbe geschnitten werden müßte (Thema Steigungen) - explodierende Kosten und Bauzeiten, wie sie bei uns mittlerweile Standard sind, ganz ausgeklammert. Deutschland selbst wird von dieser Route wohl kaum profitieren, es geht doch hier in Wirklichkeit um 95% Transitverkehr. Wenn schon Neubau, warum nicht über BeNeLux und Frankreich? Hat da eigentlich mal einer drüber nachgedacht?
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