Holzbachtalbahn ist verkauft!

Rolf
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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Rolf » Do 29. Mär 2018, 17:05

Westeifelbahner hat geschrieben:...Im Rahmen einer Übernahme nach §11 AEG muss der Käufer - zumindest theoretisch - lückenlos den Weiterbetrieb gewährleisten. Im Gegenzug hat sich der Verkäufer beim Verkauf am Ertrag der Strecke zu orientieren - hier: dem erheblichen Sanierungsbedarf für den Weiterbetrieb....

Man kann dann wohl nur hoffen, dass der Käufer ernste eisenbahntechnische Ziele verfolgt und sich mit dieser Aufgabe nicht übernimmt. Ich frage mich unter den erwähnten Umständen und eingedenk der Tatsache, dass der große Kunde Schütz nun über Siershahn bedient wird, nach wie vor, wie die kleine Lappwaldbahn mit dieser Strecke Geld verdienen will. Runtetwirtschaften und am Ende verkaufen wäre jedenfalls eine Option, Gewinn zu machen. Ich hoffe sehr, dass mein Misstrauen sich nicht bestätigt.

Westeifelbahner
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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Westeifelbahner » Do 29. Mär 2018, 19:55

Sorry, aber ich finde das ganz und gar nicht seriös, Rolf.
Zunächst einmal, weil der Vorwurf eines möglichen "Herunterwirtschaftens" mir doch reichlich aus der Luft gegriffen erscheint, wenn man bedenkt, dass der SGV eingestellt wurde, weil der Kreis Altenkirchen die Folgekosten nicht mehr tragen wollte. Es gibt diverse öffentlich verfügbare Unterlagen, wie beteiligte Akteure beklagt haben, mit welchem Aufwand überhaupt ein sicherer Bahnbetrieb bis Jahresende noch gewährleistet werden konnte. Der erhebliche Sanierungsbedarf in Millionenhöhe ist bekannt. Es gab zumindest Gerüchte, dass Sonderfahrten schon nicht mehr durchgeführt wurden bzw. werden. Was soll man da überhaupt noch "herunterwirtschaften", wenn ich unterstelle, dass eine Übernahme im Rahmen des Verfahrens nach §11 AEG erfolgt und der neue Betreiber entsprechende Genehmigungen zur Durchführung eines sicheren Bahnbetriebs unter der bekanntlich sehr, sehr strengen Aufsicht des Landes RLP erhalten muss?
Vor allem stört mich aber, dass hier doch offensichtlich wenig über die LWS und das doch schon erwähnte TWE-Projekt recherchiert wurde. Die TWE ist eine durchaus vergleichbare Infrastruktur, die eine Bedeutung im SGV hatte, aber schon an diversen Stellen nicht mehr befahrbar war - scheinbar für immer.
Im Internet gibt es genug Material in Text und Bild, was die LWS dort seitdem leistet, welche Fördermittel genutzt werden und wie wieder SGV aufgebaut werden soll. Es gibt genug EIU, die sich schon an Projekten die Finger verbrannt haben, aber man sollte hier doch schon festhalten, dass die LWS auf der TWE bislang weit mehr vollbringt als fast alle für möglich gehalten haben.
In der Eifel kann man da nur neidisch in den Westerwald gucken!

Gruß Westeifelbahner

Rolf
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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Rolf » Fr 30. Mär 2018, 08:30

Alles schön und gut, aber meine zentrale Frage bleibt unbeantwortet: Wie will die Lappwaldbahn mit der vorhandenen Infrastruktur und den bekannten Defiziten Geld mit der Strecke verdienen? Im Gegensatz zur Situation bei der TWE, die ich intensiv recherchiert habe, ist die Lage im Westerwald in Bezug auf potentielle Kundschaft doch viel ungünstiger, seit Schütz über die südliche Anbindung bedient wird. Das macht mich nach wie vor stutzig.

Dr. NE
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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Dr. NE » Fr 30. Mär 2018, 09:58

DB Cargo woll doch wieder via Norden fahren wenn Strecke tauglich, oder nicht?
Bild Bild Bild Bild Bild

Rolf
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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Rolf » Fr 30. Mär 2018, 10:26

Dr. NE hat geschrieben:DB Cargo woll doch wieder via Norden fahren wenn Strecke tauglich, oder nicht?


Das wäre in der Tat ein Ansatz! Bei den in Rede stehenden Summen für eine Sanierung möchte ich aber erst mal abwarten, ob die Strecke jemals repariert wird. Ein Staat, der nicht mal genug Geld hat, um die immer zahlreicheren Schlaglöcher in den Straßen zu beseitigen, um marode Schulen zu sanieren und und und, dürfte kaum Geld zu viel haben für solche Projekte. Ich bleibe skeptisch...

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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Dr. NE » Fr 30. Mär 2018, 10:31

Rolf hat geschrieben:Ein Staat, der nicht mal genug Geld hat...
[/quote]

http://www.zeit.de/wirtschaft/2018-01/d ... hren-nicht
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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Rolf » Fr 30. Mär 2018, 10:55

Dr. NE hat geschrieben:
Rolf hat geschrieben:Ein Staat, der nicht mal genug Geld hat...


http://www.zeit.de/wirtschaft/2018-01/d ... hren-nicht[/quote]
Ja toll. Das Geld geht trotzdem nicht in angemessenem Maße in die Infrastruktur. Weder in die Schulen, in die Bahn noch in die Straßen und Brücken. Alles in einem erschreckenden Zustand. Das sieht man doch an allen Ecken und Enden.

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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Westeifelbahner » Fr 30. Mär 2018, 16:37

Rolf hat geschrieben:Alles schön und gut, aber meine zentrale Frage bleibt unbeantwortet: Wie will die Lappwaldbahn mit der vorhandenen Infrastruktur und den bekannten Defiziten Geld mit der Strecke verdienen? Im Gegensatz zur Situation bei der TWE, die ich intensiv recherchiert habe, ist die Lage im Westerwald in Bezug auf potentielle Kundschaft doch viel ungünstiger, seit Schütz über die südliche Anbindung bedient wird. Das macht mich nach wie vor stutzig.

Ich verstehe den Ansatz überhaupt nicht: Warum wird denn Schütz neuerdings wieder über Siershahn bedient? Doch nicht, weil das so prima ist, sondern der Kreis Altenkirchen die Stilllegung der Holzbachtalbahn forciert hat und die Einstellung des SGV der Westerwaldbahn beschlossen hat.
Auf der Holzbachtalbahn fuhren noch vor wenigen Monaten mehr oder weniger werktäglich lange Güterzüge, die nun nicht mangels Bedarf dort nicht mehr verkehren, sondern weil die regionale Politik kalte Füße bekommen hatte und die Infrastruktur dicht machen wollte.
Nahe liegender Weise ist das aber ein doch so erheblicher Bedarf, dass offenbar das Interesse einer anderen NE-Bahn geweckt wurde.
Warum sollten die Züge nicht - welches EVU auch immer sie dann fahren wird - wie bei der damaligen Reaktivierung sehr schnell wieder den Laufweg über den Altenkirchen nehmen, wenn die Strecke saniert und zukunftssicher ist?
Und, ja, bei bislang zweistelligen Trassenkosten je Km kommt so auch schon allein durch die Trassennutzung Geld in die Kasse.
Eine mögliche Bestellung von SPNV-Freizeitverkehren lag ebenso bereits beim ZSPNV bereits auf dem Schreibtisch, also weitere Trassenerlöse.
Und ob es dir gefällt oder nicht: Es gibt nun mal Gesetze und Wettbewerbsregeln, die einem EIU in Deutschland bei entsprechendem Potenzial im SGV erhebliche Fördermittel zur Streckensanierung gewährleisten - rechtsverbindlich und unabhängig davon, wie der Einzelne die Lage der Staatskasse beurteilt. Deine Recherche zur TWE müsste ja ergeben haben, dass die LWS diese auch dort erfolgreich beantragt hat, obwohl ich nicht glaube, dass dort mehr SGV-Leistungen zu erwarten sind als im Westerwald.

Gruß Westeifelbahner

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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Rolf » Fr 30. Mär 2018, 19:20

Die Schütz-Bedienung über Siershahn scheint ja zu funktionieren. Schütz kann also offensichtlich ohne die Holzbachtalbahn auskommen. Und wer kommt sonst noch ernsthaft als Kunde in Frage??? Gesetze hin oder her, ich habe in den letzten Jahren zahlreiche Fälle erlebt, wo die Politik völlig unabhängig davon agiert hat. Bevor ich in die große Politik abschweife, bitte ich doch das Beispiel der Westeifelbahn zu betrachten. Hier hat die Politik mit allen Mitteln, darunter sehr zweifelhaften, mittlerweile erreicht, was sie wollte, nämlich die Strecke zu eliminieren. Nach dem anstehenden Abriss der Brücke in Lissingen wird dort (leider) nie wieder ein Zug verkehren. Jede Wette! Wenn die Politik im Westerwald die Strecke nicht mehr will, kann sie ebenfalls zahlreiche Register ziehen, um das erstrebte Ziel zu erreichen. Die Westeifelbahn ist doch das beste Beispiel dafür. Ich könnte zahlreiche weitere Beispiele nennen, wo die Politik in ähnlich gelagerten Fällen ihre Ziele über alle Hürden hinweg durchgesetzt hat, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Ich kann die Zuversicht daher nicht teilen, dass die Bahnstrecke eine gute Zukunft hat. Im Falle meiner frühzeitig geäußerten Skepsis in Sachen Westeifelbahn sehe ich mich bestätigt. Ich würde mich allerdings freuen, wenn meine Skepsis in Sachen Holzbachtalbahn unbegründet wäre. Warten wir es ab.

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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Westeifelbahner » Fr 30. Mär 2018, 23:49

Rolf hat geschrieben:Die Schütz-Bedienung über Siershahn scheint ja zu funktionieren. Schütz kann also offensichtlich ohne die Holzbachtalbahn auskommen.

Du kennst aber schon die Geschichte dieser Strecke?
Die Holzbachtalbahn war von Selters über Dierdorf schon einmal stilllgelegt. Da Schütz noch existiert, dürfte außer Frage stehen, dass man auch ohne diese Strecke "auskommt" und eine Bedienung über Siershahn "funktioniert" (wieso auch nicht?).
Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass alle Verkehre schlagartig mit der Reaktivierung der Holzbachtalbahn - trotz sehr hohem Trassenpreis - fortan über Dierdorf abgewickelt wurden. Sicherlich nicht, weil sich die Züge nur verfahren haben...

Und der Diskussion über Kommunen, die eh nur Steine in den Weg werfen, fehlt mir hier auch jede Grundlage. Mir ist nicht bekannt, dass es hier Beschlüsse gibt die Gleise abbauen zu wollen und mehr. Der Kreis Altenkirchen wollte lediglich die Kosten bzw. Risiken nicht mehr tragen und hat sich offenbar geeinigt an ein Eisenbahnunternehmen zu verkaufen - anscheinend zu einem fairen Preis.

Ich glaube im Übrigen auch nicht ernsthaft, dass sich viele Lokalpolitiker dafür aussprechen wollen ggfs. die Verkehre lieber auf der Straße zu sehen, wenn Schütz den offenbar günstigsten Weg durchs Holzbachtal wieder nehmen will.

Zu deinem Vergleich zur Westeifelbahn könnte man natürlich viel schreiben, aber das ist hier einfach off topic, da ich so ziemlich keine einzige Parallele sehe. Die Holzbachtalbahn ist nicht stilllgelegt, die kommunale Beschlusslage anders, ein anderes EIU offenbar ein möglicher Betreiber und der SGV lief noch bis Jahresende auf Hochtouren.

Gruß Westeifelbahner

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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Rolf » Sa 31. Mär 2018, 08:58

Westeifelbahner hat geschrieben:Du kennst aber schon die Geschichte dieser Strecke?
Die Holzbachtalbahn war von Selters über Dierdorf schon einmal stilllgelegt. Da Schütz noch existiert, dürfte außer Frage stehen, dass man auch ohne diese Strecke "auskommt" und eine Bedienung über Siershahn "funktioniert" (wieso auch nicht?).
Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass alle Verkehre schlagartig mit der Reaktivierung der Holzbachtalbahn - trotz sehr hohem Trassenpreis - fortan über Dierdorf abgewickelt wurden. Sicherlich nicht, weil sich die Züge nur verfahren haben...

Das heißt ja noch lange nicht, dass es wieder so kommt. Erstes hat sich seither einiges geändert und immerhin sind Millionen für eine Sanierung nötig. Ich glaube erst daran, dass die Gelder fließen, wenn ich es sehe. Volkswirtschaftlich wäre ein Ausbau der Bahn-Anbindung der Firma Schütz über Siershahn vermutlich günstiger. Das wird man kaum außer Acht lassen.

Westeifelbahner hat geschrieben:Und der Diskussion über Kommunen, die eh nur Steine in den Weg werfen, fehlt mir hier auch jede Grundlage. Mir ist nicht bekannt, dass es hier Beschlüsse gibt die Gleise abbauen zu wollen und mehr. Der Kreis Altenkirchen wollte lediglich die Kosten bzw. Risiken nicht mehr tragen und hat sich offenbar geeinigt an ein Eisenbahnunternehmen zu verkaufen - anscheinend zu einem fairen Preis.

Falls Schütz weiter über Siershahn bedient wird, sehe ich für die Strecke keine Zukunft. Dann wird das Thema ganz schnell auf der Tagesordnung stehen. Jetzt ist es noch etwas früh, aber das wird sich ändern.

Westeifelbahner hat geschrieben:Ich glaube im Übrigen auch nicht ernsthaft, dass sich viele Lokalpolitiker dafür aussprechen wollen ggfs. die Verkehre lieber auf der Straße zu sehen, wenn Schütz den offenbar günstigsten Weg durchs Holzbachtal wieder nehmen will.

Das steht doch überhaupt nicht zur Debatte. Schütz wird doch weiter bedient über Siershahn und deswegen wird auch kein einziger Lastwagen mehr verkehren, wenn die Holzbachtalbahn still gelegt wird. Es gibt derzeit doch gar keinen Güterverkehr auf der Strecke. Deswegen muss auch kein Verkehr verlagert und gerechtfertigt werden, der nicht längst verlagert ist.

Westeifelbahner hat geschrieben:Zu deinem Vergleich zur Westeifelbahn könnte man natürlich viel schreiben, aber das ist hier einfach off topic, da ich so ziemlich keine einzige Parallele sehe.
Ich sehe die Parallelen sehr wohl. Am Ende setzt sich die Politik fast immer durch. Und das Thema Fahrradweg wird ganz schnell auf die Tagesordnung kommen wenn die Lappwaldbahn scheitern sollte.

Meine zentrale Frage bleibt unbeantwortet. Wie will die Lappwaldbahn mit der Strecke Geld verdienen? Ohne Schütz sehe ich da eisenbahntechnisch absolut schwarz.
Und was macht die Besitzerin dann mit der Strecke?

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Re: Holzbachtalbahn ist verkauft!

Beitragvon Westeifelbahner » Sa 31. Mär 2018, 10:02

Von meiner Seite ist dazu alles gesagt.
Gruß Westeifelbahner


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